Bright Star - Meine Liebe. Ewig

Bright Star - Meine Liebe. Ewig

Eine Filmkritik von Florian Koch

Wahre Romantik

Er ist das klassische Beispiel vom verkannten Genie. John Keats gilt heute als einer der bedeutendsten Vertreter der englischsprachigen Romantik. Zu Lebzeiten musste der arme Poet jedoch gegen vernichtende Rezensionen und akute Erfolglosigkeit ankämpfen. Gezeichnet von einer Tuberkulose-Infektion verstarb er 1821 im zarten Alter von 25 Jahren völlig abgebrannt in Rom und hinterließ ein feingeistiges Werk voller Gefühl und sprachlicher Brillanz. Sein bewegender, in der strengen viktorianischen Gesellschaft als skandalös empfundener Briefwechsel mit der eigenwilligen Schneiderin Fanny Brawne bildet nun die Grundlage für Jane Campions herausragendes Liebesdrama Bright Star.
In Hampstead, einem Vorort vor London führt die 18-jährige Fanny Brawne (Abbie Cornish) mit ihrer Mutter (Kerry Fox) und ihren kleineren Geschwistern Samuel (Thomas Sangster) und Toots (Edie Martin) ein geruhsames Leben fernab vom Großstadtstress. Für Abwechslung in ihrem wenig aufregenden Alltag sorgen die Lesungen des im Nachbarhaus residierenden, frech-frivolen Poeten Charles Brown (Paul Schneider) und seiner Künstlergemeinde. Besonders der melancholische Dichter John Keats (Ben Whishaw) zieht Fannys Aufmerksamkeit auf sich. Als die Brawnes den völlig verarmten jungen Mann, der sich obendrein noch um seinen schwer kranken Bruder kümmern muss zu Weihnachten einladen kommen sich Fanny und John erstmals näher.

Während Fanny mit ihren gewagten Kostümen gesellschaftlich für Aufsehen sorgt, leidet sie im Stillen aber an ihrer Ungebildetheit. Für Fanny geht ein Traum in Erfüllung, als John einwilligt, sie in die Dichtkunst einzuführen. Während den traumhaft-intensiven Gesprächen fühlt sich Fanny immer mehr zu dem feinsinnig-sprachgewandten Mann hingezogen. Sehr zum Verdruss von Mrs. Brawne. Denn John käme für eine Heirat mit Fanny dank seiner Mittellosigkeit auf keinen Fall in Frage. Auch der eifersüchtige Charles versucht eine Beziehung der beiden mit allen Mitteln zu verhindern, da die Schwärmereien den Künstler vom Schreiben abhalten würden. Und wäre die Situation nicht tragisch genug verschlechtert sich der Gesundheitszustand von John beinahe täglich.

Mit Bright Star gelingt Oscarpreisträgerin Jane Campion („Das Piano“) der künstlerische Gegenentwurf zur trivialen Twilight-Vampirsaga. Beide Werke setzen sich mit dem Ideal einer keuschen Beziehung auseinander, doch während die Teenievariante eine reaktionäre, "kein Sex vor der Ehe!"-Aussage propagiert, schlägt Campions bewegendes Drama einen weitaus subtileren Weg ein. In wunderbaren Einstellungen zeigt sie, was für eine Kraft zarte Berührungen und viel sagende Blicke haben können. Diese Zurückhaltung im Umgang miteinander ist allerdings auch von der Gesellschaft aufoktroyiert, denn die Konventionen verlangen, dass eine gewisse Distanz gewahrt wird. Letztlich bleibt dem unstandesgemäßen Paar neben kleinen Gesten also nur die Sprache, um ihrer Liebe Ausdruck zu geben. Und hier zeigt sich die ganze Klasse von Campions Inszenierung, denn es gelingt ihr auf bemerkenswerte Art und Weise den hochästhetischen Briefwechsel von John Keats und Fanny Brawne nicht nur in die Handlung zu integrieren, sondern damit auch die jeweiligen Gefühlswelten der Charaktere zu offenbaren. Nie gibt es Momente, in denen der Zuschauer das unangenehme Gefühl hat, als würden die Darsteller eloquente Texte aufsagen, sie aber nicht spüren.

