Bring me the Head of the Machine Gun Woman

Bring me the Head of the Machine Gun Woman

Eine Filmkritik von Rochus Wolff

Exploitationkino in den Zeiten von GTA V

Die Gegenwart ist voller Verklebungen und Mischformen; während spätestens mit Grand Theft Auto V das Computerspiel den ambitionierten Fernsehserien den kulturellen Rang abzunehmen droht, den sie gerade erst dem Kino entrissen hatten, betreibt der Film zugleich und schon seit einigen Jahren – spätestens mit Robert Rodriguez’ Planet Terror – selbstreferentielle Geschichtsarbeit, in der er das Exploitationkino, teilweise zu Recht, zum Kulminationspunkt popkultureller Strömungen hochfeiert. Aber das sind viel zu lange Sätze für ehrlich-ironisch gemeinten Trash.
Machete, Hobo With a Shotgun – die Filme, zuweilen mit A-Budgets und entsprechender Besetzung gedreht, spulen sich in einem Tempo durch die Figuren und Formen ihrer Bezugspunkte, dass den Zensoren früherer Zeiten schwindlig würde. Aber ihnen wohnt immer auch ein Aspekt der unvollkommenen Nachahmung inne, weil sie nie die unschuldige Begeisterung erreichen, die ihren Vorbildern oft innewohnte – und sei es nur die Begeisterung des billigen Drehs.

Ein Film wie Bring Me The Head Of The Machine Gun Woman fällt da etwas aus der Reihe. Nicht einmal hauptsächlich, weil er sichtbar mit wenig Geld produziert wurde und aus Chile kommt. Und auch nicht, weil er nichts wüsste von der Geschichte des Exploitationfilms, im Gegenteil: Sie suppt aus jeder dreckigen Pore des Films. Aber er ahmt nicht nur nach, er ist empathisch billige Exploitation: Mit Handlungslöchern und ohne große Produktions- und Showwerte, dafür mit einer Handvoll witziger Ideen, unbeholfenem, fast unschuldigem Sex und einer Handlung so gaga, man könnte heulen.

Santiago Fernandez ist eigentlich nur DJ — aber auch er legt halt mal im Club des Gangsterbosses Che Longana auf. Eher zufällig bekommt er auf dem Klo mit, dass sein Auftraggeber ein Kopfgeld auf die „Machine Gun Woman“ ausgesetzt hat, eine fast mythisch überhöht unbesiegbare Auftragskillerin, die wohl zugleich seine Ex-Freundin war. Und weil Santiago dann entdeckt wird und als Mitwisser ausgeschaltet werden soll, verspricht er im Tausch gegen sein Leben, die Frau selbst zur Strecke zu bringen.

Dieser Aufgabe ist der unbeholfene Kerl, der noch bei seiner Mutter wohnt, natürlich überhaupt nicht gewachsen; aber in bester schwarzhumoriger Tradition sammeln sich auf seinem Weg bald zahllose Leichen mit noch mehr Schusswunden an; und weil er nicht allein auf der Suche nach der Machine Gun Woman ist, kommt es immer wieder zu Konfrontationen mit anderen Profikillern und überhaupt jeder Menge Menschen, auf die ein Kopfgeld ausgeschrieben ist.

Der entsprechende Betrag erscheint immer wieder neben den Figuren eingeblendet – und nicht nur darin gibt sich Bring Me The Head Of The Machine Gun Woman explizit in der Ästhetik eines Computerspiels. Die unterschiedlichen „Kapitel“ des Films werden als explizite Einblendungen einer „Mission“ betitelt und beendet mit „Mission gelungen“ (oder eben nicht). Dazu folgt man Santiagos Auto aus leicht erhöhter Perspektive von hinten. Computerspielfreunde werden diese Perspektive aus Grand Theft Auto und ähnlichen Games leicht wiedererkennen.

Ernesto Díaz Espinozas Film umarmt seinen Status als mit wenig Geld produzierte Exploitation mit vollem, brennendem Herzen und macht das allerbeste daraus – mit einer fulminanten Titelfigur in (wenig) schwarzem Lack und Leder, mit großen Wummen und hilflosen Männern.

Bring me the Head of the Machine Gun Woman

Die Gegenwart ist voller Verklebungen und Mischformen; während spätestens mit „Grand Theft Auto V“ das Computerspiel den ambitionierten Fernsehserien den kulturellen Rang abzunehmen droht, den sie gerade erst dem Kino entrissen hatten, betreibt der Film zugleich und schon seit einigen Jahren – spätestens mit Robert Rodriguez’ „Planet Terror“ – selbstreferentielle Geschichtsarbeit, in der er das Exploitationkino, teilweise zu Recht, zum Kulminationspunkt popkultureller Strömungen hochfeiert.
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