Capital C

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Eine Filmkritik von Gregor Ries

Show Me The Money!

Eine neuere, ungewöhnliche Art der Finanzierung ist Crowdfunding, bei der Projekte – vereinfacht gesagt – auf Plattformen im Internet vorgestellt und durch die Beteiligung vieler Kapitelgeber finanziert werden. In seinem Kinodebüt Capital C porträtiert nun das aus der Videoclip- und Werbebranche stammende Duo Jørg M. Kundinger und Timo Birkhofer drei völlig unterschiedliche Vorhaben, bei denen die Förderung per Internetkampagne gelang. Ihre Protagonisten wählten sie aus rund zwei Dutzend Fällen aus. Bemerkenswert ist dabei: der Film über Crowdfunding kam selbst durch Crowdfunding zustande, 586 Menschen aus 24 Ländern unterstützten die Regieneulinge bei ihrem rund dreijährigen Streifzug durch die kreative Selfmade-Szene.
Dabei gaben die Regisseure in einem Statement zum Film selbst zu, keinen objektiven Film gedreht zu haben. In der Tat handelt es sich um einen Werbefilm für das Crowdfunding – zwar wird durchaus die Gefahr des Scheiterns angeschnitten, doch dem stehen zahlreiche positive Beispiele gegenüber. In einem der vielen Interviews merkt Designer Jackson Robinson an, die Crowd offeriere keine zweite Chance, dagegen vermochten die ausgewählten Künstler mit der Präsentation ihrer Ziele aber sofort zu begeistern. Außerdem ist zu erfahren, dass Nischenprodukte am besten funktionieren – ebenso hilfreich sind bekannte Namen. So sicherte den Filmemachern erst der Zuspruch von Gamepionier Brian Fargo Aufmerksamkeit.

Fargo gehört zu den drei Protagonisten des Films. Mit apokalyptischen Computerspielen wie Wasteland oder Fallout sorgte er in den Neunzigern für Furore. Für deren Weiterentwicklung konnte er keinen etablierten Publisher begeistern, deshalb war er mit seiner Firma Interplay auf sich gestellt. Erst durch die Crowd-Unterstützung konnte er Wasteland 2 finanzieren und neue Mitarbeiter einstellen. Über sieben Million Dollar kamen dabei sogar zusammen.

Kleinere Brötchen backt Zach Crain mit Freaker USA, der mit Freunden originelle Socken strickt, die man über Flaschen stülpen kann. In der Tat tritt Zottelbart Crain wie ein Freak aus der Alternativszene auf, doch für einen wichtigen TV-Auftritt musste er sich in Schale werfen. Bedauerlicherweise gibt es gerade davon in dem Dokumentarfilm keinen Ausschnitt. Dank mehrerer Kampagnen gelang es Crain, eine eigene kleine Firma auf die Beine zu stellen. Wert legt er darauf, die Kontrolle über seine Produkte und seine Unabhängigkeit zu bewahren.

Der Dritte im Bund ist Designer Jackson Robinson, der Spielkartensets im Stil von Dollarscheinen kreiert. Ausgehend vom Erfolg seiner Pokerkarten fertigt er inzwischen zahlreiche weitere Sammlerstücke an. Kundiger und Birkhofer beobachten den Texaner im etwas inszeniert wirkenden, geschäftlichen Chat mit seinem Bruder oder bei der Kommunikation mit Anhängern, wobei er mitunter seine Zweifel und Bedenken äußert. Angeschnitten wird dabei das notwendige Vertrauensverhältnis zwischen dem Künstler und seinen potentiellen Käufern.

Ergänzt werden die parallel entwickelten Erfolgsbiografien durch kurze Statements internationaler Experten, darunter der unvermeidliche Blogger Sascha Lobo, Ex-Musikproduzent Tim Renner oder Comiczeichner Daniel Lieske (Wormworld-Saga). Trotz gelegentlich kritischer Momente unterstreichen ihre euphorischen Äußerungen und der optimistische Tonfall die positive Ausrichtung der Filmemacher zu diesem Geschäftsprinzip. Unterlegt werden die Bilder zudem durch einen euphorisch-hymnischen Soundtrack – unter anderem von dem Duo Glasperlenspiel, für das Kundiger und Birkhöfer schon einige Musikvideos inszenierten. Insgesamt offeriert ihr Streifzug durch den Crowdfunding-Kosmos zahlreiche wichtige Aspekte, doch ein etwas kritischerer Blick auf die Schattenseiten hätte nicht geschadet.

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Eine neuere, ungewöhnliche Art der Finanzierung ist Crowdfunding, bei der Projekte – vereinfacht gesagt – auf Plattformen im Internet vorgestellt und durch die Beteiligung vieler Kapitelgeber finanziert werden.
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