Dafür verantwortlich sind vor allem die exzellenten, preiswürdigen Hauptdarsteller. Ben Whishaw, der für seinen Part in Das Parfüm noch einige Kritik einstecken musste wirft sich mit seiner ganzen hageren Statur in die schwierige Dichterrolle. Die körperlichen Gebrechen, aber auch das in ihm lodernde sprachliche Feuer bringt er hervorragend zum Ausdruck. Die Australierin Abbie Cornish, bekannt aus Sommersault steht ihm dabei in nichts nach. Das quälende Leid einer unerfüllten Liebe und die zunehmende Angst vor dem Tod des Poetenfreundes zeichnen sich ergreifend in ihrem Gesicht ab. Besonders ein langer Aufschrei von Cornish ist so markerschütternd, dass man diesen Ausdruck der Seelenpein nicht so schnell vergessen wird. Für großartig-komische Entlastungsmomente sorgt Paul Schneider, der mit Verve und Witz die Rolle des weniger begabten, aber umso lauteren Keats-Förderers Charles Brown ausfüllt. Erwähnenswert bleiben auch Fannys Geschwister, bei denen besonders die junge Edie Martin mit ausgesprochener Natürlichkeit überzeugt.

Zum Genuss des außergewöhnlich lebendigen und heutigen Kostümdramas tragen auch die stimmige Filmmusik und die farbenprächtigen, unaufdringlichen Bildkompositionen des Kameramanns Greig Fraser bei. Es bleibt abzuwarten, ob die in Cannes im offiziellen Wettbewerb gelaufene Romanze auch außerhalb von Großbritannien in synchronisierter Fassung Erfolg hat. Denn die sprachliche Qualitäten von Bright Star (der Titel zitiert ein Werk von Keats) lassen sich eigentlich nur in der Originalsprache wiedergeben.

Bright Star - Meine Liebe. Ewig

Er ist das klassische Beispiel vom verkannten Genie. John Keats gilt heute als einer der bedeutendsten Vertreter der englischsprachigen Romantik. Zu Lebzeiten musste der arme Poet jedoch gegen vernichtende Rezensionen und akute Erfolglosigkeit ankämpfen. Gezeichnet von einer Tuberkulose-Infektion verstarb er 1821 im zarten Alter von 25 Jahren völlig abgebrannt in Rom und hinterließ ein feingeistiges Werk voller Gefühl und sprachlicher Brillanz.
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Meinungen
henno · 11.01.2010

kameraeinstellungen: jede so großartig wie ein gemälde. doch leider genau das ist campions (wie schon in "piano") ewiges problem: die bilder erschlagen die handlung und kein schauspieler dieser welt vermag dagegen erfolgreich anzuspielen. ein film ist ein zusammenspiel aus bild, ton, spiel und geschichte: ist eines dieser elemente ungleich größer, werden die anderen stets darunter leiden

gabi moder · 05.01.2010

Wenig überzeugender Dichter-Film. Der Hauptdarsteller als einziger überzeugend, bei allen anderen denkt man darüber nach, warum sie diese Rolle bekommen haben & warum sie so gar nicht ins Setting passen... Im besten Fall ein tapferer Versuch, am Beginn des 21. Jahrhunderts sich in das Gefühlsleben des 19. hineinzuversetzen... don't go!

Antje Bohnhorst · 29.12.2009

Wunderschön! Einer dieser Filme, die einen die Zeit vergessen lassen. Wunderbare Bilder, großartiges Schauspiel, schöne Musik, grandiose Kostüme, feinsinnige Dialoge... Freut mich, daß ich ihn sehen konnte!

Brigitte · 25.12.2009

Langweilig, ohne Spannung und ohne Bezug zur engl. Romantik sagt einem der Film nichts.

Kommentare

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