Bumerang, Bumerang

Bumerang, Bumerang

Eine Filmkritik von Mike Swain

Wider die Atomlobby

Erinnert sich noch jemand an Wackersdorf, jene oberpfälzische Kleinstadt, die neben Brokdorf Ende der 80er zu dem Symbol des Widerstandes der deutschen Kernkraftgegner werden sollte? In einer Zeit, in der schon die ersten verklärend, auf Zelluloid gebannten Rückblicke, wie Der Tag, an dem Bobby Ewing starb entsteht, eine berechtigte Frage. Zur Erinnerung: In Wackersdorf wollte die von Franz-Josef Strauß geführte bayerische Landesregierung eine atomare Wiederaufbereitungsanlage errichten, was auf den erbitterten Widerstand vieler Anwohner und AKW-Gegner stieß. Zum Schutz der riesigen Baustelle wurde ein monströser Zaun errichtet, an dem zwischen Polizei und Demonstranten erbitterte Kämpfe entbrannten.
Auf einer Landstraße in der Nähe dieses Zaunes beginnt auch Hans W. Geißendörfers Bumerang, Bumerang. Die 16-jährige überzeugte Atomkraftgegnerin Evi (Katja Studt) wird beinahe von einem Auto über den Haufen gefahren, dessen Fahrer sich als der prominente Politiker Hans Reindl (Lambert Hamel) entpuppt. Schuldbewusst bietet Reindl Evi an sie mitzunehmen und sie dankt es ihm, indem sie ihn kurz entschlossen mit seiner eigenen Pistole bedroht und entführt. Nach ihrer Kurzschlusstat weiß Evi allerdings nicht so recht, was sie mit ihrer Geisel anfangen soll und bittet ihren Freund und heimlichen Schwarm Pit (Jürgen Vogel) um Hilfe. Gemeinsam schafft man Reindl ins elterliche Badezimmer, wo er, in der Wanne angekettet, einer Gehirnwäsche unterzogen werden soll. Doch der gewiefte Reindl entreißt dem dilettantischen und planlosen Entführertrio, mittlerweile ist auch noch Evis Kumpel Bond (Jan Plewka) mit von der Partie, langsam und sicher die Zügel. Denn Reindl hat erkannt, dass seine Entführung durch mutmaßliche Terroristen ihm bei der bevorstehenden Wahl Stimmen einbringen wird und fühlt sich in seiner Märtyrerrolle äußerst wohl.

Eigentlich war Geißendörfers Bumerang, Bumerang ja als satirische Politkomödie gedacht, doch leider fehlt dem Film fehlt vor allem eines – der notwendige Humor. Zu stereotyp sind die Charaktere gezeichnet und die meist sehr jugendliche Besetzung agiert ausgesprochen steif. Ein Lichtblick ist da zumindest Lambert Hamel, der dem schmierigen und machthungrigen Reindl wenigstens einige Facetten abgewinnen kann. Missionarisch prangert Geißendörfer zwischen den Bildern die Machenschaften der Atomlobby an, so dass der ewig erhobene Zeigefinger letztlich nur noch irritiert, von Satire bleibt da leider keine Spur. Doch bei aller Kritik: Bumerang, Bumerang ist ein Produkt seiner Zeit und als solches atmet es irgendwie auch den nostalgischen Hauch jener Jahre, in denen an Heerscharen von Enten und VW-Bussen „Atomkraft – Nein Danke“Aufkleber prangten.

Bumerang, Bumerang

Erinnert sich noch jemand an Wackersdorf, jene oberpfälzische Kleinstadt, die neben Brokdorf Ende der 80er zu dem Symbol des Widerstandes der deutschen Kernkraftgegner werden sollte?
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