Captain America (1990)

Captain America (1990)

Eine Filmkritik von Peter Osteried

J.D. Salingers Sohn im Kampf gegen Nazis

Denkt man heute an Captain America, dann in allererster Linie an Chris Evans und die neuen Filme rund um die lebende Legende. Allerdings gab es im Lauf der Jahrzehnte schon andere Adaptionen des Comics. 1990 wurde im Zug des ersten Comic-Film-Booms nach Batman auch Captain America auf die Kinoleinwand geschickt – allerdings mit nur geringem Budget.
Steve Rogers (Matt Salinger) möchte seinem Land dienen. Er stellt sich der Armee zur Verfügung für ein Experiment, das aus ihm einen Supersoldaten macht. Er wird zu Captain America und kämpft zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs gegen den Red Skull – sozusagen sein Nazi-Gegenstück. Der Kampf verläuft nicht gut und Captain America wird im ewigen Eis eingefroren. Jahrzehnte später findet man ihn und taut ihn auf. Natürlich hat er Schwierigkeiten, sich in der Moderne zurechtzufinden. Aber eines ist gleichgeblieben: Noch immer lebt der Red Skull. Und er ist gefährlicher denn je.

Der Film ist ambitionierter, als er sein dürfte. Denn er hatte ein ganz beträchtliches Problem: Nicht nur war die Produktion immens chaotisch, nein, auch das Budget schrumpfte während der Dreharbeiten zusammen. Nach Fertigstellung wartete man dann in den USA vergeblich auf einen Kinoeinsatz. Erst 1992 kam er dort auf VHS in die Videotheken. In anderen Ländern, darunter auch Deutschland, hatte er zumindest begrenzten Kinoeinsatz.

Albert Pyuns Film besticht durch die beinahe sehr originalgetreue Übernahme der Entstehungsgeschichte des Schildträgers. Ein paar Änderungen gibt es aber schon, die wohl hauptsächlich dem Budget geschuldet sind. Aus heutiger Sicht mag Captain America nicht mehr viele Zuschauer begeistern können, zu seiner Zeit gehörte er jedoch zu den besseren Comic-Filmen.

Für die Rolle des Captains wurde Matt Salinger verpflichtet und als sein Gegenspieler Red Skull ist Scott Paulin zu sehen. Der sehr günstige Film erzählt seine Geschichte auf angenehme und unterhaltsame Art. Dabei gibt es für die Fans gerade genug Auftritte im Kostüm, die im Genre des Superheldenfilms immer das Salz in der Suppe sind. Man würde sich aber schon etwas mehr Action wünschen, auch und gerade, weil Salinger im Kostüm eine gute Figur macht. Merkwürdig sind übrigens die Gummi-Ohren. Eigentlich hatte man Löcher ausgeschnitten, so dass Salingers Ohren durchpassen, aber das Kostüm scheuerte, so dass man sich für die Gummi-Version entschied, um es dem Schauspieler leichter zu machen.

2011 präsentierte Albert Pyun einen Director’s Cut seines Films, der eine Laufzeit von gut zwei Stunden hat. Das neue Material enthält mehr Momente der Charakterentwicklung. Schön und gut, aber eigentlich fehlt der Kinofassung schon etwas Action. Für die deutsche Veröffentlichung ist dies ohnehin irrelevant, denn hier gibt es „nur“ die Kinofassung, die aber letzten Endes ohnehin zu bevorzugen ist. Aller Defizite und den wenigen Action-Sequenzen zum Trotz ist Captain America jedoch ein guter, kleiner, günstiger Comic-Film, der lange vor dem Goldenen Zeitalter der Comic-Filme ein Highlight für Fans war. Nur die rosarote Nostalgiebrille sollte man während des Guckens unbedingt aufsetzen.

Captain America (1990)

Denkt man heute an Captain America, dann in allererster Linie an Chris Evans und die neuen Filme rund um die lebende Legende. Allerdings gab es im Lauf der Jahrzehnte schon andere Adaptionen des Comics. 1990 wurde im Zug des ersten Comic-Film-Booms nach „Batman“ auch Captain America auf die Kinoleinwand geschickt – allerdings mit nur geringem Budget.
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