Broken Silence

Broken Silence

Eine Filmkritik von Verena Schmöller

Roadmovie durch die Welt jenseits der Stille

Die Kamera blickt auf eine dicht befahrene Straße, folgt den Motorrollern und Autos vor ihr und streift wie beiläufig die Menschen, Tiere und Gegenstände, die sich am Straßenrand aufhalten. Sie übernimmt hier die Perspektive eines staunend Reisenden, der die Welt um sich herum aufsaugt. Es handelt sich um eine gewöhnliche Videokamera, die Bildqualität ist nicht die Beste, aber sie ist vor Ort und nimmt ungefiltert die sich ihr präsentierende Wirklichkeit auf. Und doch handelt es sich bei Broken Silence nicht um eine Dokumentation, sondern um einen liebevoll gedrehten Spielfilm, der eine berührende Geschichte erzählt.
Der Karthäuser-Mönch Fried Alephi (Martin Huber) hat seine einsame Zelle verlassen und sich auf eine Reise um den halben Globus begeben, um für sein Kloster die Pachtverlängerung bei der Besitzerin des Grundstücks zu erbitten. Diese lebt seit geraumer Zeit in Indonesien, doch weil Fried bei seinem ersten Flug große Panik ergreift, steigt er schon in Indien aus dem Flieger und reist auf dem Landweg weiter. Mit dabei ist seine Sitznachbarin aus dem Flugzeug, die 20-jährige Amerikanerin Ashaela (Amenaah Kaplan), und es stellt sich heraus, dass dies auch gut ist. Denn Fried hat keine Ahnung vom Leben außerhalb der Klostermauern.

Die beiden Darsteller haben sich die Rollen übergestülpt wie eine zweite Haut. Man nimmt Martin Huber den Karthäuser-Mönch ab, ohne auch nur einmal darüber nachzudenken. In seiner Unsicherheit, seiner langsamen und gewählten Ausdrucksweise und seinem beharrlichen Festhalten an den klösterlichen Gewohnheiten ist er der Karthäuser, der nach Jahren des Schweigens und Betens nun sprechen, diplomatisch handeln und sich in der Welt behaupten soll. Zwischen Fried und Ashaela entwickelt sich außerdem eine ungewöhnliche und feine Beziehung. Auch dabei wirkt der Film wie die Dokumentation dieser außergewöhnlichen Geschichte, was nicht nur durch die Wahl der Kamera unterstrichen wird. Der Münchner Wolfgang Panzer präsentiert ein Roadmovie, das er mit einfachen Mitteln gedreht hat, ohne festes Drehbuch und im kleinen Team. Der daraus entstehende Wirklichkeitseindruck lässt den Zuschauer die Momente des Reisens und Welt-Entdeckens wunderbar nachfühlen.

Eingebettet ist die Geschichte um Fried in eine kirchliche Beichte. Durch die Rahmenhandlung sind zwar die vielen Erzählungen aus dem Off gerechtfertigt, doch stören diese Schwenks auf die Rahmenebene mehr, als dass sie einen Mehrwert für den Film als Ganzes haben. Auf die schlussendliche Läuterung des beichteabnehmenden Priesters hätte der Film erst recht verzichten können. Insgesamt aber ist Panzers Film ein poetisches Roadmovie, das berührt und Lust aufs Reisen macht.

Broken Silence

Die Kamera blickt auf eine dicht befahrene Straße, folgt den Motorrollern und Autos vor ihr und streift wie beiläufig die Menschen, Tiere und Gegenstände, die sich am Straßenrand aufhalten. Sie übernimmt hier die Perspektive eines staunend Reisenden, der die Welt um sich herum aufsaugt. Es handelt sich um eine gewöhnliche Videokamera, die Bildqualität ist nicht die Beste, aber sie ist vor Ort und nimmt ungefiltert die sich ihr präsentierende Wirklichkeit auf.
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