Brand

Brand

Eine Filmkritik von Katrin Knauth

Eine Liebesaffäre mit Folgen

Da ist er wieder: Widerborstig, eigenwillig, draufgängerisch: Josef Bierbichler – genauso wie wir ihn kennen. Den berserkerhaften bayrischen Schauspieler im Cast zu haben, ist so etwas wie eine Garantie für einen guten Film. In Thomas Roths fünftem Kinofilm Brand spielt er den titelgebenden Schriftsteller Brand, der durch eine Liebesaffäre in einen abgrundtiefen Strudel aus Rache, Hass und Hoffnungslosigkeit gezogen wird.
Die Geschichte beginnt ziemlich unaufgeregt: Brands Ehefrau Martha (Erika Deutinger) liegt sterbenskrank im Krankenhaus und wünscht sich nur noch eins: In ihrem Haus, weit vor den Toren Wiens, in aller Seelenruhe zu sterben. Brand weiß sie allerdings lieber im Krankenhaus, als zu Hause von ihr herum kommandiert zu werden. Wenn er nicht gerade fotografiert, ist Brand damit beschäftigt, Bilder für ein Fototagebuch über das Sterben seiner Frau am Laptop zu sortieren. Außerdem hat er sich gerade in die weitaus jüngere Angela (Angela Gregovic) verliebt, die Krankenschwester seiner Frau. Nach dem ersten Date landen beide im Bett und rauschen in eine Affäre, die nicht ohne Folgen bleibt.

Als Angelas türkischstämmiger Ehemann Caymaz Celik (Denis Moschitto) den beiden auf die Spur kommt, kippt der Film. Aus einer seichten Altherrenfantasie à la Phillip Roth wird ein steriler, kühl inszenierter Thriller. Angelas Ehemann, der als Polizist die Instrumente der Ordnungsmacht im Rücken hat, will Rache nehmen. Aber nicht nach dem Motto: Abknallen und das war’s, sondern ganz langsam, subtil und eindringlich. Caymaz will über die Psychoschiene seinem Widersacher Angst einjagen, doch der lässt sich alles andere als einschüchtern. Brand ist einer, der die Suppe auslöffelt, die er sich eingebrockt hat – auch wenn er dafür über Leichen gehen muss.

Thomas Roth hat große Themen in seinen düsteren Thriller gepackt: Liebe, Leidenschaft, Eifersucht, Krankheit, Verrat, Einsamkeit, Hass und Tod. Dafür hat er sich brillante Ausnahmeschauspieler wie Bierbichler und Denis Moschitto (Chiko) ins Boot geholt. Er verpackt seinen Stoff – passend zum Genre und den Themen – in eine dunkle, unterkühlte Atmosphäre. Viele Nachtszenen bei Regen und Gewitter treiben den Film voran. Roth scheint alles richtig gemacht zu haben, aber genau das ist das Problem des Films. Er wirkt dadurch eine Spur zu perfekt, zu konstruiert und stellenweise zu unglaubwürdig.

In seinem vorigen Kinofilm Falco — Verdammt, wir leben noch! (2008) hat sich der österreichische Regisseur mit dem Leben des berühmten Rockstars auseinander gesetzt. Aus dem Film hat er nicht nur den Falco-Darsteller Manuel Rubey in Brand mitgenommen und als Sidekick von Caymaz eingesetzt, sondern auch die Darstellung der dunklen Seite eines Menschen, die durch äußere Umstände wachgerüttelt wird. Brand hätte an der Seite seiner sterbenden Frau sein Leben in Ruhe ausklingen lassen können. Doch es zeigt sich, dass alles anders im Leben kommen kann. Dafür gilt es, eine Lösung zu finden. Trotz der oben genannten Kritik an der Filmkonstruktion, macht es Spaß, Brand bei der Lösung seines Problems zuzuschauen und Bierbichlers Schauspielkunst ein Mal mehr zu genießen.

Brand

Da ist er wieder: Widerborstig, eigenwillig, draufgängerisch: Josef Bierbichler – genauso wie wir ihn kennen. Den berserkerhaften bayrischen Schauspieler im Cast zu haben, ist so etwas wie eine Garantie für einen guten Film. In Thomas Roths fünftem Kinofilm „Brand“ spielt er den titelgebenden Schriftsteller Brand, der durch eine Liebesaffäre in einen abgrundtiefen Strudel aus Rache, Hass und Hoffnungslosigkeit gezogen wird.
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