Briefträger Müller

Briefträger Müller

Eine Filmkritik von Renatus Töpke

Wenn der Luxus klingelt

Am Anfang regiert die heile Welt: Heinz Rühmann bringt der kleinen Heimatstadt als Briefträger Müller frohgemutes die Post. Alle grüßen sich freundlich, lächeln, winken… Hervorstechen tut besonders ein frisch gestrichenes Treppenhaus. Hier hängen – Synonym für das geordnete Leben – die blitzblanken Briefkästen in Reih und Glied. Als Gegenpol tritt in seiner dunklen Weinkellerei Herr Strobel auf, großartig verkörpert von Oskar Sima. Der wird von Anfang an unsympathisch gezeichnet und bleibt es auch. Rühmann wird später zu seinem Spiegelbild. Damals – wir befinden uns schließlich im Nachkriegsdeutschland der 50er – wurde noch kräftig schwarz/weiß gemalt und keiner störte sich daran.
Es folgt eine der schönsten Szenen des Films. Briefträger steht vor seinem Gartenzaun, wirft in Verrichtung seiner Pflicht, einen Brief in den eigenen Briefkasten, tritt durch das Tor und holt den Brief nun aus selbigem Kasten wieder heraus. Oh ja, dieser Mann liebt seinen Beruf. Und der Zuschauer liebt Rühmann. Schon wenn man die leicht scharfe Stimme dieses vielleicht größten, deutschen Schauspielers hört (wir erinnern uns an z.B. Der Pauker), läuft einem ein wohliger Schauer den Rücken runter.

Es kommt, wie es kommen muss. Briefträger erbt ein kleines Vermögen, der Mittelstand wird in Versuchung geführt. Doch er winkt der Versuchung zunächst ab. Aber sie ist zu groß. Aus kleinen Anschaffungen werden große, aus nützlichen wird Luxuswahn. Aber kann man es ihm verdenken? Plötzlich kann man sich alles leisten, ist nichts zu teuer… Und nicht nur das: Mit der Veränderung des Lebenstandart, verändert sich auch Briefträger Müllers Charakter. Statt brav mit Frau und Kindern zu Abend zu essen, verspätet er sich immer häufiger, weil er mit Zigarre und Cognac bei „Geschäftsfreunden“ sitzt und auch noch glaubt, er brauche zu seinem neuen Glück eine Geliebte…

Natürlich nimmt die Geschichte eine gute Wende und der Ehemann wird einsehen, dass die Familie (besonders im Nachkriegsdeutschland) das Wichtigste ist. Doch bis dahin wird der Zuschauer Zeuge eines Rühmann in Bestform, der in einer abschließenden, flammenden Rede die Familie und den Mittelstand preist und nun aus eigener Erfahrung bestätigen kann, das Geld den Charakter verdirbt…

Briefträger Müller ist ein Juwel des Nachkriegskinos. Optisch zwar oft plakativ, jedoch liebevoll überzeichnet und immer mit einem Schalk im Nacken. Die DVD wird dem Film leider nicht gerecht. Außer einigen Trailern und einem so genannten „Starinfo“ über Rühmann, gibt keine Extras. Bild (verwaschen) und Ton (verzerrt) sind unteres Mittelmaß, aber mehr war bei diesem Film von 1953 wohl nicht mehr rauszuholen.

Briefträger Müller

Am Anfang regiert die heile Welt: Heinz Rühmann bringt der kleinen Heimatstadt als Briefträger Müller frohgemutes die Post. Alle grüßen sich freundlich, lächeln, winken…
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