Blind Side - Die große Chance

Blind Side - Die große Chance

Eine Filmkritik von Tomasz Kurianowicz

Vom geschmähten Koloss zum Football-Star

Viel ist darüber spekuliert worden, wie die vermutlich meist verspottete Darstellerin Hollywoods reagieren würde, wenn sie in der Oscar-Nacht den Preis als beste weibliche Hauptdarstellerin gewänne. Als es dann Anfang März soweit war und man Sandra Bullock aufs Podium bat, hielt sie allen bösen und weniger bösen Blicken ein festes Auftreten entgegen, verdrängte in ihrer verschmitzten Dankesrede die jüngste Blamage, die mit der Verleihung der Goldenen Himbeere einherging und widmete, statt sich überrascht zu zeigen, ihren ersten und lang ersehnten Oscar allen tapferen Müttern dieser Welt. Das war sympathisch. Und zudem ein Beweis, dass sich Bullock vom Hollywood-Wirrwarr nicht unterkriegen lässt.
Umso mehr stellt sich jetzt die Frage, angesichts der Deutschlandpremiere ihres neuen und nun prämierten Films Blind Side – Die große Chance, wie viel Oscarverdächtiges in ihrem schauspielerischen Auftreten tatsächlich steckt. Wie auch immer die Kritik des Publikums ausfallen wird: Bullock hat sich für eine der sympathischsten und positivsten Rollen in ihrer durchweg kommerziell geprägten Karriere entschieden. Insofern hat die 36-Jährige ihren ersten Oscar zurecht bekommen; nicht so sehr für überzeugende schauspielerische Leistung, sondern eher für ihre verbissene Leinwandpräsenz der letzten Jahre, als Entschädigung für das Übergangenwerden in Dutzenden von Preisverleihungen, als Trostpflaster für die stets harsch mit ihr umgehende Kritik und natürlich: als Würdigung für einen insgesamt sehenswerten, engagierten Film.

Denn Blind Side – Die große Chance ist eine rührende Geschichte über einen schwarzen Jungen, der es aufgrund seiner sozialen Herkunft schwer hat, ein vollwertiges Mitglied in einem hierarchisch gegliederten Bildungssystem zu sein, in einer Gesellschaft, in der Erfolg und Misserfolg eng verzahnt sind mit dem Budget der Eltern. Sloterdijk, der Sozialstaatsverächter, würde jauchzend frohlocken: Sandra Bullock spielt nämlich eine gut betuchte Frau, die ihrer sozialen und ökonomischen Verantwortung gerecht wird; eine Republikanerin, die den schwarzen Jungen von der Straße holt. Denn Michael Oher (von Quinton Aaron eindrucksvoll gespielt) darf nur wegen seiner breiten Statur und eines opulenten Körperbaus, sozusagen als Hoffnungsträger für die Football-Mannschaft, die christliche und elitär getrimmte Schule ihrer zwei Kinder besuchen. Doch der Erfolg lässt auf sich warten; der Junge ist geistig abwesend, kann sich weder im Sportunterricht noch während der Biologie-Stunde konzentrieren, so dass seine Lehrer ankündigen, ihn bald von der Schule und zurück ins Ghetto von Memphis zu werfen. Erst als die erfolgreiche Mode-Designerin Leigh Anne Tuohy (Sandra Bullock) auf den Koloss und Schulkameraden ihrer zwei Kinder aufmerksam wird, eines Nachts auf einer viel befahrenen Straße, und ihn daraufhin fragt, ob er ein Zuhause, einen Schlafplatz, etwas zu Essen hat, und der introvertierte Schüler als Antwort still schweigend den Kopf schüttelt, wendet sich das Blatt für die gemarterte Existenz.

Die Tuohy-Familie bietet ihm erst einen Schlafplatz und dann ein Zuhause an. Sie akzeptiert den liebenswürdigen Jungen, wie er ist, nachdenklich und bescheiden; nimmt ihn bedingungslos auf und unterstützt ihn in seiner Hoffnung, in der Gesellschaft eine anerkannte Rolle zu spielen. Wobei sich herausstellt, dass „Big Mike“ tatsächlich nicht frei ist von Talent; weniger für Biologie, dafür umso mehr für Football, für den Nationalsport der USA. Seine Fähigkeiten müssen bloß gefördert und in die richtige Richtung gelenkt werden. Und genau diese Geschichte, die im Buch-Format bereits Bestseller-Status erreichte, die unglaubliche Geschichte einer engagierten geberischen und einer dankbaren nehmerischen Hand erzählt Blind Side, nämlich die Biografie eines erfolgreichen Football-Spielers, der im wirklichen Leben dank philanthropischer Zuneigung die Chance bekam, seine stillen Träume und verborgenen Talente zu realisieren.

Die Botschaft lautet also: Wo staatliches Handeln versagt, muss das couragierte Individuum seiner gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden. Dabei greift der Regisseur John Lee Hancock, der auch das Drehbuch verfasste, durchaus in die Kitsch-Kiste. Aber trotzdem wirkt der überpräsente gutmenschliche Gestus nie fehl am Platz. Man fühlt sich schlicht unterhalten und ergriffen von einem Jungen, dem es trotz widriger Umstände und dank einer einfühlsamen Frau mit dem Gespür für Zwischentöne gelingt, als etwas gesehen zu werden, wofür es hierzulande einen simplen Ausdruck gibt: als ein Mensch.

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Viel ist darüber spekuliert worden, wie die vermutlich meist verspottete Darstellerin Hollywoods reagieren würde, wenn sie in der Oscar-Nacht den Preis als beste weibliche Hauptdarstellerin gewänne.
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Meinungen
iliketorate · 08.07.2010

Toller Film - Unterhaltsam und trotzdem mit Tiefgang! Kann ich nur empfehlen!

Michael · 11.05.2010

Super Film mit Gefühl. Lohnt sich auf jeden Fall. Ist Kurzweilig.

Janice · 09.05.2010

Der film ist einer der besten den ich jeh gesehen habe, lohnt sich sehr
den würde ich auch noch ein 3tes mal gucken
sehr rührend

Peter Mengel · 31.03.2010

Endlich wieder ein gutter Film seit langem der im Kino leuft.Die geschichte ist super und ich empfehle jedem diesen film zu sehen,es lohnt sich wie gesagt film wie tiefgang^^

Kommentare

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4.3 von 5 bei 46 Bewertungen
Sterne
Anzahl
5 Sterne31
4 Sterne4
3 Sterne5
2 Sterne2
1 Stern4
Titel
Blind Side - Die große Chance
Vom geschmähten Koloss zum Football-Star
Originaltitel
The Blind Side
Startdatum
FSK
6

Daten und Fakten

Produktionsland
Jahr
2009
Filmlänge
128 Min
Filmverleih
DVD
Veröffentlichung
Spielzeit DVD
123 Min
Bildformat
16:9
Sprache(n) & Ton
Dolby Digital 5.1, Deutsch, Englisch
Extras
Nicht verwendete Szenen
DVD-Vertrieb
Blu-Ray
VoD & Streaming
TV

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