Broken City

Broken City

Eine Filmkritik von Claire Horst

Keine Angst vor Klischees

Eins sei gleich vorangestellt: Einen Film mit Mark Wahlberg und Russell Crowe werden sich wahrscheinlich eher nicht diejenigen ansehen, die auf Arthouse-Filme mit hohem intellektuellem Anspruch stehen. Insofern ist es etwas unfair, Broken City die Ansammlung von Stereotypen vorzuwerfen, die er verwendet. Dem korrupten Politiker ist die Verlogenheit schon an der Solariumsbräune anzusehen, der Privatdetektiv hockt ständig mit einer Spiegelreflexkamera in Gebüschen und spioniert Ehebrecherinnen hinterher, und Männer, die Gefühle zeigen, stellen sich irgendwann als schwul heraus.
Das müsste alles kein Problem sein, wenn Broken City dafür die Erwartungen erfüllen würde, die man an einen Actionfilm stellt. Dass Regisseur Allen Hughes weiß, was dazugehört, hat er mit Filmen wie Menace II Society und The Book of Eli bewiesen. Damals hatte er mit seinem Zwillingsbruder Albert zusammengearbeitet. Und auch bei seinem ersten Soloprojekt hätte es klappen können – der Plot ist spannend genug. Der ehemalige Polizist Billy Taggart (Mark Wahlberg) arbeitet als Privatdetektiv in New York. Er hat vor sieben Jahren im Dienst einen Jugendlichen erschossen und so seinen Job verloren. Dass er damals nicht im Gefängnis gelandet ist, verdankt er Nicholas Hostetler (Russell Crowe), dem Bürgermeister von New York.

Weil er sich mit kleinen Schnüffelaufträgen mehr schlecht als recht über Wasser hält, nimmt Billy Jahre später einen Auftrag desselben Bürgermeisters mit Begeisterung an: Für 50.000 Dollar soll er herausfinden, mit wem dessen Frau Cathleen (Catherine Zeta-Jones) ein Verhältnis hat. Billys Ermittlungen haben Erfolg, doch damit fangen die Verwicklungen erst an. Denn der Liebhaber ist kein Unbekannter, sondern in den Wahlkampf um die anstehende Bürgermeisterwahl verwickelt.

Der Wahlkampf macht die Situation nicht einfacher: In der Konkurrenz mit seinem Widersacher (Barry Pepper) lässt Hostetler kein Mittel aus, um die Wahl zu gewinnen. Was als simpler Rechercheauftrag für Billy Taggart begann, weitet sich zu einer investigativen Suche nach den großen Fischen aus. Denn weder der Bürgermeister noch seine Frau sind das, was sie auf den ersten Blick scheinen. Schnell sieht sich der naive Taggart einem Sumpf der Korruption gegenüber. In dieser Stadt wäscht eine Hand die andere.

Von nun an wird die Geschichte immer verworrener und immer weniger plausibel. Ein Zufall reiht sich an den anderen, Taggart macht ständig neue erstaunliche Entdeckungen. Der größte Haken für die Zuschauer ist allerdings ein anderer: Es gibt keine einzige positive Identifikationsfigur. Und der von Mark Wahlberg verkörperte Protagonist ist derart unsympathisch, dass es schwerfällt, sein Entsetzen über die Machenschaften der Politiker zu teilen. Nicht nur, dass er einen Unschuldigen erschossen hat und sich in keiner Weise schuldig fühlt. Auch sein Job, der vor allem darin besteht, irgendwelchen Menschen hinterher zu schnüffeln, nimmt nicht unbedingt für ihn ein.

Und auch sein Privatleben – das als unmotivierte Nebenhandlung eingeflochten wird – macht ihn nicht sympathischer. Billy lebt mit der Jungschauspielerin Natalie Barrow (Natalie Martinez) zusammen, die er bei einem Mordfall kennengelernt hat. Die Sexszenen in ihrem ersten großen Film wühlen Billy derart auf, dass er erst ihren Filmpartner zusammenschlagen und sich dann betrinken muss – zumindest bietet dieser Handlungsverlauf Wahlberg die Chance, seine Muskeln und seinen zerknirschtesten Gesichtsausdruck zu zeigen.

Schlagartig wird er wieder nüchtern, als der Polizeichef ihn an einen Mordschauplatz ruft. Das Opfer ist der Wahlkampfleiter des zweiten Bürgermeisterkandidaten. Nicht nur dem Zuschauer, sondern auch dem Privatdetektiv dämmert langsam, wer hier die Bösen sind. Um aber ganz sicher zu gehen, werden noch ein paar unterhaltsame Methoden wie Water Boarding angewendet. Den Bösen zu überführen, das gelingt dem einsamen Helden natürlich irgendwann doch noch. Bis dahin hat das Publikum aber wahrscheinlich schon das Interesse verloren.

Das größte Problem des Films ist der überambitionierte Versuch, eine anspruchsvolle Handlung darzustellen. Um Moral soll es gehen, um einen verwickelten Kampf zwischen den Bösen und den Guten, und am Schluss steht die Botschaft, dass alle irgendwie schlecht sind. Nur ist der Plot zu verworren, um dies tatsächlich zu vermitteln. Da hilft auch die Starbesetzung nicht weiter. Keine Überraschung, dass das Drehbuch seit 2008 in der Schublade gelegen hat – an den Stoff wollte sich niemand so richtig herantrauen.

Nicht einmal die Fans von Mark Wahlbergs breiten Schultern kommen so richtig auf ihre Kosten, dafür ist viel zu wenig von ihnen zu sehen. Und auch Catherine Zeta-Jones gelingt es nicht, irgendetwas zu retten. Dramatische Sätze wie „Sie glauben also an die Liebe?“, die sie mit rauchiger Stimme über die Lippen presst, bringen das Publikum wenigstens zum Lachen. Mehr aber auch nicht. So einfach gestrickt ist hoffentlich auch das Mainstream-Publikum nicht, dass es von einem derart dümmlichen Film überzeugt würde. Schade.

Broken City

Eins sei gleich vorangestellt: Einen Film mit Mark Wahlberg und Russell Crowe werden sich wahrscheinlich eher nicht diejenigen ansehen, die auf Arthouse-Filme mit hohem intellektuellem Anspruch stehen. Insofern ist es etwas unfair, „Broken City“ die Ansammlung von Stereotypen vorzuwerfen, die er verwendet. Dem korrupten Politiker ist die Verlogenheit schon an der Solariumsbräune anzusehen, der Privatdetektiv hockt ständig mit einer Spiegelreflexkamera in Gebüschen und spioniert Ehebrecherinnen hinterher, und Männer, die Gefühle zeigen, stellen sich irgendwann als schwul heraus.
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