Bakk - Rückwärts

Bakk - Rückwärts

Eine Filmkritik von Sonja Hartl

Inselrundfahrt im Rückwärtsgang

Die isländische Filmindustrie hat in den vorigen Jahren einige sehr interessante, eigenwillige und gute Filme hervorgebracht, die weit mehr als die typisch-trockenen Komödien waren. Vielmehr boten sie bewegende Einblicke in die Folgen der Finanzkrise in Island (Life in a Fish Bowl – leider weiterhin ohne Verleih in Deutschland), erzählten die universelle Geschichte eines Mannes, der selbständig werden muss (Virgin Mountain) oder von zwei Brüdern, die ihre Privatfehde überwinden müssen (Sture Böcke) oder von einem Mann, der stundenlang im eiskalten Ozean überlebte (The Deep). Diese Filme zeugen davon, dass das isländische Kino weit mehr zu bieten hat als schöne Landschaften und eigenwillige Geschichten. Wenngleich Bakk – Rückwärts auch 2015 entstanden ist, scheint dieser Film jedoch fast losgelöst von diesen Entwicklungen des isländischen Kinos.
Bei dem Schauspieler Gísli (Gunnar Hansson) läuft es nicht gut: Im Theaterstück darf er nur die kleine Rolle eines Boten spielen, der nach zwei Sätzen getötet wird und anschließend über eine Stunde tot auf der Bühne liegen muss, ein Anschlussengagement ist nicht in Sicht und seine Freundin hat ihn vor die Tür gesetzt. Also fährt er zurück in seinen kleinen Heimatort, in dem sein Vater immer noch lebt. Gísli will weder sich noch ihm eingestehen, dass sein Leben vor allem eine einzige große (Selbst-)Täuschung ist, also sucht er nach Ablenkung und kommt auf die Idee, wie einst sein Vater einmal rückwärts um Island zu fahren. Er will das Land komplett umrunden und damit den Weltrekord seines Vaters einstellen. Kurzerhand überzeugt er seinen Kindheitsfreund Viðar (Víkingur Kristjánsson), ihn zu begleiten. Viðar ist ganz anders als Gísli: Er lebt noch in dem kleinen Ort, trägt die Wolljacken, die seine Mutter ihm gestrickt hat, arbeitet an einer Tankstelle, ist nett und hilfsbereit. Aber er konnte Gísli noch nie die Stirn bieten, also sitzt er bald widerwillig mit ihm im Auto und sie beginnen die Rückwärtsreise. Schon bald stößt dann die hübsche Blær (Saga Gardarsdóttir) zu ihnen. Und auch wenn die Fahrt mit Auto rückwärts vonstattengeht, folgt der Film doch dem gängigen Muster eines Roadmovies – allerdings bestehen die "Abenteuer" aus misslungenen Interviews voller Fäkalhumor, einem missglückten Fallschirmsprung und Gíslis permanentem Kreisen um sich selbst.

Vielleicht wäre Bakk – Rückwärts insgesamt etwas witziger, wenn Gísli eine angenehmere Reisebegleitung wäre. Jedoch sind seine charakterlichen Fehler allzu offensichtlich, um interessant zu sein, ist er als selbstverliebter Protagonist zu glatt, um Widerhaken zu bieten. Seine Lügen und Betrügereien sind schon fast pathologisch und entspringen nur selten einer tatsächlichen Notwendigkeit, vor allem aber sind sie allzu vorhersehbar. Und da er sich noch nicht einmal anstrengt, um etwas zu erreichen, ist er kein tragischer Held, der immer wieder scheitert. Er versucht ja noch nicht einmal, sich zu verändern – allen erhellenden Momenten zum Trotz.

Auch die anderen Figuren sind recht einfach angelegt – Viðar ist passiv gutmütig und nett, Blær hippiemäßig verständnisvoll –, aber es gelingt Víkingur Kristjánsson und Saga Gardarsdóttir, von Anfang an erkennen zu lassen, dass hinter dieser Fassade noch mehr stecken könnte. Deshalb sind sie eigentlich die interessanten Figuren, denen weniger Zeit gewidmet wird – und die Zuneigung, die zwischen ihnen entsteht, ist letztlich sehr glaubwürdig.

Insgesamt jedoch ist an der Komödie von Gunnar Hansson und David Óskar Ólafsson vor allem die Landschaft Islands sehenswert, die – dem Rückwärtsgang sei dank – überwiegend in aller Ruhe und bei gutem Wetter auf der Leinwand vorüberzieht.

Bakk - Rückwärts

Die isländische Filmindustrie hat in den vorigen Jahren einige sehr interessante, eigenwillige und gute Filme hervorgebracht, die weit mehr als die typisch-trockenen Komödien waren. Vielmehr boten sie bewegende Einblicke in die Folgen der Finanzkrise in Island ("Life in a Fish Bowl" – leider weiterhin ohne Verleih in Deutschland), erzählten die universelle Geschichte eines Mannes, der selbständig werden muss ("Virgin Mountain") oder von zwei Brüdern, die ihre Privatfehde überwinden müssen ("Sture Böcke") oder von einem Mann, der stundenlang im eiskalten Ozean überlebte ("The Deep").
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