Britt-Marie war hier (2019)

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Im Nachfolgefilm von „Ein Mann Namens Ove steht diesmal eine Frau im Zentrum der schwedischen Erzählung. Kann die Geschichte über Britt-Marie, die aus ihrer Ehe aufs Fußballfeld ausreißt, ihr feministisches Potenzial ausschöpfen?

Britt-Marie war hier (2019)

Eine Filmkritik von Melanie Hoffmann

Fußballtraining statt Putzroutine

Vier Jahrzehnte Ehe, das ist schon eine Menge. Britt-Marie (Pernilla August) ist durchaus stolz darauf, dass sie ihren Haushalt so gut im Griff hat und ihrem Mann Kent (Peter Haber) ganz fabelhaft den Rücken freihält. Dazu gehört viel Struktur und Disziplin. Und das Geheimnis ihrer perfekten Ehe ist auch, dass jeder die Macken des anderen toleriert. Sie lässt ihn seinen Fußball ansehen und er toleriert sie ebenso — wobei Britt-Marie ja gar keine Macken hat.

Oder etwa doch? Ihr ganzes Lebenswerk der perfekten Ehe wird in Frage gestellt, als sie ins Krankenhaus gerufen wird, nachdem ihr lieber Kent einen Herzinfarkt hatte. Dort lernt sie nun seine Geliebte kennen. Das hat sie natürlich nicht nötig. Flugs packt sie ihre Sachen, verlässt das gemeinsame Heim und sucht sich ein neues Leben. Mit ihren 63 bekommt sie sicher noch einen Job, oder? Im dem abgelegenen Kaff Borg sucht das örtliche Jugendamt eine Jugendbetreuerin, die auch für das Fußballtraining zuständig ist. Obwohl Britt-Marie keine Ahnung davon hat, sagt sie sofort zu, darf mit ihren wenigen Habseligkeiten ins Vereinsheim ziehen und dreht erstmal den ganzen Laden auf links.

Alle, wirklich alle Bewohner des Ortes, sehen diese neue Personalie mit größter Skepsis. Allen voran die Jugendlichen selbst, die nicht nur ein bisschen auf dem Bolzplatz kicken wollen. Sie wollen „den Pokal“ gewinnen. Niemand erfährt so richtig, um welches Turnier es geht, aber Britt-Marie geht diese Aufgabe mit maximalem Strukturwillen an, wie alles in ihrem bisherigen Leben.

Der schwedische Schriftsteller Fredrik Backman hat die Romanvorlage hierzu geschrieben, genau wie zum 2015 verfilmten Ein Mann namens Ove. Als Nachfolge-Film bietet Britt-Marie nun nicht halb so viel. Die Story und die Gags sind so vorhersehbar wie Britt-Maries Putzplan ihres alten Lebens. Keine Substanz, keine Überraschungen, der wundervoll eingesetzte Zynismus fehlt ebenso wie gezielte Pointen. Das Gefühl, dass diese Geschichte mit viel Kalkül auf Zuschauererwartungen hin gestrickt wurde, stellt sich sehr schnell ein. Selbst das Personenkarussell erscheint mehr als vertraut: Da gibt es die Feinde im Dorf, die Britt-Marie wieder loswerden wollen. Da gibt es die Jugendlichen, die sich einigermaßen arrangieren wollen und natürlich gibt es den einen Charmeur, der ihre zärtliche Saite zum schwingen bringen will. Das alles wird garniert mit lustigen Leibesübungs-Szenen, Ungeziefer im Vereinsheim und dazugehörigen Putz-Orgien, Lästereien und viel Musik.

Die traurige Tatsache, dass Frauen mitunter ihr ganzes Leben als Hausfrau verbringen und ihnen dafür keinerlei Berufspraxis zuerkannt wird, bildet zwar das Fundament der Geschichte, doch die Chance diese verbreitete Problematik stärker auszubauen wird leichtfertig verspielt. In seichter Komik verläuft sich die Handlung, man kann dies belächeln oder sogar ein bisschen lustig finden. Über das Niveau einer Vorabendserie kommt der Film nicht hinaus.

Bis zum Ende bleibt Britt-Marie ein Fremdkörper in ihrer eigenen Erzählung. Sowohl in dem runtergekommenen Jugendzentrum als auch im Dorf, kommt sie nie an. Selbst in ihrer eigenen Geschichte, die sie exklusiv aus dem Off kommentiert, wirkt sie sperrig und nicht dazugehörig. Britt-Marie war zwar kurz auf der Leinwand zu sehen, ihre lieblos erzählte Geschichte wird allerdings schnell vergessen sein.

Britt-Marie war hier (2019)

Verfilmung des gleichnamigen Bestsellerromans von Fredrik Backman.

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