Blindsight

Blindsight

Eine Filmkritik von Katrin Knauth

Eine waghalsige Expedition

Wer von uns hat schon mal einen 8.000er im Himalaya bestiegen? Wahrscheinlich die wenigsten, mangelt es uns doch an Kraft, Wille, Mut oder auch Lust, sich so einer enormen Herausforderung zu stellen. Das trifft allerdings nicht auf sechs blinde tibetischen Teenager zu, – richtig blinde! – die 2004 auf den rund 8000 Meter hohen Lhakpa Ri geklettert sind. Diese ungewöhnliche Expedition wurde von der britischen Dokumentarfilmerin Lucy Walker und ihrem Filmteam begleitet. Entstanden ist die bewegende Dokumentation Blindsight, die neben anderen Auszeichnungen auch den Publikumspreis der Berlinale 2007 in der Sektion Panorama gewann.
Initiatorin des „Climbing Blind“-Projekts ist die blinde deutsche Lehrerin und Tibetologin Sabriye Tenberken, die in Tibet die erste Blindenschule gegründet hat, in einem Land, wo Blindheit häufig mit Ausgeschlossenheit aus der Gesellschaft verbunden ist. Blindheit wird in Tibet meist als Strafe für Sünden in vergangenen Leben empfunden. Sabriye Tenberken führte die Kinder mit ihrer Blindenschule in Lhasa aus diesem Außenseiterleben heraus und eröffnete ihnen eine Zukunft. Außerdem entwickelte sie die Blindenschrift für Tibetisch, die mittlerweile die offizielle Blindenschrift des Landes ist.

Ohne dem Amerikaner Eric Weihenmayer wäre die Expedition wahrscheinlich nie zustande gekommen. Er ist der erste blinde Bergsteiger, der den Mount Everest bestiegen hat. Fasziniert von dieser Leistung nahm Sabriye Tenberken Kontakt zu ihm auf und entwickelte gemeinsam mit ihm das unglaubliche Vorhaben. Dass es während des Aufstiegs dann zu gewissen Differenzen zwischen Tenberken und Weihenmayer kommt, spart der Film nicht aus.

Lucy Walker begleitete in einem Zeitraum von vier Monaten nicht nur die blinden Jugendlichen vor, während und nach dem Aufstieg, sondern porträtiert gleichzeitig auch Tenberken und ihre Organisation „Braille Ohne Grenzen“. Lauter mutige Menschen, die unsere Aufmerksamkeit und Bewunderung verdienen. Tenberken lehrt den Kindern nicht nur Lesen und Schreiben, sondern gibt ihnen auch ein Selbstwertgefühl und eine Würde, die sie vorher nie bekommen haben.

An dieser Stelle wird noch nicht verraten, ob die Teenager den waghalsigen Aufstieg schaffen oder nicht. Aber darum geht es auch nicht. Im Vordergrund steht vielmehr die Erweiterung der persönlichen Grenzen und die Erfahrung, die sie dabei machen. Bei der Expedition ist der Weg das Ziel und der ist beschwerlich genug. Die Blinden sehen keine schöne Natur, aber sie spüren die Kraft und den Willen, etwas ganz Besonderes zu leisten. Genau dieser Aspekt kommt bei dem Film sehr gut heraus, ohne dass das Ganze zu klischeehaft herüberkommt. Hut ab!

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Wer von uns hat schon mal einen 8.000er im Himalaya bestiegen? Wahrscheinlich die wenigsten, mangelt es uns doch an Kraft, Wille, Mut oder auch Lust, sich so einer enormen Herausforderung zu stellen.
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