Babylon

Babylon

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Babylon – Im Bett mit dem Teufel

Ist der Regisseur Ralf Huettner auch vor allem durch seine schrägen humoristischen Filme wie Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem (1993), Voll normaaal (1994) und Die Musterknaben (1997) bekannt, hat er mit Babylon aus dem Jahre 1992 einen erotischen Horrorfilm inszeniert, bei dem es wenig zu lachen gibt. Es sei denn, man betrachtet das gesamte Stück als bitter-böse Satire auf das Genre, was allerdings auf Grund der dramaturgischen Komposition als recht unstimmig einzuordnen wäre.
Der durchtriebene, skrupellose Lothar (Dominic Raacke) ist als Vertreter esoterischer, vorgeblich gesundheitsfördernder Geräte ein windiger Hund mit ausgeprägten erotischen Umtrieben, mit denen er durchaus erfolgreich in der Damenwelt andocken kann. Als er bei einer seiner Produktpräsentationen die Krankenschwester Maria (Natja Brunckhorst) kennen lernt, lässt sie sich nach anfänglichem Zögern auf ein erotisches Abenteuer mit dem Sexprotz ein, bei dem prompt das Kondom platzt und Maria eine ungewollte Schwangerschaft beschert. Fühlt sie sich einerseits von Lothar angezogen, distanziert sie sich bald wieder von ihm, als er zunehmend massiv Adressen ihrer Patienten fordert, um bei deren Angehörigen seine Produkte unter psychologischem Druck besser verkaufen zu können. Bald wird deutlich, dass Maria keineswegs die einzige Geliebte Lothars ist, die er geschwängert hat, wobei sein Sperma offensichtlich von diffusen bösartigen Mächten besessen ist …

Ist auch der Versuch unübersehbar, mit Babylon ein vielschichtiges, spannendes und anspruchsvolles Psychodrama mit unappetitlichen Schockeffekten zu realisieren, misslingt dieser doch in erheblichem Umfang. Als Elemente dieses Scheiterns erscheinen zuvorderst die überlastete, teilweise unschlüssige Dramaturgie, die bisweilen gar grottigen schauspielerischen Qualitäten nahezu aller Akteure – jenseits ihrer gewöhnlich bei weitem besseren Leistungen – inklusive der Dialoge sowie das wenig fundierte Bemühen, eine stimmige Hintergrundgeschichte zu etablieren. Am Ende des Films wird deutlich, dass durchaus eine verborgene Ebene mitschwingt, die letztlich offensichtlich als Überraschungsmoment final zum Tragen kommen soll, doch wird diese Komponente während der Handlung allzu ungenügend vorbereitet und korrespondiert nur dürftig mit den Anfangssequenzen, so dass die verbleibenden Ungereimtheiten eher ärgerlich als anregend erscheinen.

Die kaum ansprechenden erotischen Aspekte wirken im Gesamtgefüge des Films überspitzt und einer strategischen Beigesellung gleich, um das Diabolische mit dem Sexuellen zu verknüpfen, wobei auch hier die darstellerischen Ausdrucksformen geradezu ins Lächerliche abzurutschen drohen. Auch wenn Ralf Huettner bereits mit Der Fluch von 1988 einen Film im Spannungsfeld von Thriller und Horror vorgelegt hat, der um einiges konsistenter daherkommt, stellt Babylon ein stilistisch wie inhaltlich vages, allzu unpräzises Bemühen dar, dieses innerhalb des deutschen Kinos recht gering repräsentierte Genre um ein gelungenes Werk zu bereichern.

Babylon

Ist der Regisseur Ralf Huettner auch vor allem durch seine schrägen humoristischen Filme wie „Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem“ (1993), „Voll normaaal“ (1994) und „Die Musterknaben“ (1997) bekannt, hat er mit „Babylon“ aus dem Jahre 1992 einen erotischen Horrorfilm inszeniert, bei dem es wenig zu lachen gibt.
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