Cherchez Hortense

Cherchez Hortense

Eine Filmkritik von Festivalkritk Venedig 2012 von Beatrice Behn

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben

Es ist natürlich sehr polemisch zu behaupten, dass es eine ganz bestimmte Art Film gibt, die man den "französischen Arthouse-Film" nennen könnte. Das bekannte Beispiel dieser beliebten Spezies ist wohl Ziemlich beste Freunde. Auf der gleichen Welle schwimmt Pascal Bonitzers neuer Film Cherchez Hortense. Damit ist vor allem die Machart des Filmes gemeint: witzig, charmant, ein wenig kritisch und ansonsten mit einem guten Herzen ausgestattet. Thematisch geht es natürlich um Menschliches und allzu Menschliches, doch im Gegensatz zu der amerikanischen Version dieser "Feel-Good" Filme, sind die französischen Kandidaten ausgestattet mit einigen Widerhaken und ein bisschen mehr Sinn dafür, dass im Leben am Ende nicht immer alles gut ist.
Und so geschieht es auch, dass Damiens (Jean-Pierre Bacri) Leben eben noch ganz wunderbar geordnet war und dann plötzlich zerbricht. Seine Frau Iva (Kristin Scott Thomas) ist ein Workaholic - kein Problem für Damien, er kümmert sich eben um den gemeinsamen Sohn und seine Karriere als Universitätsprofessor. Noch dazu soll er einer Freundin seiner Schwägerin aushelfen. Diese ist illegal in Frankreich und soll ausgewiesen werden. Damiens grantiger Vater Sebastian (Claude Rich) könnte das dank seiner Anstellung als oberster Richter verhindern, doch Vater und Sohn verstehen sich nicht allzu gut und Damien scheut davor zurück für eine Fremde über seinen Schatten zu springen. Doch dann lernt er die Unbekannte "Vera" (Iliana Lolic) kennen und plötzlich ist es um einiges schwieriger sich nicht ihrer anzunehmen, schließlich ist sie doch ein Mensch und nicht nur eine Akte. Doch es kommt noch dicker, denn es stellt sich heraus, dass Iva nicht nur intensiv an ihrem Theaterstück, sondern auch an dessen Hauptdarsteller arbeitet, während sein Vater lieber den jungen japanischen Kellner, anstatt seine Ehefrau anhimmelt.

Irgendwie will keiner mehr so richtig funktionieren - es scheint als wollte Bonitzer, der ja auch nicht mehr der Jüngste ist, der üblichen Midlife-Crisis und Menopausen-Depression eine letzte kleine Revolution entgegensetzen: das Aufbäumen der bald Alten gegen ein Leben in Stille und Korrektheit. Ganz nebenbei bringt der Film dann aber wirklich schwierige und in leichten Komödien eher unübliche Themen mit ein: Homosexualität bzw. überhaupt Sexualität im "Alter", die Art wie Frankreich mit seinen Immigranten umgeht und Beziehungen von Eltern und Kindern, wenn alle längst erwachsen sind - all diese mischt Bonitzer ganz sanft mit unter und gönnt den Themen zumindest einzelne Augenblicke an der Peripherie der Bilder. Doch mehr dann auch nicht, schließlich soll es sich ja trotzdem gut anfühlen und - wie die jungen Leute so sagen - "fluffen". Der Rest bleibt dann doch dem Genre treu und fließt recht oberflächlich vor sich hin. So ganz kann Bonitzer hier die Möglichkeiten nicht ausschöpfen (oder will es nicht), doch es reicht allemal zu einem unterhaltsamen Kinobesuch.

(Festivalkritk Venedig 2012 von Beatrice Behn)

Cherchez Hortense

Es ist natürlich sehr polemisch zu behaupten, dass es eine ganz bestimmte Art Film gibt, die man den "französischen Arthouse-Film" nennen könnte. Das bekannte Beispiel dieser beliebten Spezies ist wohl Ziemlich beste Freunde. Auf der gleichen Welle schwimmt Pascal Bonitzers neuer Film Cherchez Hortense. Damit ist vor allem die Machart des Filmes gemeint: witzig, charmant, ein wenig kritisch und ansonsten mit einem guten Herzen ausgestattet.
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