Chillerama

Chillerama

Eine Filmkritik von Martin Beck

Partyzeit im Fäkalbad

Was Grindhouse, die Kollaboration zwischen Quentin Tarantino und Robert Rodriguez, kann, schafft auch Chillerama mit links: eine Hommage an amerikanischen Drive-In-Trash - der glücklicherweise so rumpelig und hanebüchen daherkommt, dass die sich darauf beziehenden Filmemacher völlig freie Bahn haben. Was ist überhaupt noch schlecht, wenn man sich stets auf den Exploitation-Charme der erklärten Vorbilder beziehen kann?
Es hilft bei Chillerama auf jeden Fall ungemein, schlichte Erwartungen mit Alkohol und gleichgesinnten "Kollegen" zu kombinieren. Wo bei Grindhouse noch ein Mindestmaß an Selbstreflektion zu erkennen war, regiert hier purer "gross out"-Humor, hübsch eingerahmt von allen erdenklichen Körperfunktionen. Mit einem deutlichen Schwerpunkt bei Sex. Weil das ja so anrüchig ist, und bereits über die bloße Anwesenheit für rote Ohren und prustende Schenkelklopfer sorgt.

Die Struktur von Chillerama ist die einer vierteiligen Schlock-Anthologie, angesiedelt während der letzten Nacht in einem Drive-In. Der erste der dort laufenden Filme ist Wadzilla (Regie: Adam Rifkin), ein Riff auf glibberige Stop-Motion-Monster à la Der Blob, der entgeisterte Soldaten vor Pappkulissen stellt und dazu ein riesiges Sperma-Monster loslässt. Darauf folgt dann I Was A Teenage Werebear (Regie: Tim Sullivan), der aus I Was A Teenage Werewolf ein rosarotes Musical macht und sich dafür aller Klischees eines Surffilms der sechziger Jahre bedient.

Film Nummer drei heißt The Diary of Anne Frankenstein (Regie: Adam Green), eine in Schwarzweiß gefilmte Verwurstung aus Frankenstein Junior und grimassierendem Nazi-Trash, und der Abschluss gehört dann Zom B Movie (Regie: Joe Lynch), bei dem das einrahmende Drive In-Kino von infizierten Untoten überrannt wird. Die keineswegs Gehirne essen wollen, sondern viel lieber alle möglichen Körper(teile) besteigen.

Wie jede Anthologie ist auch Chillerama ein Gemischtwarenladen unterschiedlicher Qualität. Am besten kommt The Diary of Anne Frankenstein weg, weil hier eine süffisant absurde Karikatur deutscher Vergangenheit aufgetischt wird, tatsächlich vorgetragen in deutscher Sprache (in der O-Ton Fassung). Besonders schwachbrüstig erscheint I Was A Teenage Werebear – unter anderem wegen der ständigen Singerei und den unverschämt billigen Sets.

Die anderen beiden Episoden liegen irgendwo im Mittelfeld, inklusive einem Bonuspunkt für die schönen Stop-Motion-Effekte bei Wadzilla, doch so richtig alpin wird das Niveau eigentlich nie. Chillerama pendelt zwischen liebevoller Hommage und völligem Schwachsinn - der sich zunehmend breit macht, wenn mal wieder eine grundsätzlich interessante Idee im Schweinsgalopp Richtung absurder Fäkal-Exzesse getrieben wird. Eben Schlock mit Ansage; greller Drive-In-Schmodder, der bereits vor der ersten Klappe trashiger Kult ist.

Chillerama zielt verdammt tief und gibt sich dabei ganz schön kalkuliert. Man möchte den vier durchaus hoffnungsfrohen Regisseuren gar nicht ihre Liebe zu Drive In-Thrills absprechen, doch dieses ständige Gieren nach empörenden Ausrufezeichen verleiht dem Geschehen kindische Einfalt. Statt Grindhouse biegt man hier kurz vor filmischem Punkrock à la Troma nach links ab und landet in einem immerhin lauten Mischmasch aus Amazonen auf dem Mond und allen Scary Movie-Teilen. Vor solchen Partyfilmen sollten uns unsere Eltern wirklich mal warnen.

Chillerama

Was "Grindhouse", die Kollaboration zwischen Quentin Tarantino und Robert Rodriguez, kann, schafft auch "Chillerama" mit links: eine Hommage an amerikanischen Drive-In-Trash - der glücklicherweise so rumpelig und hanebüchen daherkommt, dass die sich darauf beziehenden Filmemacher völlig freie Bahn haben. Was ist überhaupt noch schlecht, wenn man sich stets auf den Exploitation-Charme der erklärten Vorbilder beziehen kann?
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