Captain Phillips

Captain Phillips

Eine Filmkritik von Janosch Leuffen

Atemlose Meuterei auf der "Maersk Alabama"

8. April 2009. Der Frachter "Maersk Alabama", unter dem Kommando von Kapitän Richard Phillips, wird vor der Küste Somalias von Piraten geentert. Während des Beutezugs wird Phillips von den Seeräubern in einem Rettungsboot entführt und einige Tage später von einer Spezialeinheit der US Navy SEALs befreit. Eine hochdramatische Rettungsaktion, die der Kapitän vier Jahre später in einem Buch niederschrieb und die noch im gleichen Jahr von Paul Greengrass verfilmt wurde.
Aufgrund der geschilderten Erlebnisse aus der subjektiven Sicht von Phillips darf man durchaus infrage stellen, was sich an Bord der Maersk Alabama tatsächlich abgespielt hat. Im Buch gibt sich der Entführte als freundlicher, aber bestimmter Mann, der sich aufopferte, um seine Besatzung vor Angriffen der Piraten zu schützen. Einige Crewmitglieder meldeten sich nach der Veröffentlichung von Höllentage auf See zu Wort und erklärten, dass niemand Lust hatte mit Phillips auf Fahrt zu gehen, weil dieser ein mürrischer, alter Mann sei. Greengrass und Drehbuchautor Billy Ray (Die Tribute von Panem – The Hunger Games) schlagen sich jedoch eindeutig auf die Seite des Käpitäns.

Dessen Lebenssituation wird in der Einführung kurz beleuchtet. Phillips hat Kind und Frau (viel zu kurz zu sehen: die großartige Catherine Keener), was der folgenden Meuterei noch einmal mehr Dramatik verpassen soll. Im Kontrast dazu steht die Lage in Somalia: Hier geht es den Menschen schlecht. Halbwegs starke und gebildete, junge Männer werden rekrutiert, um Schiffe zu entführen. Als Belohnung gibt es dann Geld für die Familie. Die Kriminellen pushen sich mit Drogen. Von Beginn an gerät das Szenario durch Greengrass' seit der Bourne Verschwörung berühmt-berüchtigte Handkamera zu einem spannungsgeladenen Trip mit unterschwelliger Gesellschaftskritik.

Wenn der Frachter dann in See sticht, wird es richtig packend. Der Angriff der Piraten, den Greengrass improvisieren ließ und selbst seinen Hauptdarsteller Tom Hanks nicht darauf vorbereitete, wirkt bedrohlich und authentisch. Die vier somalischen Angreifer, verkörpert von Schauspieldebütanten, sind ungemein furchteinflößend und werden nicht als tumbe Verbrecher gezeichnet. Sie gehen cleverer vor als es die Schiffscrew angenommen hat und schaffen so ein fesselndes Duell, das stellenweise auf Augenhöhe abläuft. Hanks agiert dabei unaufgeregt und verleiht seiner Figur dadurch Stärke und Sympathien.

In der zweiten Hälfte wird die Buchverfilmung dann zu einem klaustrophobischen Kammerspiel auf dem weiten Ozean. In dem kleinen Rettungsboot könnten zartbesaitete Zuschauer aufgrund der anhaltenden Wackelbilder selbst im Kinosaal seekrank werden. Entziehen kann man sich der schweißtreibenden Entführung des Kapitäns aber kaum. Dank des intensiven Spiels der Darsteller und der stilsicheren Inszenierung wird der Rettungsakt zu einem nervenzerfetzenden und ungleichen Showdown zwischen einem militärischen Großaufgebot der USA und vier verzweifelten Somaliern. Der Dramaturgie wegen hält sich das Skript dabei allerdings nicht immer an die Vorlage.

Paul Greengrass stellt mit Captain Phillips erneut sein Regietalent eindrucksvoll unter Beweis und kann sich dabei auf einen starken Cast verlassen. Das Resultat ist ein atmosphärisch dichter Überlebenskampf, der die aufgebaute Spannung über zwei Stunden lang aufrecht hält. Und obwohl der Regisseur seine Titelfigur eindeutig als Helden darstellt, verkommt das Werk nie zum Lobgesang auf den Kapitän.

Captain Phillips

8. April 2009. Der Frachter "Maersk Alabama", unter dem Kommando von Kapitän Richard Phillips, wird vor der Küste Somalias von Piraten geentert. Während des Beutezugs wird Phillips von den Seeräubern in einem Rettungsboot entführt und einige Tage später von einer Spezialeinheit der US Navy SEALs befreit. Eine hochdramatische Rettungsaktion, die der Kapitän vier Jahre später in einem Buch niederschrieb und die noch im gleichen Jahr von Paul Greengrass verfilmt wurde.
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Meinungen
Bernd Hoffmann · 17.11.2013

Ein klasse Film, der über die ganze Dauer spannend ist und die Zuschauer in den Bann zieht. Das Beste was ich in den letzten Jahren gesehen habe.

Kommentare

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