Can You Ever Forgive Me? (2018)

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Basierend auf der wahren Geschichte von Lee Israel zeigt Marielle Hellers neuer Film eine Frauenfigur, die man nur selten sieht: Über 50, unfreundlich und unsympathisch.

Can You Ever Forgive Me? (2018)

Eine Filmkritik von Sonja Hartl

Fake it!

Eigentlich ist sie um Aufrichtigkeit bemüht: Lee Israel (Melissa McCarthy) hat vor einiger Zeit einige sehr gute Biografien geschrieben, aber nun ist noch nicht einmal ihre Agentin (Jane Curtin) von ihrer neuen Idee begeistert, ein Buch über Fanny Brice zu schreiben. Das verkauft sich nicht, bekommt sie zu hören, außerdem hat es ihre letzte Biografie noch nicht einmal auf die Bestsellerliste der New York Times geschafft.

Deshalb engagieren sie keine Magazine und nun wurde sie auch noch aus ihrem Aushilfsjob geschmissen, den sie eh gehasst hat. Doch ihre Katze ist krank, die Miete schon vier Monate im Rückstand und sie braucht Geld. Also verkauft sie kurzerhand einen Brief, den sie einst von Katharine Hepburn erhalten hat, und bekommt dafür eine Menge Geld. Offenbar gibt es einen Sammlermarkt für diese Erinnerungsstücke und dort zählt nicht nur die Prominenz der Absender, sondern auch der Inhalt. Und wenn Lee Israel etwas gut kann, dann sich in andere Leute hineinversetzen. Daher kommt sie auf die Idee, sich finanziell abzusichern, indem sie Briefe verstorbener Berühmtheiten fälscht. 

Es ist eine wahre Geschichte, die Marielle Heller in ihrem Film erzählt – und es ist eine wahre Freude, eine Figur wie Lee Israel auf der Leinwand zu sehen: Sie ist Anfang 50, schroff und zynisch, trinkt zu viel – und hat keine Probleme damit, Menschen vor den Kopf zu stoßen. Sicherlich kann sie auch einmal nett sein, aber für jeden Moment, in dem das durchschimmert, gibt es viele weitere, in den ihr Verhalten aufstößt. Die wenigsten Menschen geben sich überhaupt die Mühe, auf sie zu achten. Sie fällt schlichtweg durch das Attraktivitäts- und Aufmerksamkeitsraster vieler – und ist noch nicht einmal sympathisch. 

Gerade im Kino fehlen diese Frauenfiguren, die erfolglos und schroff sein dürfen, die sich irgendwie durchs Leben schlagen und dennoch lustig sind. Außenseiter – wie ihr Trinkkumpan Jack Hook (Richard E. Grant), der ebenfalls als Schriftsteller erfolglos ist. Zusammen sitzen sie in Bars, ziehen durch Kneipen und stehen immer am Rand. Es ist sicherlich kein Zufall, dass sie zudem beide queer sind. Die Welt der frühen 1990er Jahre hat keinen Platz für sie, auf dem sie sich ausbreiten können. Aber immerhin gute Ratschläge: Lee hätte es viel einfacher, wenn sie ein wenig freundlicher wäre, sagt ihr ihre Agentin einmal. Wie häufig Frauen wohl schon diesen Satz gehört haben? Aber warum sollte Lee Israel freundlicher sein? Sie hat doch längst bewiesen, dass sie schreiben kann – und dennoch sichert es ihr kein Einkommen. 

Bereits in ihrem großartigen Debütfilm The Diary of a Teenage Girl hat Marielle Heller beweisen, dass sie einzigartige Figuren schaffen, deren Leben und Gefühlswelten sehr viele Grauzonen umfassen – und zusammen mit dem Drehbuch, geschrieben von Nicole Holofcener und Jeff Whitty, kommt diese Fähigkeit noch mehr zum tragen. Außerdem beweist sie abermals ein sensationelles Gespür für den Ort. Wenn Lee und Jack durch die Kneipen, Bars und Buchläden von Manhattan ziehen, sieht man ein New York der frühen 1990er Jahre, das man so noch nicht gesehen hat. Und es passt in seiner Ausgeblasstheit perfekt zu einem Film, der auch davon erzählt, dass sich manche Träume eben nicht erfüllen – und man alt werden kann, ohne sich an eine idealisierte Vorstellung des Lebens zu klammern.

Can You Ever Forgive Me? (2018)

Vorbei sind die Zeiten des Ruhms für Lee Israel, eine Journalistin und Bestseller-Autorin von Promi-Biografien — und damit herrscht auch Ebbe in der Kasse. Um erneut ins Licht der Öffentlichkeit zu kommen, macht sie sich mit ihrem Freund Jack daran, Briefe von Stars zu fälschen, die allesamt etwas gemeinsam haben: Sie sind bereits tot. Der Film basiert auf wahren Ereignissen, die 1993 ans Licht kamen.

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