Border Run

Border Run

Eine Filmkritik von Martin Beck

Sharon Stone schlägt sich durch

Sharon Stone hat es nicht unbedingt leicht. Satte 20 Jahre nach Basic Instinct zählt sie inzwischen 55 Lebensjahre und besteht nach wie vor darauf, Hauptrollen zu spielen – was aber praktisch unmöglich geworden ist, wenn der Sex-Appeal auf wegoperierte Falten trifft und Mutter-, bzw. sogar Oma-Rollen anscheinend nicht von Interesse sind. Als letzte Nische bleiben kleinere Filme, die zumindest auf dem Papier ein Anliegen haben und ansonsten geradewegs ins Blaue schießen, irgendwo zwischen „gut gemeint“, „unerfahrene Stolperfallen“ und „macht Hoffnung für weitere Projekte“.
Dass Sharon Stone größere Hoffnungen in Border Run gesetzt hat, merkt man schon an ihrem Produzenten-Credit (neben ELF anderen Namen, wohlgemerkt!), doch letztendlich ist der Film trotzdem blankes Mittelmaß. Was weniger an Sharon Stone liegt, denn vielmehr an ihrer undankbaren Rolle einer konservativen Journalistin, die zunächst pseudo-liberale Politiker entlarvt und dann den in Mexiko verschwundenen Bruder (Billy Zane) suchen muss. Wobei sie auf eine Menschen- und Drogenschmuggler-Bande trifft, inklusive Vergewaltigung, und über die hautnahe Erfahrung der Probleme illegaler Flüchtlinge auf einmal liberale Kämpferqualitäten entwickelt.

Was Regisseurin Gabriela Tagliavini mit Border Run anscheinend vorschwebte, war massenkompatible „true crime“-Unterhaltung, die sowohl durchlädt als auch voll zum Nachdenken anregt. Der Film basiert auf wahren Ereignissen, die weit entfernt sind von Schönheitspreisen und deswegen wohl mit Action- und Thrillerelementen aufgehübscht werden müssen. Illegale Einwanderung ist nach wie vor ein heißes Thema, doch um hier wirklich einen guten Film herauszubekommen, bedarf es einfach eines ganz anderen Drehbuchs. Nach dem ersten Drittel, in dem etwas holprig die Geschichte etabliert wird, entspinnt sich hier nämlich eine schlichte Actionhatz, die mit groben Klischees um sich wirft und dazu dann Giovanna Zacarias als heillos overactendes Feindbild vorstellt.

Oho, eine Frau der knarzigen „one liner“, und in den Bauch einer Schwangeren tritt sie auch noch! So etwas muss sich natürlich irgendwann rächen, besonders nachdem Sharon Stone die Vergewaltigung verdaut und erneut ihren BH angeschnallt hat. Ihre Figur ist kaum mehr als ein grobgeschnitzter Racheengel, ausgestattet mit unglaublich hässlichen braunen Haaren, der anscheinend dumm genug ist, ihre stramm konservative Grundgesinnung mal eben grundlegend zu ändern. Oder was es halt sonst bedarf, um über liberale Empörung die Faust zu ballen und eklatanten Missständen zumindest im kleinen Rahmen den wohlverdienten Garaus zu machen.

Border Run möchte gerne ein wichtiger Film sein und bleibt doch nur ein Film über ein wichtiges Thema. „Straight to DVD“, was sonst?

Border Run

Sharon Stone hat es nicht unbedingt leicht. Satte 20 Jahre nach „Basic Instinct“ zählt sie inzwischen 55 Lebensjahre und besteht nach wie vor darauf, Hauptrollen zu spielen – was aber praktisch unmöglich geworden ist, wenn der Sex-Appeal auf wegoperierte Falten trifft und Mutter-, bzw. sogar Oma-Rollen anscheinend nicht von Interesse sind. Als letzte Nische bleiben kleinere Filme, die zumindest auf dem Papier ein Anliegen haben und ansonsten geradewegs ins Blaue schießen, irgendwo zwischen „gut gemeint“, „unerfahrene Stolperfallen“ und „macht Hoffnung für weitere Projekte“.
  • Trailer
  • Bilder

Kommentare

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Weitere Filme von

Gabriela Tagliavini