Cargo - Da draußen bist du allein

Cargo - Da draußen bist du allein

Eine Filmkritik von Rollo Tomassi

Einen Science Fiction Film aus dem deutschsprachigen Raum gab es schon lange nicht mehr. Dem Rezensenten fällt da spontan nur Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein aus den 1990ern ein. Emmerichs Moon 44 ist auch schon ein paar Jahre alt. Bullys (T)Raumschiff gab es dann ja auch noch, fast vergessen. Nun also Cargo, produziert mit vielen Schweizer Franken und mit einem deutschsprachigen Cast in Englisch gedreht. Das klingt schon mal nach großer Ambition, doch Ed Wood war auch ambitioniert und Cargo schielt zu sehr nach rechts und links, anstatt sein eigenes Ding zu machen. Das ist bedauerlich, denn der Rezensent ist weitestgehend unvoreingenommen an Cargo herangegangen…
Die Erde hat den Kollaps sämtlicher Ökosysteme hinter sich und die Menschen leben in gigantischen Raumschiffslums im Weltall. Die junge Ärztin Laura (Anna-Katharina Schwabroh) beschließt, an Bord eines Frachters die medizinische Überwachung der gefrorenen Crew (u.a. ein herrlich knurriger Claude-Oliver Rudolph) zu übernehmen. Durch den Job erhofft sie sich, das Geld für eine Reise nach Rhea, wo ihre Schwester samt Kinder lebt, zusammen zu bekommen. Rhea ist ein paradisischer Planet in einem weit entfernten Sonnensystem. Kurz vor dem Ende der Reise, nach beinahe vier Jahren, beginnt die junge Frau merkwürdige Geräusche an Bord zu hören. Halluziniert sie? Oder ist tatsächlich noch jemand an Bord? Laura bekommt Angst, weckt die Crew und wird erstmal für durchgeknallt gehalten. Doch bald gibt es den ersten Toten.

Es ist löblich, wenn sich europäische Filmemacher an aufwändiges wie Science Fiction wagen. Und niemand sagt, dass die Amerikaner so etwas besser hinbekommen. Hollywood kocht auch nur mit Wasser. Die Sache ist nur, dass Hollywood wesentlich mehr Wasser zur Verfügung hat. Und das merkt man Cargo in beinahe jeder Szene an. Viele der Visual Effects wirken unfertig, ja wie aus einem PC-Spiel entlehnt. Kulissen und Ausstattung sind glaubhaft, es sind die Effekte, die wie Fremdkörper wirken. Auch ist das Spiel der Darsteller immer wieder störend bemüht. Als würden sie sich in den Kulissen nicht wohl fühlen. Das geht so weit, dass man sich in einer Daily Soap wähnt. Und dies trifft vor allem auf die weibliche Darstellerriege zu. Die Männer müssen eh ob ihrer Charaktere ständig hart am Overacting balancieren. Dazu kommt einen lausige Nachsynchronisation, die unfreiwillig komisch ist, da oftmals Mimenspiel und Tonfall der Stimme nicht harmonieren.

Das auch im Science Fiction Innovationen möglich sind, bewies der letztjährige District 9 eindrucksvoll. Doch was Cargo als Story aufzubieten hat, ist ein Zusammenschnitt voller altbekannter Ideen und Story-Versatzstücke. Etwas Event Horizon, eine Prise Matrix und natürlich viel Alien. Das Ganze auch noch mittelmäßig umgesetzt – warum sollte man sich damit begnügen, wenn die Originale und Vorbilder so viel besser aussehen und auch sind? Wie sagte ein guter Freund: „Leider fehlt unseren Filmemachern und Redakteuren der notwendige Realitätsverlust, um brauchbare Science Fiction zu machen.“ Und genau da liegt das Problem. Das die Bonus-DVD mit Hintergrundmaterial vollgestopft ist, macht Cargo nicht besser, ist aber informativ und unterhaltsamer, als der Hauptfilm selbst.

Cargo - Da draußen bist du allein

Einen Science Fiction Film aus dem deutschsprachigen Raum gab es schon lange nicht mehr. Dem Rezensenten fällt da spontan nur „Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein“ aus den 1990ern ein. Emmerichs „Moon 44“ ist auch schon ein paar Jahre alt. Bullys „(T)Raumschiff“ gab es dann ja auch noch, fast vergessen.
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