Blue Velvet

Blue Velvet

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Blue Velvet von 1986 wurde die Vorführung bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig vom damaligen Biennale-Direktor Gian Luigi Rondi glatt verweigert, und auch sonst wurde dieser Film trotz reichlich begeisterter Kritiken seinerzeit von einigen skandalträchtigen Protesten umgeben, der heute nichtsdestotrotz oder auch gerade deswegen einen respektablen Kultstatus erreicht hat.
Harmlos, hell und heile präsentiert sich zunächst die beschauliche Kleinstadt Lumberton, in die der College-Student Jeffrey Beaumont (Kyle MacLachlan) heimkehrt, als sein Vater (Jack Harvey) für eine Weile ins Krankenhaus muss. Das ändert sich so allmählich wie drastisch, als Jeffrey auf einer Wiese das abgetrennte Ohr eines Menschen findet und dieses dem Polizei-Detective John Williams (George Dickerson) aushändigt, mit dessen Tochter Sandy (Laura Dern) er befreundet ist. Dennoch befasst sich Jeffrey auf eigene Faust mit der undurchsichtigen Angelegenheit, die ihn mit der schönen Dorothy Vallens (Isabella Rossellini) in einen gleichermaßen anziehenden wie gefährlichen Kontakt bringt. Denn Dorothy wird von dem zwielichtigen, brutalen Frank Booth (Dennis Hopper) erpresst, der ihren Mann Don (Dick Green) und ihren kleinen Sohn (Jon Jon Snipes) entführt hat und sie nun zu gewaltträchtigen sexuellen Handlungen zwingt ...

Was sich in Blue Velvet parallel zur gemächlichen Wohlanständigkeit der kleinbürgerlichen Lebenswelt ereignet, schubst nicht nur den offensichtlich nach differenten Erfahrungen verlangenden Jeffrey gehörig aus den gewohnten Bahnen, sondern symbolisiert hier in bedrohlicher Weise die hässliche, sadistische Seite der menschlichen Existenz, die irgendwo in der Nachbarschaft lauert, unvermittelt hervorprescht, wütet und sich dann ebenso barsch wieder zurückzieht. David Lynch arbeitet hier gezielt mit atmosphärischen Farben, um das Anschwellen der Bedrohung subtil zu markieren, und wenn er am Ende die Wucht der Ereignisse destillieren lässt, ist es diese bedeutsame Ästhetik, die ebenso wie der stimmungsvolle Song Blue Velvet nachklingt, der David Lynch zu diesem Film inspiriert hat.

Blue Velvet

"Blue Velvet" von 1986 wurde die Vorführung bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig vom damaligen Biennale-Direktor Gian Luigi Rondi glatt verweigert, und auch sonst wurde dieser Film trotz reichlich begeisterter Kritiken seinerzeit von einigen skandalträchtigen Protesten umgeben, der heute nichtsdestotrotz oder auch gerade deswegen einen respektablen Kultstatus erreicht hat.
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