Being Charlie - Zurück ins Leben

Being Charlie - Zurück ins Leben

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Vater und Sohn

Pünktlich an seinem 18. Geburtstag verlässt Charlie Mills (Nick Robinson) die ländlich gelegene, religiös orientierte Entzugsinstitution, wo er den Drogen entsagt hatte, die bisher auf desolate Weise sein junges Leben prägten – nicht ohne noch zum Abschied das hübsche Kapellenfenster der Einrichtung einzuwerfen. Per Anhalter ist er nun nach Los Angelos, nach Hause unterwegs, wo er erneut bei seinen betuchten Eltern Liseanne (Susan Misner) und David (Cary Elwes) unterzukommen gedenkt. Sein bester Kumpel Adam (Devon Bostick) holt ihn am Highway ab und bringt ihn zur heimatlichen Villa, wo ihn allerdings ungeahnter Widerstand gegen seine vagen Pläne erwartet. Denn Mutter und Vater haben inzwischen mit der Unterstützung eines Therapeuten entschieden, ihren aufreibenden Sohn längerfristig zurück in den Entzug zu schicken – um sein Leben zu retten, wie sie erklären.
Ohne explizit Näheres über die bisherigen Ereignisse zu erzählen, beschreibt Being Charlie – Zurück ins Leben hier eine Situation, die wohl einigen Familien in ähnlicher Situation nur allzu vertraut ist: Der Nachwuchs hat gravierende Drogenprobleme, die elterlichen Maßnahmen sind mit wenig Erfolg ausgeschöpft und der Sohn selbst ist zwar vermutlich momentan clean, jedoch wenig einsichtig, was seine Chancen betrifft, es dauerhaft zu bleiben. Während die warmherzige Mama rasch versucht ist, ihren großen Liebling doch wieder aufzunehmen, setzt sich der konsequente Vater durch, trotz des Vorwurfs, nur seine gerade enorm ehrgeizige politische Karriere im Auge zu haben. Doch diese Klischees, was das wohlhabende Milieu der Mills angeht, mindern nicht dessen sorgfältige psychologische Zeichnung jenseits der meist üblichen Drogengeschichten von Jugendlichen aus armen, zerrütteten sozialen Verhältnissen – eine Konstellation, die den Fokus der Problematik einmal auf ihre immaterielle Dimension zu begrenzen bemüht ist. Bedauerlich ist dabei und insgesamt, dass die Schauspieler bei allem Engagement recht nuancenarm bleiben, trotz der sichtlichen Bemühungen um emotional differenzierte Ausdrucksfähigkeiten.

So bleibt Charlie die Wahl zwischen Obdach- und Mittellosigkeit einerseits und der Rückkehr in eine Rehabilitationseinrichtung andererseits, die ihm trotz seiner akuten Verletzung und Wut dann doch recht leicht fällt. Mit dem Versprechen, ihm als treuer Freund erhalten zu bleiben und künftig für eine gemeinsame Bleibe zu sorgen, verlässt ihn Adam, der allerdings selbst kräftig allen möglichen Rauschmitteln fröhnt, was später noch zu brisanten Ereignissen führen wird. Doch zunächst einmal zieht Charlie in eine therapeutische Wohngruppe ein, wo sich so allerlei abhängige Abstinenzler tummeln, aber auch die attraktive Eva (Morgan Saylor), mit der sich eine höchst belastete Liebesgeschichte anbahnt ...

Mit schnodderigen Sprachlichkeiten und ebensolchem satirischem Humor verbreitet Being Charlie – Zurück ins Leben seine schwankenden Stimmungen entlang von tragischen Entwicklungen, welche die Verstrickungen von Suchtsituationen treffend abbilden. Nicht spektakulär oder sensationell kommt diese Drogennarration daher, die sich zuvorderst auf die sozialen und psychologischen Entzugsaspekte bezieht, ohne dabei plastisch zu werden. Beinahe banal muten die Veränderungen und Fallstricke an, die hier dargestellt werden, ohne skandalisiert zu werden, was auch für die alltägliche Akzeptanz einer Problematik spricht, für die es nach Jahrzehnten der gescheiterten wie erfolgreichen Erfahrung damit noch so wenig effektive Präventionen oder Lösungen gibt. Ob Heroin wie bei Charlie oder Koks & Co wie bei seinem Freund Adam - wen was wie ins Elend reißt, ist unberechenbar, und schlichte Weisheiten wie jene der therapeutischen Interventionen greifen eben langfristig oder auch nicht, könnte eine Botschaft des Films sein, der sich dann letztlich doch dafür entscheidet, das Grauen und den Verlust als wirksame Mittel zum Entzugswillen anzudeuten.

Dass die zeitweilige Ausweglosigkeit am Ende doch noch einen zwar ambivalenten, aber günstigen Gang nimmt, liegt vermutlich darin begründet, dass das Drehbuch auf einer authentischen, (auto)biographischen Geschichte beruht. Denn es ist der Sohn des Regisseurs Rob Reiner (Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers, 1986, Das Beste kommt zum Schluss, 2007), Nick Reiner, der das Script zusammen mit Matt Elisofon nach Episoden seiner eigenen heftigen Drogenzeit verfasst hat. Ein gemeinsames Drama von Sohn und Vater also, auf der Leinwand wie innerhalb der Lebensgeschichte, das durch diese Information deutlich an dichter Ernsthaftigkeit gewinnt.

Being Charlie - Zurück ins Leben

Pünktlich an seinem 18. Geburtstag verlässt Charlie Mills (Nick Robinson) die ländlich gelegene, religiös orientierte Entzugsinstitution, wo er den Drogen entsagt hatte, die bisher auf desolate Weise sein junges Leben prägten – nicht ohne noch zum Abschied das hübsche Kapellenfenster der Einrichtung einzuwerfen. Per Anhalter ist er nun nach Los Angelos, nach Hause unterwegs, wo er erneut bei seinen betuchten Eltern Liseanne (Susan Misner) und David (Cary Elwes) unterzukommen gedenkt.
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