Chinese Box

Chinese Box

Eine Filmkritik von Mike Swain

Keine Zeit für Liebe

Seine liebenswerten Geschichten aus und über New York (Smoke, Blue in the Face) machten den Regisseur Wayne Wang bekannt. Doch 1997 kehrte er in seine Geburtsstadt Hong Kong zurück, um dort einen Film zu drehen. Anlass war die am 1. Juli 1997 bevorstehende Übergabe der britischen Kronkolonie an die Volksrepublik China.
Nicht nur die Tage Hong Kongs unter britischer Verwaltung sind am 31.12.1996 fast schon gezählt, auch der Journalist John Spencer (Jeremy Irons) sieht sich plötzlich mit dem Ende konfrontiert. Ärzte geben ihm noch maximal sechs Monate zu leben – ebenso lang wie das Hong Kong, das er kennt, liebt und doch nie vollständig verstanden und begriffen hat, weiter existieren wird. Noch weiß niemand genau, wie sich die Machtübernahme Chinas auf die asiatische Metropole tatsächlich auswirken wird. In einer Atmosphäre der Angst, ja Paranoia, befürchten viele Bewohner das Schlimmste.

Seit Jahren schon leidet John an seiner unerfüllten Liebe zur Barbesitzerin Vivien (Gong Li). Die ehemalige Prostituierte hofft noch immer, dass ihr früherer Zuhälter, der mittlerweile erfolgreiche und äußerlich ehrbare Geschäftsmann Chang sie ehelichen wird. Doch der denkt nicht daran eine Ex-Nutte zur Ehefrau zu nehmen.

Bereits gezeichnet von seiner Krankheit streift John ziellos durch die Straßen, um mit einer Minikamera wahllos Aufnahmen zu machen. Als er die hippie-ähnliche Jean (Maggie Cheung) kennen lernt, glaubt er in der jungen Frau das Sinnbild Hong Kongs zu entdecken. Durch sie will er endlich das Wesen der Stadt, das wahre Hong Kong, entdecken und verstehen, wohlwissend, dass in wenigen Monaten alles vorbei ist.

Wayne Wangs Chinese Box ist eine Ode an seine Heimatstadt, verpackt in eine Liebestragödie, in der sich immer wieder die Lebenspfade der Darsteller scheinbar zufällig kreuzen. Jeremy Irons als Sinnbild des siechenden Empires gibt sicher eine seiner stärksten Vorstellungen, in einem Film, der stilistisch an vielen Stellen durch die besten Werke Wong Kar Wais inspiriert scheint.

Chinese Box

Seine liebenswerten Werten Geschichten aus und über New York (Smoke, Blue in the Face) machten den Regisseur Wayne Wang bekannt.
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