Cherry

Cherry

Eine Filmkritik von Beatrice Behn

Wanna play?

Cherry ist ein komischer Film — komisch im Sinne von eigenartig, nicht lustig. Die Grundgeschichte ist so alt, wie der Film selbst und wahrscheinlich noch älter. Ein junges, gut aussehendes Mädchen aus einem schlechten Elternhaus (die Eltern sind Alkoholiker) zieht mit ihrem besten Freund (Dev Patel) aus der öden Kleinstadt nach San Francisco, dem Mekka aller Freiheitsliebenden. Die Schule hat sie abgebrochen und eine Ahnung was sie in der Großstadt machen soll, hat sie auch nicht aber das ist kein Problem, denn sie hat Brüste.
Was im ersten Moment nach der tausendsten Wiederholung des immer gleichen „unschuldiges Mädchen wird zur Hure“ klingt, verhandelt Newcomer Stephen Elliott in seinem ersten Film, zu dem er auch das Drehbuch schrieb, dann doch ein wenig modernisierter. Denn Angelina, jetzt unter dem Namen Cherry tätig, geht nicht klassisch anschaffen, sondern verdient ihr Geld mit Internetpornografie. Von Masturbation, über Girl-on-Girl bis hin zum klassisch heteronormativen Boy-on-Girl Sex arbeitet sie sich langsam und bedächtig immer weiter in die Szene hinein. Zum ersten Mal hat sie eine Menge Geld und ist völlig unabhängig. Sie trifft einen jungen Anwalt (James Franco, der in diesem Film nicht einmal die Augen ganz aufbekommt), der Inbegriff von Erfolg. Er geht mit ihr auf Vernissagen und zeigt ihr die Stadt vom Dach eines Hochhauses. Sie, das Kleinstadtmädchen, er, der große Bonze aus reicher Familie. Und auch hier verfährt der Film anders, als das übliche Strickmuster es vorsieht. Denn schon bald stellt sich heraus, der große Anwalt ist verloren, ein trauriger Junkie, der sich nicht traut das zu tun was er eigentlich will.

Cherry hingegen zeigt ein neues Frauenbild, das sich emanzipiert von der Scham, die die Gesellschaft mit weiblicher Sexualität verbindet, aber auch von der Gewalt, die im Film oft auf solche Emanzipationsversuche folgt. Am Ende ist sie es, die sich gefunden hat, die ihren Job als Job sieht und ihre Sexualität als normal empfindet und ausleben kann. Alle anderen Protagonisten um sie herum gehen den normativen Weg, verlieren sich und scheitern. Damit war Cherry einer von mehreren Filmen auf der Berlinale 2012, die dem Frauenbild und vor allem der sexuellen Selbstbestimmung der Frau Raum zur Exploration geben und diese auch mit einigen expliziten Szenen feiern konnte, wobei es hier manchmal doch in die übliche Zurschaustellung abdriftet. Überhaupt ist Cherry als Filmkonstrukt so wackelig wie Pudding. Von Szene zu Szene schwankt das Drehbuch von grotesk schlecht und eigenartig bis hin zu genial, so dass man am Ende des Films gar nicht so recht weiß, was man dazu sagen oder denken soll.

Lecker Kirschkompott mit Sahnehäubchen oder rote Grütze aus dem Aldi? Diese Frage kann nur jeder für sich beantworten.

Cherry

„Cherry“ ist ein komischer Film — komisch im Sinne von eigenartig, nicht lustig. Die Grundgeschichte ist so alt, wie der Film selbst und wahrscheinlich noch älter. Ein junges, gut aussehendes Mädchen aus einem schlechten Elternhaus (die Eltern sind Alkoholiker) zieht mit ihrem besten Freund (Dev Patel) aus der öden Kleinstadt nach San Francisco, dem Mekka aller Freiheitsliebenden. Die Schule hat sie abgebrochen und eine Ahnung was sie in der Großstadt machen soll, hat sie auch nicht aber das ist kein Problem, denn sie hat Brüste…
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