Bloodrayne

Bloodrayne

Eine Filmkritik von Renatus Töpke

Rachetrip im Mittelalter

Ohne Frage ist Uwe Boll neben Bernd Eichinger (Der Name der Rose, Der Untergang) oder dem Rat Pack (Hui Buh, Der Wixxer) einer der fleißigsten Produzenten Deutschlands. Kaum ein Jahr vergeht, in dem nicht mindestens ein Film von ihm das Licht der Leinwände bzw. der Videotheken erblickt. Das Boll auch einer der umstrittensten Filmemacher ist, steht außer Frage. Mit jeder, wirklich jeder Veröffentlichung des Hauses Boll KG, setzt es Prügel seitens der Kritiker und Fans. Seitens der Fans? Aber ja, so sehr Bolls Filme verachtet und gedisst werden, so werde sie auch erwartet und herbeigesehnt. Das fröhliche Boll-Bashing ist in zig Internet-Foren ein beliebter Zeitvertreib.
Mit der Spieleverfilmung Bloodrayne legt Uwe Boll sein bisher bestes Werk vor. Der Rezensent gibt zu, außer Bloodrayne nur Alone in the Dark gesehen zu haben, erlaubt sich also kein Gesamturteil über Bolls Fähigkeiten als Filmemacher. Tatsache ist, dass Alone in the Dark ein recht krudes, wirr geschnittenes Werk war. Bloodrayne hingegen zeigt Stringenz, eine stetig wachsende Spannungs- und Bodycountkurve, sowie ein immer massiveres Blutzoll. Dass die Besetzung von allerhand bekannten Namen dominiert wird, spricht jedenfalls für den Film. Kristanna Loken (Terminator 3), Michael Madsen (Reservoir Dogs, Kill Bill), Ben Kingsley (Gandhi, Species) und Udo Kier (Barb Wire, Breaking the Waves) konnten allesamt für die Produktion gewonnen werden. Dass es ihnen hauptsächlich ums Geld ging, muss nicht extra erwähnt werden. Ein Ben Kingsley muss eben auch seine Miete zahlen. Und das ein Billy Zane (Titanic, Tal der Wölfe) mittlerweile eh alles mitnimmt, was geht, weiß man. Trotzdem ist es gerade Zane, der mit seiner übertrieben selbstironischen Art ein Highlight der Darstellerleistung in Bloodrayne abliefert.

Rayne (Kristanna Loken) reist als Gefangene einer Freakshow im Jahr 1723 durchs finstere Mittelalter, wird gequält und verhöhnt. Als Dhampir, einem Mischwesen aus Vampir und Mensch, fristet sie ein erbärmliches Dasein. Bei der versuchten Vergewaltigung ihres Aufsehers, bringt sie diesen um, löscht die halbe Zirkusbelegschaft aus und flieht. Sie macht sich auf die Suche nach dem finsteren Vampirlord Kagan (Ben Kingsley), um sich an ihm für die Vergewaltigung und den Mord an ihrer Mutter zu rächen. Doch um ihn zu besiegen, braucht sie einige Reliquien. Ihr zur Seite stehen drei Mitglieder der Brimstone-Society (Michael Madsen, Michelle Rodriguez und Matt Davis). Doch wie könnte es anders sein; unter ihnen ist ein Verräter…

Ex-Model Kristanna Loken, die 2003 mit Terminator 3 einen wahren Karriere-Kickstart hinlegte, ist genau die Richtige für den Job der Titelheldin Bloodrayne. Physische Präsenz, gutes Schauspiel und ein Augenzwinkern retten über die etwas holprige Choreographie der Kampf- und Actionszenen. Ein sichtbar gealterter Michael Madsen hat nicht mehr zu tun, als finster dreinzuschauen und zum Angriff zu blasen und Michelle Rodriguez, die mit u.a. Blue Crush und Resident Evil einschlägige Action-Erfahrung gesammelt hat, liefern gestandene Kost ab. Störend machen sich hin und wieder die Soap mäßigen Dialoge bemerkbar. „Du darfst mich nicht verlassen.“ – „Meine Zeit ist gekommen.“ entlarvt Regisseur Boll und Autorin Guinevere Turner (American Psycho) als hoffnungslose Romantiker, doch glücklicherweise dominieren Action und Bloodshed.

Wirklich schön nehmen sich die Kameraflüge über Berghänge, Wiesen und Wälder aus. Kameramann Mathias Neumann hat seine Hausaufgaben gemacht und liefert überhaupt im Laufe von Bloodrayne einige schöne Kamerafahrten ab.

Aus dem, auf den ersten Blick üppigen, Bonusmaterial der Special Edition sticht das Feature Dinner with Uwe Boll heraus. Hier unterhält sich der Macher mit zwei Unbekannten (das Einblenden der Namen wäre nur höflich gewesen) über seinen Werdegang und seine Arbeit. Erfreulich selbstkritisch philosophiert Boll über Fehler bei der Drehbuchentwicklung und Besetzung seiner früheren Filme. Und mit einem Satz hat er ganz besonders Recht, und diesen sollten sich auch einige Arthaus-Filmemacher zu Herzen nehmen: „Filme sollten unterhalten.“

Bloodrayne

Ohne Frage ist Uwe Boll neben Bernd Eichinger (Der Name der Rose, Der Untergang) oder dem Rat Pack (Hui Buh, Der Wixxer) einer der fleißigsten Produzenten Deutschlands.
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