Beautiful Bitch

Beautiful Bitch

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Die Diebin und die Göre

Wovon Bica (Katharina Derr) ihren Lebensunterhalt bestreitet, daran besteht von Anfang an kein Zweifel: „Ich bin eine Diebin“, bekennt das Mädchen, das Bitch genannt wird, gleich zu Beginn der Geschichte freimütig in die Kamera. Auch wenn dieses Selbstbekenntnis mit pubertär-trotziger Attitüde vorgetragen wird: Bica verdient ihren Lebensunterhalt in der Tat als „Klaukind“. Sie ist eine von vielen rumänischen Waisenkindern, die sich zunächst auf den Straßen von Bukarest herumtreiben, mit kleinen Diebstählen versucht sie, sich und ihren keinen Bruder über Wasser zu halten. Als dieser von der Polizei erwischt und in ein Heim gebracht wird, macht sich der Ex-Polizist Cristu (Patrick von Blume) an sie heran und stellt ihr ein besseres Leben im fernen Deutschland ijn Aussicht: Dort soll sie für ihn klauen gehen – mit ungleich besseren Verdienstmöglichkeiten, die ihr und ihrem Bruder ein gutes Einkommen sichern werden. Bica glaubt den Versprechungen des Mannes und lässt sich auf den Trip nach Deutschland ein, den sie im Kofferraum eines Wagens über sich ergehen lässt. Im goldenen Westen angekommen muss sie feststellen, dass sich an ihrer Situation nichts verbessert hat – im Gegenteil: Nun ist sie auf Gedeih und Verderb ihrem erbarmungslosen Boss ausgeliefert, der mit strenger Hand darüber wacht, dass jeden Abend die Kasse stimmt.
Eines Tages begegnet sie Milka (Sina Tkotsch), einer verwöhnten Göre aus den besseren Kreisen der Gesellschaft, die sich allerdings bei genauerem Hinsehen ebenfalls als ziemlich kaputt erweisen. Zwischen den beiden sehr unterschiedlichen Mädchen, von denen jede auf ihre Weise einsam ist, entwickelt sich eine Freundschaft, die unter keinem guten Stern steht. Denn die Diskrepanz zwischen ihrem Dasein als rechtlose Diebin und als ganz normales Mädchen wird immer größer. Und Cristu ist keinesfalls gewillt, Bica ihre Freiheit zu lassen…

Immer wieder berichten vor allem die Boulevardmedien über Banden von so genannten „Klaukindern“, die meist aus Rumänien oder anderen osteuropäischen Ländern stammen. Was sich vor allem bei Kindern aus Rumänien dahinter verbirgt, ist eine unglaubliche Not der zumeist noch nicht Strafmündigen, die oftmals Vollwaisen sind, und quasi mafiös organisierte Strukturen. Ein sehr interessantes Thema also, dessen sich Martin Theo Krieger in seinem Film, der bereits auf der Berlinale 2008 in der Reihe „German Cinema“ zu sehen war, annimmt.

Doch der Film ist leider bei allen Ambitionen recht zwiespältig geraten. So wissen etwa die Schauspieler, vor allem die junge Katharina Derr in ihrer ersten Hauptrolle zu überzeugen, und Krieger bemüht sich sehr, den harten Realitäten gerecht zu werden. Auf der anderen Seite aber wirkt die Art und Weise der Inszenierung wenig kinogerecht und erinnert in ihren Bildausschnitten und Einstellungsgrößen eher ans Fernsehen. Auch dramaturgisch geht Beautiful Bitch auf Nummer Sicher, arbeitet mit Klischees und überdeutlichen Metaphern, bereitet Entwicklungen der Charaktere von langer Hand vor und bietet so kaum Raum für Überraschungen. Zumal man über Bicas Vorgeschichte in Rumänien nur das Notwendigste erfährt.

Vom pädagogischen Anspruch her zielt Kriegers Film vor allem – so möchte man meinen – auf ein junges Publikum ab, dessen Seherfahrungen noch nicht so ausgeprägt sind wie diejenigen von Erwachsenen. Mag sein, dass dies stimmt, unterm Strich hätte man sich aber etwas mehr Sorgfalt beim Skript und bei der Inszenierung gewünscht, um solch einer spannenden Figur wie Bica und dem, was sie erlebt hat, gerecht zu werden.

Beautiful Bitch

Wovon Bica (Katharina Derr) ihren Lebensunterhalt bestreitet, daran besteht von Anfang an kein Zweifel: „Ich bin eine Diebin“, bekennt das Mädchen, das Bitch genannt wird, gleich zu Beginn der Geschichte freimütig in die Kamera.
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Meinungen
Peter G. · 14.08.2008

Ich war in Düsseldorf auf der Premierenveranstaltung. Mir hat der Film gut gefallen. Kann ich weiterempfehlen!

Kommentare

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