Celebration (2007)

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Wenn’s mal wieder länger dauert: Zwölf Jahre nach seiner Premiere bei der Berlinale kommt Olivier Meyrous Dokumentarfilm über Yves Saint Laurent in die Kinos. Grund für die Verspätung war ein Verbot von höchst prominenter Instanz.

Celebration (2007)

Eine Filmkritik von Falk Straub

Das Bild einer Modeikone als große Katze

Mit Yves Saint Laurent zog sich 2002 der letzte große Pariser Couturier aus der Modebranche zurück. Regisseur Olivier Meyrou hat ihn kurz vor seinem, von unzähligen Feiern durchzogenen Karriereende mit der Kamera begleitet. Das Ergebnis war erstmals im Panorama der Berlinale 2007 zu sehen, knapp eineinhalb Jahre vor Laurents Tod. Die breite Öffentlichkeit musste sich bis jetzt gedulden. Pierre Bergé, Laurents Geschäfts- und Lebenspartner, ließ weitere Aufführung zu seinen Lebzeiten verbieten. Nach dessen Tod bringt Meyrou den Film nun in einer leicht veränderten Schnittfassung in die Kinos.

Wer einen Abriss über Leben und Schaffen des Modeschöpfers erwartet, sitzt im falschen Film. „Dem jungen Mann, dem aufstrebenden Künstler, dem kreativen und freudigen Revolutionär, den wir auf Andy Warhols Gemälden sehen, bin ich nie begegnet“, sagt Meyrou über Laurent und die Dreharbeiten. Als der Regisseur den ebenso legendären wie öffentlichkeitsscheuen Laurent trifft, ist dieser bereits schwer von Krankheiten gezeichnet. Bergé kontrolliert alles um ihn herum. „Ich war zweieinhalb Jahre lang ‚embedded‘“, zieht Meyrou denn auch einen Vergleich mit der eingeschränkten Berichterstattung von Kriegsreportern.

Während Bergé wie ein Irrwisch durchs Bild wirbelt, ist Laurent fast nie zu sehen. Bevor dieser überhaupt einmal in Erscheinung tritt, muss alles penibel zu seiner vollsten Zufriedenheit auf ihn abgestimmt sein. Kaum da, ist er auch schon wieder weg. Vor der Kamera nimmt er Reißaus wie ein scheues Reh, was Meyrou bezüglich der Herangehensweise an die Dreharbeiten zu einem weiteren Vergleich verleitet. Celebration hätte mitunter mehr mit einem Tier- denn mit einem Dokumentarfilm zu tun. „Wir hielten einige Tage durch, denn große Katzen müssen früher oder später zum Wasserloch kommen, und Yves Saint Laurent musste früher oder später an seinen Schreibtisch, um seine Kollektion zu entwerfen“, erklärt Meyrou.

Diese wenigen Momente hat Meyrou mal in Farbe, mal in Schwarz-Weiß festgehalten. Was vom Regisseur als visuelle Struktur gedacht war, um das noch zu Lebzeiten historisch gewordene Bild der Modeikone von seiner tatsächlichen, inzwischen gebrechlichen Erscheinung abzugrenzen, verwirrt letzten Endes mehr. Zeitbezüge und -abläufe bleiben völlig unklar. Rauschendes Geflüster und vorwärtsdrängende, wie Pingpong-Bälle pochende Elektro-Sounds erzeugen eine Spannung, die ergebnislos verpufft. Über Laurents Entwürfe, seine Arbeitsweise, seine Kreativität, Genialität und seinen Einfluss auf die Modewelt erfahren wir (so gut wie) nichts. Stattdessen erfahren wir viel über Pierre Bergé.

Der hört sich gern reden; meist über Laurent, am liebsten aber über sich selbst. Also hört Meyrou ihm ganz genau zu. Unter der legeren Art und der Bescheidenheit des Unternehmers, Kunstsammlers und Mäzens schwingt stets eine gönnerhafte Arroganz mit. Tanzt hinter den Kulissen nicht alles nach seiner Pfeife, dann schlägt seine charmante Art in Aggressivität um. Kein Wunder, dass Meyrous Film Bergé nicht gefallen hat.

Celebration ist mehr work in progress als Dokumentarfilm und ein Dokumentarfilm über das Dokumentarfilmemachen, über dessen Hindernisse und (Un-)Möglichkeiten. Meyrou zieht sich so gut wie möglich aus der Affäre. Das Ergebnis liegt irgendwo in einem experimentierfreudigen Dazwischen. Celebration ist weder Loblied auf eines der größten Modegenies des 20. Jahrhunderts noch Abgesang, weder befriedigend noch enttäuschend, weder geglückt noch misslungen. Keine modische Katastrophe, aber eben auch keine dokumentarische Haute Couture.

Celebration (2007)

Paris, 2001. Yves Saint Laurent skizziert, bereits schwer von Krankheiten gezeichnet, die Entwürfe für seine letzte Kollektion. Unterdessen richtet sein Lebens- und Geschäftspartner Pierre Bergé eine Serie von Feiern aus, um das kolossale Werk des Modedesigners zu würdigen. Regisseur Olivier Meyrou begleitet Saint Laurent in den letzten Karrierejahren und wirft dabei vor allem ein Licht auf die komplexe Beziehung zwischen ihm und seinem Partner. Bergé schützt den introvertierten Künstler vor der Außenwelt und hält ihn so erst überlebensfähig — doch Saint Laurent lässt sich von ihm auch durch das Leben führen wie ein Schlafwandler, der nie erwachen darf. (Quelle: Verleih)

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