Chasing Ice

Chasing Ice

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Gletscher beim Sterben fotografisch begleitet

Von der Gletscherschmelze im Zuge des Klimawandels ist oft die Rede. Aber was sich in Grönland und Alaska abspielt, bekommen die meisten von uns nicht zu Gesicht. Umso leichter fällt es, das Phänomen mit einem Schulterzucken abzutun, so wie in der öffentlichen Diskussion auch ab und zu noch die Brisanz der Erderwärmung durch den Kohlendioxid-Ausstoß heruntergespielt wird. Und wenn es heißt, dass die Gletscher weltweit im vergangenen Jahrzehnt stärker zurückgingen als im gesamten 20. Jahrhundert, fehlen der Vorstellungskraft womöglich die entsprechenden Bilder. Man müsste über Jahre hinweg überall in der Arktis Kameras platzieren, um aus nächster Nähe Augenzeuge dieses Naturdramas zu werden, dachte sich der amerikanische Wildlife- und Landschaftsfotograf James Balog. So brachte er 2007 die bislang umfassendste fotografische Langzeitstudie auf den Weg, „EIS“ — „Extreme Ice Survey“.
Vier Jahre später präsentiert Balog eindrucksvoll den Beweis der menschengemachten Gletscherschmelze in Form von Zeitrafferfilmen. Sie bestehen aus vielen tausend Einzelaufnahmen, die von Kameras in Alaska, Grönland, Island und anderen Regionen stammen. In Sekunden kann man sehen, wie ein Gletscher in Alaska um vier Kilometer schrumpft, Landschaften ihr Gesicht irreversibel verändern. Der junge Dokumentarfilmer Jeff Orlowski hat Balog bei der Arbeit an diesem Projekt begleitet. Zusammen mit Balogs Bildern, Expertenaussagen und begleitendem Material stellt sich sein Film in den Dienst von Balogs Umweltengagement und würdigt sein Lebenswerk. Chasing Ice bekam 2012 den Preis „Excellence in Cinematography“ des Sundance Film Festivals.

In Orlowskis Film bildet der Weg zu den spektakulären Fotografie-Ergebnissen Balogs ein zentrales Thema. Man sieht das Team in entlegene arktische Gebiete ausschwärmen, zu Fuß, per Boot oder im Husky-Schlitten. Auf Felsen werden Plattformen für die Kameras montiert, damit sie die Gletscher optimal ins Visier nehmen und gleichzeitig den Stürmen trotzen können. Zwei Männer zelten wochenlang vor dem größten Gletscher Grönlands mit Videokameras und werden schließlich Zeugen eines gigantischen Abbruchs an der Küste, der sich über 75 Minuten hinzieht. Einmal wird ein Teammitglied tief in eine Gletscherspalte abgeseilt, um nahe Aufnahmen des unten tosenden Schmelzwassers zu machen. Auf den Expeditionen bewahrt sich Balog, der unter anderem für National Geographic arbeitet, auch einen zweckfreien Sinn für die Schönheit der Landschaft und ihrer Eisformationen. Ein paar Nachtaufnahmen belegen besonders prägnant seinen emotionalen Zugang zur Fotografie. „Man kann die Zivilisation nicht von der Natur trennen“, ist auch das Leitmotiv seines beruflichen Umweltengagements.

Wegen seiner hohen Kosten steht das Projekt von Anfang an unter hohem Druck: Als die teuren Spezialkameras nach einigen Monaten vor Ort wieder inspiziert werden, stellt sich heraus, dass die Zeitschalter nicht ausgelöst haben. Balog ist am Rande der Verzweiflung, aber dann lässt er neue Timer anfertigen und in jede einzelne Kamera einbauen. Orlowski steuert dieser spannenden Projektdokumentation gelegentlich erklärende Computergrafiken oder auch Fotos von Flutkatastrophen als Folgen des Klimawandels bei. Nicht jede Information, die er im Umfeld des Themas aufgreift, ist gleich spannend, zum Beispiel wenn es um gesundheitliche Probleme Balogs geht. Der Film schließt mit Fotografien, die noch einmal die Schönheit der arktischen Eiswelt einfangen – ein Anblick, der in natura vielerorts bald nicht mehr möglich sein wird.

Chasing Ice

Von der Gletscherschmelze im Zuge des Klimawandels ist oft die Rede. Aber was sich in Grönland und Alaska abspielt, bekommen die meisten von uns nicht zu Gesicht. Umso leichter fällt es, das Phänomen mit einem Schulterzucken abzutun, so wie in der öffentlichen Diskussion auch ab und zu noch die Brisanz der Erderwärmung durch den Kohlendioxid-Ausstoß heruntergespielt wird.
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Meinungen
KB · 09.11.2013

Interessanter Film, zu einem absoult brisantem Thema!

Unbedingt anschauen!!

Kommentare

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