Boy A

Boy A

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Sorgte der aus Irland stammende Theater- und Filmregisseur John Crowley bereits 2003 gemeinsam mit seinem Drehbuchautoren Mark O’Rowe mit Intermission auf zahlreichen Filmfestivals für Furore und Auszeichnungen, vermochte das Gespann mit Boy A von 2007, der nun bei uns in die Kinos kommt, abermals Kritiker wie Publikum zu beeindrucken. Die Inszenierung des erfolgreichen literarischen Debüts von Jonathan Trigell errang unter zahlreichen Nominierungen und Auszeichnungen vier BAFTA-Awards und erhielt bei der Berlinale 2008 in der Sektion Panorama den Preis der ökonomischen Jury.
Er ist gerade einmal 24, der Öffentlichkeit als "Boy A" ein Begriff und verlässt nun nach 14 Jahren Freiheitsentzug mit einer neuen Identität ausgestattet den Jugendknast: Jack Burridge (Andrew Garfield), wie sich das einstige verurteilte Kind nun nennt, beginnt ein neues Leben. Zur Seite ist ihm dabei der standhafte Sozialarbeiter Terry (Peter Mullan) gestellt, der den weltfremden, häufig traumatisiert wirkenden Jungen als seinen Neffen vorstellt und sich in außergewöhnlichem Maße um ihn kümmert. Noch ahnt der Zuschauer nichts von der schlicht unfassbaren Vorgeschichte Jacks, die erst allmählich in Rückblicken rekonstruiert wird.

Derweil lässt sich der Alltag des jungen Mannes, der zunächst permanent um seine mühsam errichtete Fassung ringt, durchaus recht gut an. Jack lebt sich zögerlich, doch stetig in seiner kleinen Wohnung und seinem Job als Lieferant ein, begibt sich in soziale Kontakte und verliebt sich sogar erfolgreich in die gutmütige Sekretärin Michelle (Katie Lyons), so dass es scheint, als sei hier die Resozialisation äußerst gelungen verlaufen. Doch die Schatten der dunklen Vergangenheit, an die Jack untrennbar gebunden ist, lauern ungnädigen Dämonen gleich im Verborgenen und drängen zunehmend stärker ans Licht ...

Mit ganz hervorragenden Akteuren – allen voran ein erbarmungswürdiger Andrew Garfield als Jack – und einer geradezu grausamen Intensität und Ambivalenz hat Regisseur John Crowley dieses ebenso stimmige wie spannende Stück um Schuld und Vergebung inszeniert. Die immer wieder düster und beklemmend erscheinende Atmosphäre lässt keinen Zweifel daran, dass hier ein heftiges Finale zu erwarten ist, das den Zuschauer nicht ohne widerstreitende Emotionen aus dem Kinosaal entlassen wird. Das ist die große Stärke dieses schwergängigen Films: Es geht letztlich nicht nur um Moral, sondern um den Pragmatismus eines trotz aller Einwände würdigen Umgangs mit den Jacks dieser Welt.

Boy A beschäftigt sich mit einem Thema von brennender Aktualität, das die Gemüter einer sich kaum als mitverantwortlich empfindenden Öffentlichkeit erhitzt. Die im Film deutlich positionierte Medienkritik erscheint wohl durchdacht und eröffnet eine Ebene der dringend notwendigen Diskursivität und Reflexion einer vielfältig destruktiven Berichterstattung im Zusammenhang mit jungen Gewalttätern. Trotz einiger allzu konstruiert wirkender Aspekte – wenn etwa Jack auf ganz bedeutungsvolle Weise als Lebensretter eines kleinen Mädchens in Aktion tritt – stellt Boy A einen ebenso gelungenen wie erschütternden Film dar, der daran gemahnt, dass es zu einem nicht unerheblichen Teil den Wert einer Gesellschaft prägt, wie sie ihren erbärmlichsten Kreaturen begegnet.

Boy A

Jack ist erst 24, doch er hat den Großteil seines Lebens hinter Gittern verbracht. Als er endlich aus dem Knast entlassen wird, versucht er ein neues Leben zu beginnen. Doch die Schatten der Vergangenheit lassen sich nicht einfach abschütteln.Sorgte der aus Irland stammende Theater- und Filmregisseur John Crowley bereits 2003 gemeinsam mit seinem Drehbuchautoren Mark O’Rowe mit Intermission auf zahlreichen Filmfestivals für Furore und Auszeichnungen, vermochte das Gespann mit Boy A von 2007, der nun bei uns in die Kinos kommt, abermals Kritiker wie Publikum zu beeindrucken.
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Meinungen
sheila · 28.05.2010

nein, nicht alles und jeder verdient eine zweite Chance. Mit 10 Jahren weiss man das man nicht geplat und brutal ein anderes Kind töten darf. Dieser Film basiert auf dem furchtbaren Tot von dem 2 jahre altrem James Bulger. Lest seine Geschichte ! Wer dann noch behauptet jeder verdient eine zweite Chanche ist nicht von diser Welt. RIP littel baby James.

Kommentare

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