Black or White

Black or White

Eine Filmkritik von Falk Straub

Wo die Liebe hinfällt

In den 1990er Jahren war Kevin Costner (Der mit dem Wolf tanzt) ein Kassenmagnet. Heute schafft es nicht mehr jeder seiner Filme in die deutschen Kinos. Black or White zeigt den Oscarpreisträger in einem nuancierten Drama. Octavia Spencer gibt Costners Konkurrentin in einem Sorgerechtsstreit, der mit harten Bandagen und viel Herz geführt wird.
Ganz langsam schälen sich die Konturen des Protagonisten aus der Unschärfe des Krankenhausflures. Elliot Anderson (Kevin Costner) geht der Verlust seiner Ehefrau nah, doch die Kamera wahrt ihre Distanz. Dem erfolgreichen Anwalt bleibt kaum Zeit zur Trauer, also ertränkt er sie im Hochprozentigen. Elliot muss sich um seine Enkelin Eloise (Jillian Estel) kümmern, die er nach dem Tod seiner Tochter gemeinsam mit seiner Frau großzog. Eloises Vater Reggie (André Holland), ein drogensüchtiger Herumtreiber, hat sich nie für sein Kind interessiert und damit die Vorurteile seines Schwiegervaters bestätigt. Reggie ist schwarz und stammt aus einem Problembezirk. Doch so stereotyp wie Elliots Weltsicht ist die Welt in Black or White nicht. Als reicher Anwalt kann er seiner Enkelin zwar alles bieten, was ihr Mädchenherz begehrt, einen herzlichen Umgang mit der Kleinen muss er aber erst noch lernen. Für die tägliche Portion Liebe ist Reggies Mutter Rowena (Octavia Spencer) samt ihrer Großfamilie zuständig. Doch als sich Elliot mit Rowena überwirft, kommt es zu einem Sorgerechtsstreit.

Wo andere Dramen gern Schwarzweiß malen, wirft Black or White unzählige Graustufen auf die Leinwand. Und so funktionieren Reggie und Elliot oder Elliot und Rowena auch nur bedingt als Gegensatzpaare. Alle am Sorgerechtsstreit beteiligten Parteien haben ihr Stärken und Schwächen. Elliot ist zwar kein Vorzeigegroßvater, aber auch kein verantwortungsloser Säufer. Während er seine Sucht verleugnet und trotz, vielleicht gar nur wegen des Alkohols funktioniert, benutzt Reggie seine Sucht als Ausrede, um nicht funktionieren zu müssen. Reggie mag sich seiner Verantwortung (zu) lange entzogen haben, die Liebe zu seiner Tochter ist jedoch ebenso echt wie Rowenas Liebe zu all ihren Kindern und Enkeln. Dass diese Liebe auch erdrückend sein kann, ist neu für Rowena. Es dauert lange, bis alle Beteiligten erkennen, dass beste Absichten nicht immer das Beste für ein Kind sind.

Regisseur und Drehbuchautor Mike Binder (Die Liebe in mir, An Deiner Schulter) nähert sich seinen Figuren ebenso bedacht wie Russ T. Alsobrooks zurückhaltende Kamera. Ein Making-of auf dem Bonusmaterial der DVD verrät, dass der Dreh nur 25 Tage dauerte. Angesichts des straffen Drehplans ist es erstaunlich, mit welcher Ruhe Kevin Costner & Co. agieren. Das tut dem Film gut. Costner blüht zu alter Stärke auf. Als resolute Großmutter ist ihm Octavia Spencer ebenbürtig. Jillian Estel als Eloise ist ein echter Gewinn. Der milde Humor, den das Skript dem Drama einhaucht, lockert die schwere Thematik, die ganz nebenbei augenzwinkernd die Elitisierung der Gesellschaft verhandelt, merklich auf.

Black & White will die Zuschauerherzen erwärmen, ohne dabei zu rührselig zu sein. Auf der Handlungsebene funktioniert das. Hier erkennen die Figuren, dass sie sich ihrem Gegenüber öffnen müssen, um ihnen auf Augenhöge zu begegnen. Das Publikum wird jedoch mit all dem nie ganz warm. Das ist nicht zuletzt Mike Binders distanzierter Inszenierung geschuldet. Insgesamt wechselt der Film zu häufig die Tonlage, ist mal hartes Gerichtsdrama, dann stellenweise familiäre Wohlfühlkomödie. Letztlich mangelt es etwas an Balance.

Black or White

In den 1990er Jahren war Kevin Costner („Der mit dem Wolf tanzt“) ein Kassenmagnet. Heute schafft es nicht mehr jeder seiner Filme in die deutschen Kinos. „Black or White“ zeigt den Oscarpreisträger in einem nuancierten Drama. Octavia Spencer gibt Costners Konkurrentin in einem Sorgerechtsstreit, der mit harten Bandagen und viel Herz geführt wird.
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