Bardsongs - Geschichten vom Glück

Bardsongs - Geschichten vom Glück

Eine Filmkritik von Stefan Otto

Moralische Erzählungen

Was Ravi und Sahir in Rajasthan widerfährt, könnte so oder so ähnlich auch in Mali oder in Ladakh passieren. Die Geschichte des Schülers Bouba aus Djenné könnte mutatis mutandis auch in Indien spielen, und die Erlebnisse von Sonam und Padma ließen sich vom Himalaya ebenso nach Afrika verlegen. Der niederländische Regisseur Sander Francken feiert die Vielfalt der Welt und den Reichtum der Kulturen, wenn er die drei Geschichten vom Glück, die er in seinem Episodenfilm Bardsongs erzählt, an drei ganz unterschiedlichen Orten, in drei verschiedenen Ländern stattfinden lässt.
Francken (Papa’s Song) selbst hat die Fabeln ausgesucht und zur Vertonung an drei lokale, aber überregional bekannte Barden weitergegeben, die sie auf ihre Weise interpretieren. Neben dem Regisseur und den Schauspielern, die Francken auch überwiegend vor Ort fand, sind sie es, die die Parabeln erzählen.

In der ersten sammeln Vater und Sohn, Ravi und Sahir, Tag für Tag Plastikmüll im indischen Jodhpur. Als das Kamel, das ihren Wagen zieht, abhaut, und sie es auch nach einer Verfolgung durch die Gassen der Stadt nicht wieder einzufangen vermögen, wird besonders der Vater von Kollegen und Bekannten bedauert, weiß aber selbst nicht, ob das überhaupt angebracht ist. „Warum habt ihr Mitleid mit mir?“ fragt er und verweigert sich hier wie später in anderen Situationen einem endgültigen Urteil. Er bleibt gelassen. Tatsächlich kehrt das Kamel mit einem Weibchen zurück und bald wird ihnen ein Fohlen geboren. Ravi weiß: Die Zeit wandelt die Dinge.

Im malischen Djenné besucht der neunjährige Bouba die Koranschule. Sein Lehrer schickt ihn für sieben Tage in die Stadt, damit er dort herausfindet, welches das höchste Wissen ist. Der eifrige und wissensdurstige Bouba geht zu einem Schmied, einem Maurer, einem Fischer und einem Jäger, er spricht mit Touristen und einem Mädchen und erhält unterschiedliche Antworten, von denen sein Lehrer am Ende nur eine akzeptiert.

In der dritten Episode machen sich ein Vater und seine Tochter, Sonam und Padma, auf eine beschwerliche Reise im Himalaya. Sie wollen ihr Dzo, eine Kreuzung aus Yak und Rind, verkaufen. Ist schon dieses Unternehmen eines, zu dem andere sie aufgefordert haben, so reden ihnen auch unterwegs immer wieder Leute rein. Sie sagen ihnen, wie sie sich zu verhalten haben, wie das Tier zu behandeln ist oder welchen Weg sie nehmen sollen, um an ihr Ziel zu gelangen. Besonders der sanftmütige und einfältige Sonam versucht alle Ratschläge zu befolgen, was nicht ganz einfach ist, wenn sie sich widersprechen.

Mit Bardsongs — Geschichten vom Glück setzt Sander Francken auf Exotik, Musik und ein schlichtes Triptychon eingängiger Fabeln, auf zielgerichtete, moralische Geschichten. Die Welt als Schulbuch, belehrend, aber unterhaltsam dargeboten.

Bardsongs - Geschichten vom Glück

Was Ravi und Sahir in Rajasthan widerfährt, könnte so oder so ähnlich auch in Mali oder in Ladakh passieren. Die Geschichte des Schülers Bouba aus Djenné könnte mutatis mutandis auch in Indien spielen, und die Erlebnisse von Sonam und Padma ließen sich vom Himalaya ebenso nach Afrika verlegen.
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