Bloodline - Der Killer

Bloodline - Der Killer

Geister der Vergangenheit

Das italienische Genre-Kino lebt hauptsächlich vom Ruhm der Vergangenheit. Einigermaßen budgetierte Werke wie Dario Argentos Giallo Sleepless / Non ho sonno (Italien 2001) oder Eros Pugliellis Eyes of Crystal / Occhi di cristallo (Italien 2004) sind eine Ausnahme. Und so fassen sich junge Filmemacher wie Edo Tagliavini immer wieder ein Herz, um mit schmalen Mitteln den Geist der Vergangenheit heraufzubeschwören.
In Tagliavinis Bloodline – Der Killer erhält die Journalistin Sandra (Francesca Faiella) nach einem verpatzten Dreh über einen Drogenhändler den Auftrag, mit ihrem Kollegen Marco (Marco Benevento) eine Hintergrundstory am Set eines Pornofilms zu erstellen. Obwohl Sandra an den Drehort traumatische Erinnerungen hat – vor vielen Jahren brachte ein Killer ihre Schwester und die restliche Familie um – nimmt sie das Engagement an. Während Tony (Virgilio Olivaro), der Hauptdarsteller und Produzent des Pornofilms, sehr freundlich auf die beiden Journalisten zugeht, erweist sich Regisseur Klaus Kinki (Paolo Ricci) als cholerischer Mensch mit künstlerischen Ambitionen. Aber nicht nur er verbreitet Schrecken, viel größere Sorgen müssen sich die in der einsam gelegenen Villa untergebrachten Menschen um einen seltsam maskierten Killer machen. Ist der „Chirurg“, der damals auch Sandras Familie dahin gemetzelt hat, etwa wieder zurück?

Tagliavini verzichtet angenehmerweise darauf, den Pornofilmhintergrund für schwülstig-erotische Szenen auszuschlachten. Vielmehr verweist er am Rande auf motivische Verwandtschaften zwischen dem Giallo- oder Slasherkino mit der expliziten Art des Pornos. Denn oftmals leiten in den genannten Horrorgenres aus den Fugen geratene Triebe und Sexualität den Todesreigen ein. Kleine Reflexionen dieser Art über Filmkonstruktionen ziehen sich durch das ganze Werk. Als ein offensichtlich übernatürliches Wesen mit äußerster Brutalität sein tödliches Handwerk verrichtet, will Regisseur Kinki das unbedingt als Szene in seinen Film einbauen. Er lässt eine übellaunige Tirade über die schwachsinnige Künstlichkeit der gewöhnlichen Dreharbeiten vom Stapel, um sich anschließend in einen euphorischen Rausch angesichts echter Gewalt hineinzusteigern. Absurderweise entwickelt Kinki seine Freude an einer Art Horror Cinéma vérité angesichts einer phantastischen Gestalt, die kaum von dieser Welt ist. So führt Tagliavini das grimmige Spiel mit selbstreferenziellen Ansätzen über das Horrorkino, dessen Schauwertfixierung sowie die Trennlinie zwischen inszeniertem Grauen und aus den Fugen geratenem Wahnsinn zu ironischen Spitzen, die jedoch nur selten aufblitzen.

Dazwischen soll Bloodline die wuchtige Intensität des Giallos mit anderen Horrorgenres kreuzen, um spannungsgeladene Höhepunkte zu kredenzen. Das gelingt angesichts des bruchstückhaften Drehbuchs in Verbindung mit dem bescheidenen Budget jedoch nur selten. Die Serienkillerhandlung bürdet sich neben einer Geistergeschichte, die recht gut funktioniert, auch noch einen erklärungslos präsentierten Zombiepart auf. Das Schnitttempo kaschiert die Löcher zwar so gut wie möglich, kann aber nicht alles verdecken. Der visuelle Stil, der in seinen besten Momenten mit geschickt ausgeleuchteten Bildern arbeitet und in seinen schwachen Momenten in wirkungsloser Dunkelheit absäuft, verlässt sich zu sehr auf einen metallisch-kühlen Look. Während in der Hochzeit des italienischen Genrekinos Farbakzente die emotionale Raserei hinter den triebhaften Morden mit optischer Brillanz widerspiegelten, strahlt die metallische Optik in Bloodline eher Nüchternheit aus, auch wenn sie zwischendurch immer wieder ausgezeichnet komponiert wurde. Das steht im Gegensatz zum Furor des Wahnsinns, der ansonsten aus allen Poren des Films dampft. Die positiven Ansätze sind aber mehr als deutlich. Wenn Tagliavini jetzt noch ein stringenteres Drehbuch bekommt, die Optik an den Inhalt anpasst und etwas mehr Geld zur Verfügung hat, dann könnte es was werden.

Bedauerlicherweise wurde der Score von Claudio Simonetti in der deutschen Fassung in einigen Spannungsszenen viel leiser als im italienischen Original abgemischt. Dadurch ist es denjenigen gelungen, die für den deutschen Ton verantwortlich sind, die treibende Dynamik der Musik auszumerzen. So kann man dem Eindruck eines Films natürlich auch schaden.

Besonders unglücklich ist es aber, dass man keine deutschen Untertitel angefertigt hat, sodass die Originalfassung nur für Italienischkundige geeignet ist. Da die deutsche Synchronisation von, höflich ausgedrückt, mäßig begabten Sprechern bestritten wurde, gerät Bloodline in ein schwieriges Fahrwasser. Das Label hat die Qualität des Films auf diese Weise zweifellos abgesenkt.

Stefan Dabrock

Bloodline - Der Killer

Das italienische Genre-Kino lebt hauptsächlich vom Ruhm der Vergangenheit. Einigermaßen budgetierte Werke wie Dario Argentos Giallo „Sleepless“ / „Non ho sonno“ (Italien 2001) oder Eros Pugliellis „Eyes of Crystal“ / „Occhi di cristallo“ (Italien 2004) sind eine Ausnahme. Und so fassen sich junge Filmemacher wie Edo Tagliavini immer wieder ein Herz, um mit schmalen Mitteln den Geist der Vergangenheit heraufzubeschwören.
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