Chongqing Blues

Chongqing Blues

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Bonjour tristesse

Nach sechs Monaten zur See kehrt der Kapitän Lin (Xuei Wang) nach Chongqing zurück, wo er einst lebte. Dort ist vor einiger Zeit sein Sohn Lin Bo (Yi Zi) von einem Polizisten erschossen worden, nachdem er mehrere Menschen mit dem Messer attackiert und sich mit einer Geisel in einem Kaufhaus verbarrikadiert hatte. Schockiert macht sich Lin auf Spurensuche nach den Gründen für die unbegreifliche Tat seines Sohnes, doch er stößt auf eine Mauer des Schweigens, die er sich selbst zuzuschreiben hat. Denn schließlich war er es, der die Familie einst im Stich ließ Kein Wunder also, dass seine Ex-Frau erbost auf die Nachforschungen des Kapitäns reagiert und auch Lino Bos bester Freund nicht bereit ist, Li bei seiner Suche zu unterstützen.
Nur langsam lichtet sich der Nebel, als Lin in Erfahrung bringt, dass sein Sohn vor dem Unglück von seiner Freundin Xiao Wen verlassen wurde. Und schließlich muss er erkennen, dass auch er selbst einen gehörigen Anteil an Schuld an dem Drama auf sich geladen hat.

Nachdem im diesem Jahr viele amerikanische Filme der Croisette ferngeblieben sind, sind es vor allem Arthouse-Filme mit schweren Themen, die dem ersten Anschein nach den Wettbewerb bestimmen. Chongqing Blues passt da bestens ins Programm. Mit sehr viel Ruhe und Bedächtigkeit, die manchmal beinahe an Langatmigkeit grenzt, entwirft Xiaoshuai Wang ein faszinierendes und düsteres Panorama von Chinas drittgrößer Stadt, in der die Dinge noch ein wenig langsamer zu laufen scheinen. Nur selten realisiert der Zuschauer, dass die klassische Geschichte einer auseinander gebrochenen Familie tatsächlich in unseren Tagen spielt. Der langsame Fluss der Erzählung verlangt durchaus einiges vom Betrachter ab und mehr als einmal denkt, man, dass die Geschichte sich nun dem Ende zuneigt, bevor der Regisseur abermals eine neue Figur und damit eine neue Wendung in seinen Film einbaut. Dennoch: Wer bis zum Ende durchhält, wird belohnt mit einem beachtlichen Filmkunst-Werk, dessen Chancen auf einen deutschen Kinostart zwar eher gering sein dürften, das aber durchaus die Richtung für den diesjährigen Wettbewerb an der Croissette vorgeben könnte.

Chongqing Blues

Nach sechs Monaten zur See kehrt der Kapitän Lin (Xuei Wang) nach Chongqing zurück, wo er einst lebte. Dort ist vor einiger Zeit sein Sohn Lin Bo (Yi Zi) von einem Polizisten erschossen worden, nachdem er mehrere Menschen mit dem Messer attackiert und sich mit einer Geisel in einem Kaufhaus verbarrikadiert hatte.
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