Casino Barcelona – Die Glückssträhne

Casino Barcelona – Die Glückssträhne

Eine Filmkritik von Stefan Dabrock

Gewinnformel

Beobachten, analysieren und beim Roulette den sicheren Gewinn abräumen. Bis in die 1990er Jahre war das möglich, aber kaum einer hat es gewagt. Der spanische Plattenproduzent Gonzalo Garcia-Pelayo hatte den Schneid, seine Theorie in die Tat umzusetzen, dass Rouletteräder minimale Unregelmäßigkeiten aufweisen müssen. Er schloss daraus, dass über eine hohe Menge an Versuchen, bestimmte Zahlen öfter kommen müssten, als andere. Anfang der 1990er Jahre beobachteten er und seine Kinder die Roulettetische eines Madrider Casinos, sammelten Unmengen an Daten, analysierten sie mithilfe eines Computers und identifizierten Zahlen, die an bestimmten Tischen signifikant öfter kamen, als andere. Dann begann er zu setzen und er gewann viel Geld, bis er in Madrid und anderen Casinos auf der Welt kein gern gesehener Gast mehr war. Pelayos „System“ sorgte dafür, dass die Rouletteräder so umgebaut wurden, dass ihr Ergebnis wieder wesentlich zufälliger ist.
Auf dieser Geschichte basiert der spanische Film Casino Barcelona, in dem Gonzalo Pelayos (Lluís Homar) Sohn Iván (Daniel Brühl) die wichtigste Figur ist. Iván soll für seinen Vater den ausgetüftelten Plan in die Tat umsetzen, weil Gonzalo nicht ins Casino darf. Gemeinsam mit Freunden und weiteren Verwandten macht sich Iván Abend für Abend daran, die Regeln des Roulette aus den Angeln zu heben. Aber seine Mitstreiter haben entweder den Hang, zu eigenmächtig zu sein, oder sie erweisen sich als Hallodris, die sich mehr um hübsche Croupiers kümmern, als das großes Ziel im Auge zu behalten. Während Iván darum kämpft, sein Team auf Linie zu bringen, verliebt er sich in die selbstbewusst auftretende Chinesin Shui (Hui Chi Chiu), die als Küchenhilfe bei einem befreundeten Restaurantbesitzer arbeitet. So hat er alle Hände voll zu tun, den Boden nicht unter den Füßen zu verlieren. Gleichzeitig nimmt die Obsession seines Vaters überhand, es dem Casinobesitzer zu zeigen, den er nur mit einer Mischung aus Ver- und Hochachtung „Die Bestie“ (Erduard Fernández) nennt.

Das Drehbuch, an dem Regisseur Eduard Cortés selbst mitgeschrieben hat, wählt einen sehr hübschen Ansatz, um die Geschichte in eine flockige Komödie zu verwandeln. Ironischerweise bedrohen Unwägbarkeiten bei den beteiligten Menschen den Erfolg des Plans, nachdem man glaubte, durch sorgfältige Beobachtung den Hauptfeind Glücksspielzufall ausgeschaltet zu haben. Feierlaune und Misstrauen – einer aus Iváns Team fängt heimlich wieder an zu arbeiten und kann abends wegen des Schlafmangels kaum wach bleiben – stehen im Kontrast zur Professionalität, die ein solches Unterfangen benötigt. Denn so abenteuerlich der Plan auch klingt, ein Casino auszunehmen, es handelt sich letztlich um ein logisch durchdachtes System, das mit Disziplin durchgezogen werden muss, will man nicht scheitern. Der Gang ins Casino ist für die Pelayo-Truppe wie der Gang eines Arbeitnehmers ins Büro, nur dass die Atmosphäre ein bisschen schillernder und die Bezahlung höher ist.

Aus den menschlichen Eigenheiten entwickelt Cortés Szenen zwischen Komik und Tragik, die im besten Fall sogar beides zusammenführen, wenn einer aus der Truppe in Iváns Abwesenheit ein verbessertes System anwendet, aber nicht bemerkt, dass das Casino einen simplen Trick gegen sie angewendet hat. Der ausbleibende Gewinn stürzt die Gruppe ausgerechnet dann in Verzweiflung, als Iván der Chinesin Shui näher kommt. Liebesglück und das drohende Scheitern am Roulettetisch verdichten sich auf dramatische Weise zu einer entgegengesetzten Gemengelage. Selbst bei der Durchführung eines genau ausgeklügelten Plans ist man letztlich auf Glück angewiesen, weil der menschliche Faktor niemals berechenbar wird.
Die brüchige Natur des ganzen Unterfangens spiegelt sich auch in der visuellen Umsetzung wider. Denn die bunte Glitzerwelt leistet nicht nur einen Beitrag als glaubwürdige Kulisse für die Darstellung eines Casinos, sie wird durch eine luftige Kameraführung und die Hochglanzästhetik so verstärkt, dass die schicke Oberfläche dominiert. In dieser Welt, in der man niemals genau erkennen kann, was sich hinter dem Glanz befindet, steht man immer in Gefahr sich zu verlieren. Und sei der Plan auch noch so rational. Davon erzählt die Komödie und von dem Willen, sich gegenüber der Verführkraft des Casinos durchzusetzen.

Das Bild der Bluray leistet sich keine Schwächen. Das saubere Bild glänzt mit klaren Konturen und einem hohen Detailreichtum, der auch in dunklen Szenen nicht in die Knie geht. Angesichts der Hochglanzästhetik des Films kommt den Farben und dem Kontrast eine besondere Bedeutung zu. Und auch hier überzeugt die Bluray. Die Lichter der Casinowelt oder die eines im Dunkel der Nacht stehenden Würstchenstandes kommen ebenso gut zur Geltung wie die kräftigen Farben. Insgesamt eine sehr gute Bildqualität.

Die DTS-HD-Master-5.1-Tonspuren verfügen über eine gute räumliche Präsenz, die hörbar über dem Durchschnitt liegt, der sonst bei eher ruhigen Filmen erreicht wird. Zahlreiche Nebengeräusche tauchen auch in den hinteren Lautsprechern auf und geben einem das Gefühl, Teil der Szenen zu sein. Dazu gesellt sich eine prägnante Musik und verständliche Dialoge. Leider hat die Originalfassung aber nur einen Wert für Menschen mit Spanischkenntnissen, da der Hauptfilm nicht untertitelt wurde.

Casino Barcelona – Die Glückssträhne

Beobachten, analysieren und beim Roulette den sicheren Gewinn abräumen. Bis in die 1990er Jahre war das möglich, aber kaum einer hat es gewagt. Der spanische Plattenproduzent Gonzalo Garcia-Pelayo hatte den Schneid, seine Theorie in die Tat umzusetzen, dass Rouletteräder minimale Unregelmäßigkeiten aufweisen müssen.
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