Buenos días, Prinzessin!

Buenos días, Prinzessin!

Eine Filmkritik von Martin Beck

Es ist Gold, was da glänzt

Filme gibt’s, die gibt’s gar nicht – wie zum Beispiel eine jugendliche Coming-of-Age-RomCom namens Buenos días, Prinzessin!, die eigentlich alle Merkmale dünnbrüstiger Klischee-Unterhaltung besitzt, aber dennoch voll nach vorne losgeht. Mit sympathischen Figuren, erfrischend natürlichen Dialogen und Situationen, und, besonders wichtig, einem schier steineerweichenden Händchen für haltlosen Taschentuchalarm. Wenn’s diesen Film nicht schon geben würde, man müsste ihn wirklich erfinden…
Was Buenos días, Prinzessin! anders macht als so viele andere Filme dieses Genres, ist zunächst einmal eine klare Abgrenzung nach unten. Zu der ganzen grausigen Konstruiertheit, die einem normalerweise entgegenschlägt, zu psychopathischen Sonderlingen, völlig verkorksten Gefühlswüsten und haarsträubend banalen Einbahnstraßen, die am Ende unweigerlich in den alles entscheidenden Kuss münden. Wenn es ein Genre gibt, das in Formeln nicht nur erstarrt ist, sondern diese Formeln inzwischen sogar als käsige Schmacht-Sprungbretter abfeiert, dann ist es die RomCom.

Und nun kommt da einfach mal ein Film daher, der durchaus auch formelhaft ist, aber innerhalb seiner Grenzen unbändiges Leben versprüht. Der eine unfassbar charmante Hauptfigur namens Valeria (Charlotte Vega) besitzt, die keinen Bock auf Madrid hat, aber ansonsten vollkommen normal ist. Was sie natürlich sofort in den „Club der Unverstandenen“ verfrachtet, der spanischen Ausgabe des Frühstücksclubs, dessen Mitglieder ebenfalls vorwiegend normal sind und schon bald innige Freundschaften schließen. Freundschaften, die im Fall von Raúl (Àlex Maruny) sogar amouröse Knospen austreiben lassen.

Den Rest der Handlung kann jeder mit drei bis vier Buntstiften selber ausmalen, doch egal: Was bei Buenos días, Prinzessin! zählt, ist die menschelnde Frische, die einfach sofort ankommt und dann selbst die schon eher grob gezeichneten Clubmitglieder (die Schüchterne/ der Nerd/ die Überambitionierte/ die Männerkillerin, etc.) liebenswert handsam macht. Ihre Ticks sind „normale“ Ticks und keine bizarren Freakshow-Auswüchse, die eigentlich eines stationären Aufenthalts bedürfen. Diese Jugendlichen handeln so, wie Jugendliche eben handeln. Lässt man mal die schematische Einteilung der Figuren außen vor, wirken sie echt und glaubwürdig.

Und dann ist da ja noch die zentrale Liebesgeschichte zwischen Valeria und Raúl, die angenehm schnell konkret wird und spätestens nach einem gemeinsamen Wochenende, als er ihr eine der schönsten Liebeserklärungen macht, die man in den letzten Jahren gesehen hat, mit erhöhtem Wasserstand in Augennähe belohnt wird. Regisseur Carlos Sedes, der hier sein Kinodebüt gibt, hat ein ausgesprochen fieses Talent für große, rote Emotionsknöpfe, die so inbrünstig gedrückt werden, dass Widerstand eigentlich zwecklos ist. Es gibt in Buenos días, Prinzessin! mehrere solcher Situationen, bei denen man eigentlich weiß, dass das alles mit briegelbreiten Glocken auf einen hereinbricht – und trotzdem geht es einem nahe.

Eine weitere Szene, auf die das zutrifft, gehört Meri (Ivana Baquero), der Schüchternen in der Gruppe, die sich am Ende endlich ein Herz fasst und dazu eine Dramaturgie bekommt, die die Situation mit ganz großem Gebimmel ausschlachtet. Und man sitzt da und genießt es, nach allen Regeln der Taschentuch-Kunst, weil es sich die Figur einfach verdient hat. Und weil auch hier der Regisseur auf der richtigen Seite von dick aufträgt und eindrucksvoll beweist, dass sich Klischee und Emotion keineswegs ausschließen.

Meine Güte, eine gelungene RomCom. Mit Jugendlichen. Und Coming-of-Age-Thematik. Und einer schick polierten Produktion, die einen am Anfang noch auf eine völlig falsche Fährte schickt. Weil man es einfach nicht mehr erwartet, inmitten von laut aufgedrehten Popsongs, schönen Menschen und sonnigen Oberschicht-Bildern genuine Emotionen zu finden. Buenos días, Prinzessin!, und guten Tag zu einem der schönsten Filme des Jahres – dessen Heimkino-Veröffentlichung auch noch mit exzellenter Bild- und Tonqualität und einer gelungenen Synchro aufwartet. Fürwahr, wenn’s diesen Film nicht schon geben würde, man müsste ihn wirklich erfinden…

Buenos días, Prinzessin!

Filme gibt’s, die gibt’s gar nicht – wie zum Beispiel eine jugendliche Coming-of-Age-RomCom namens „Buenos días, Prinzessin!“, die eigentlich alle Merkmale dünnbrüstiger Klischee-Unterhaltung besitzt, aber dennoch voll nach vorne losgeht. Mit sympathischen Figuren, erfrischend natürlichen Dialogen und Situationen, und, besonders wichtig, einem schier steineerweichenden Händchen für haltlosen Taschentuchalarm.
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