Brasserie Romantiek

Brasserie Romantiek

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Die Liebe, das Essen, das Kino

Die Liste der Filme, bei denen es um die (mehr oder minder offensichtliche) Verbindungslinie zwischen dem Kino und dem Essen geht, ist schier endlos, sie reicht von gesellschaftsdiagnostischen Werken wie Marco Ferreris Das große Fressen bis hin zum irgendwie diffus-sinnlichen Wohlfühlkino, dessen Ausprägungen man am besten bei der Berlinale-Reihe "Kulinarisches Kino" beobachten kann. Ein klein wenig hat man schon das Gefühl, dass das Beispiel der Berlinale Schule macht auch bei anderen Festivals oder generell im Kino – bei ersteren dadurch, dass Filme mit sagen wir mal kulinarischer Anmutung gerne genommen werden oder feierliche Banketts (sic!) veranstaltet werden, mit denen man offensichtlich auf ein deutlich gesetzteres Publikum schielt. In den Lichtspieltheatern hingegen finden sich immer häufiger kombinierte "Events" auf dem Menü- bzw. Spielplan, in denen Film und Essen (oder Trinken) eine mal mehr, mal weniger offensichtliche Verbindung eingehen. Die Zielgruppe indes, auf die solche Maßnahmen der Kundenbindung abzielen, liegt auch hier vor allem im Bereich 50 plus. Und so liegt es beinahe schon in der Natur der Sache, dass dieses Subgenre des kulinarischen Kinos, gerne in Verbindung mit einem eher romantischen Grundton, überwiegend leicht verdaulich gerät und sich gerne bewährter Zutaten bedient.
Genau das zeichnet auch den belgischen Debütfilm Brasserie romantiek von Joël Vanhoebrouck aus, der als Leichtgewicht im Wettbewerb des Filmfestivals Mannheim-Heidelberg zwar regen Zuschauerzuspruch, aber kaum Aussichten auf einen der Preise haben dürfte – zu sehr geht dieses romantische Wechselspiel zwischen der Liebe und dem Essen auf Nummer sicher und lässt dabei wenig anbrennen.

Es ist Valentinstag in der gemütlichen kleinen "Brasserie romantiek" irgendwo in den Straßen von Brüssel. Hier haben sich der Gelegenheitssäufer und Küchenchef Angelo (Axel Daeseleire) und seine Schwester Pascaline (Sara de Roo) etwas Besonderes aufgebaut, ein Restaurant mit mittlerweile einer Gault Millaut Haube, das sich vor allem auf Menüs für Verliebte spezialisiert hat. Kein Wunder, also, dass ausgerechnet dieser Abend etwas ganz Besonderes werden soll – wenngleich der Verlauf sich so ganz anders gestaltet, als sich dies die Betreiber erträumt hatten. Und das liegt nicht nur an Pascalines verflossener Jugendliebe Frank (Koen de Bouw), dessen unvermutetes Auftauchen nach 23 Jahren für jede Menge Turbulenzen sorgt. Auch die anderen Gäste tun das Ihre dazu, dass aus diesem Abend ein ganz besonderer wird. Da sind etwa der prahlerische Autoverkäufer Paul (Filip Peters) und seine Gattin Rose (Barbara Sarafian), deren Ehe eigentlich längst schon das Zeitliche gesegnet hat. Oder der einsame und ziemlich verklemmte Walter (Mathijs Scheepers), der sich hier mit einer Unbekannten verabredet hat, die sich zu seinem Entsetzen als nimmersatte Nymphomanin entpuppt. Oder die schöne und traurige Schokoladenfabrikantin Mia (Ruth Becquart), die immer noch einer längst vergangenen Beziehung hinterher trauert. Und selbst die Bediensteten der Brasserie Romantiek sind vor den Fallstricken der Liebe nicht gefeit. Außer Pascaline, die an diesem Abend vor der vielleicht schwierigsten Entscheidung ihres Lebens steht, ist da noch ein Kellner, der unvermutet das Liebesglück findet, ein Küchengehilfe, der sich Chancen auf eine Liebelei mit einer Angestellten macht und der cholerische Chefkoch, der seinen Kummer über ein privates Leid im Schnaps ertränkt.

Fast scheint es so, als habe es sich das Drehbuch, für das Jean-Claude Van Rijckeghem und Pat van Beirs verantwortlich zeichnen, zum (unerreichbaren) Ziel gesetzt, in seinen Figuren alle Phasen und Daseinsformen der Liebe darzustellen: Im Restaurant nehmen selbstverständlich ein schwules und ein gemischtrassiges Paar Platz – beide Konstellationen bleiben allerdings im heteronormativen Kontext des Films reine Staffage. Neben junger Verliebtheit finden hier Trauer, Sehnsucht, Langeweile und die reife, immer noch erfüllte Liebe wie selbstverständlich ihren Platz und machen den Raum (kaum eine Szene wagt den Sprung hinaus auf die vom Regen glänzenden nächtlichen Straßen der Stadt) zu einem Panoptikum der Liebe in all ihren Erscheinungsformen.

Dementsprechend schematisch geht der Film dann auch zu Werke, schnell ahnt oder weiß man, welches Paar sich hier finden und welches auseinandergehen wird. Und so entspinnt sich der Reigen mit recht flottem Tempo und sonnigem Gemüt, aber auf wohlbekannten Pfaden wandelnd von der Vorspeise bis zum Desert, nach dem sich alles weitgehend überraschungsfrei auflöst. Eine leicht verdauliche Komödie, der man aber aufgrund von mangelnder Substanz die zweite cineastische Haube verweigern muss. Und die erste, um mal ganz ehrlich zu sein, ist eher eine Konzessionsentscheidung an den Geschmack der breiten Masse als einer verfeinerten filmischen Rezeptur zu verdanken. Wem's schmeckt...

Brasserie Romantiek

Die Liste der Filme, bei denen es um die (mehr oder minder offensichtliche) Verbindungslinie zwischen dem Kino und dem Essen geht, ist schier endlos, sie reicht von gesellschaftsdiagnostischen Werken wie Marco Ferreris "Das große Fressen" bis hin zum irgendwie diffus-sinnlichen Wohlfühlkino, dessen Ausprägungen man am besten bei der Berlinale-Reihe "Kulinarisches Kino" beobachten kann.
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