Berlin – Die Sinfonie der Großstadt

Berlin – Die Sinfonie der Großstadt

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Samstag, 9. Februar 2013, 3sat, 20:15 Uhr

In diesen faschingsnahen Februartagen, wenn die Film-Freaks dieses Landes und der ganzen Welt nach Berlin blicken, wo sich die 63. Internationalen Filmfestspiele zusammenbrauen, gibt es bei 3sat eine stumme, schwarzweiße Dokumentation über die Metrople aus dem Jahre 1927 zu sehen, die damals nicht zuletzt aufgrund ihrer technischen Raffinesse für Furore sorgte. Berlin – Die Sinfonie der Großstadt des deutschen Regisseurs Walther Ruttmann, der 1933 den Propagandafilm Blut und Boden für die nazifizierte UFA inszenierte, entwirft das dynamisch-rhythmische Bild einer kruden Urbanität, das von der in fünf Akte gegliederten Musik von Edmund Meisel angetrieben wird.
Während die Dampflokomotive zu Beginn des Films, die sich aus der Natur hinaus ihren vorgegebenen Weg in die Stadt bahnt, trotz ihrer rasanten Fahrt noch durchaus idyllisch anmutet, ist es mit der distanzierten Beschaulichkeit bald vorbei, die die Häuserfassaden des frühen Morgens noch verbreiten, denn nun bestimmt rasch die Geschäftigkeit des Alltags das Tempo und die Dichte des Szenarios, das zwar von Menschen wimmelt, aber in seiner strengen Sachlichkeit gleichzeitig eine Abkehr des Humanen zum Ausdruck bringt. Wahllos wirken die Impressionen der Massen, die zur Arbeit strömen, beinahe marschieren, von den auftrumpfenden Tonfolgen gehetzt, die bei der Premiere des Films von einem 75 Musiker umfassenden Orchester intoniert wurden, in der restaurierten Fassung allerdings auf Klavierklänge reduziert wurden, die in ihrer Eindringlichkeit jedoch den Sinfonie-Begriff des Titels zweifellos rechtfertigen.

Ein experimenteller Dokumentarfilm, der den Gesetzen seiner stringenten Musik gehorcht, ist sicherlich keine leichtgängige Unterhaltungskost, doch Berlin – Die Sinfonie der Großstadt ist gleichzeitig ein historisches Dokument sowie ein Erlebnis ganz besonderer Art, das temporeiche Schnitte als geradezu beziehungslose Sequenzen eines beliebigen Tages montiert, der mit einem Feuerwerk beschlossen wird, nachdem Arbeit wie Vergnügungen die Menschen umtrieben haben, deren Darstellung in ihrer Dynamik beizeiten nahezu possenhaft erscheint. Der später an die filmische Atmosphäre des nationalsozialistischen Deutschlands angepasste Walther Ruttmann hat mit seinem kühlen Porträt Berlins ein kleines Kuriosum geschaffen, das zwar kaum Nostalgie versprüht, aber umso mehr geeignet ist, den Geist einer Entwicklung zu transportieren, die den Menschen letztlich komplett einer durchstrukturierten Formenhaftigkeit unterwirft, wobei die dominante musikalische Komponente zwar eine dramatisierende Akzentuierung setzt, aber im Grunde deutlich die Banalität des Daseins unterstreicht, dessen Rhythmus ihr gehorcht.

Berlin – Die Sinfonie der Großstadt

In diesen faschingsnahen Februartagen, wenn die Film-Freaks dieses Landes und der ganzen Welt nach Berlin blicken, wo sich die 63. Internationalen Filmfestspiele zusammenbrauen, gibt es bei 3sat eine stumme, schwarzweiße Dokumentation über die Metrople aus dem Jahre 1927 zu sehen, die damals nicht zuletzt aufgrund ihrer technischen Raffinesse für Furore sorgte. "Berlin – Die Sinfonie der Großstadt" des deutschen Regisseurs Walther Ruttmann, der 1933 den Propagandafilm Blut und Boden für die nazifizierte UFA inszenierte, entwirft das dynamisch-rhythmische Bild einer kruden Urbanität, das von der in fünf Akte gegliederten Musik von Edmund Meisel angetrieben wird.
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