Babettes Fest

Babettes Fest

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Eine Französin in Jütland

Nach der gleichnamigen Novelle von Tania Blixen enstand dieser geruhsame, intensive Film von Gabriel Axel, der bei den Filmfestspielen von Cannes 1987 uraufgeführt und dort mit dem Preis der Ökonomischen Jury ausgezeichnet wurde. Im Jahre darauf erhielt der Film einen Oscar in der Kategorie Bester Fremdsprachiger Film , dem 1989 ein BAFTA-Award als Bester Nicht-englischsprachiger Film folgte. Ein enormer Erfolg für eine unspektakulär inszenierte Geschichte der leisen Töne, der sich auch in den ansehnlichen Besucherzahlen in den Kinos sowohl in Dänemark als auch in den USA niederschlug und dem erfahrenen dänischen Regisseur (Leïla, 2001) internationale Anerkennung bescherte.
Es ist eine Erzählerin (Ghita Nørby), die dem Zuschauer mit filigranem Humor und erklärenden Kommentaren die Geschichte der Flüchtlingsfrau Babette (Stéphane Audran) nahe bringt, die einst zu Beginn der 1870er Jahre nach der Ermordung ihres Mannes und ihres Sohnes auf Grund der lebensgefährlichen politischen Turbulenzen in Frankreich ihre Heimat verlassen musste und mit dem Empfehlungsschreiben eines Protecteurs in ein kleines Fischerdorf im dänischen Jütland reist. Dort trifft sie auf die charismatischen, älteren Schwestern Martine (Brigitte Federspiel) und Philippa (Bodil Kjer), die ihr Leben der Fürsorge bedürftiger Dorfbewohner gewidmet haben und eine kleine religiöse Gemeinschaft zusammenhalten, die vor langer Zeit von ihrem verstobenen Vater, einem sittenstrengen Probst, gegründet wurde. In Rückblicken wird die Jungmädchenzeit dieser außergewöhnlichen Frauen herausbeschworen, deren Schönheit für Unruhe bei den Burschen im Dorf sorgte und die ihnen zwei kuriose, erfolgreiche Verehrer von außerhalb bescherte, deren Lebenswege sie nachhaltig beeinflussten, ohne sich jemals für einen Mann zu entscheiden, so dass sie zeitlebens ein unzertrennliches Paar bildeten.

Babette zieht bei den Schwestern ein und avanciert als engagierter und energischer Charakter zum Hausmädchen der beiden, während sie sich Schritt für Schritt die Landessprache und einen respektablen Platz als zähe Verhandlungspartnerin innerhalb der Dorfgemeinschaft erobert. Nach einigen Jahren des gemächlichen, unaufgeregten Lebens trifft unvermittelt ein Brief aus Frankreich ein, der die Mitteilung enthält, dass Babette in der dortigen Lotterie, in die eine letzte gute Freundin von ihr regelmäßig einzahlt, eine nicht unbeträchtliche Summe gewonnen hat, mit der sie einen neuen Start in der alten Heimat anvisieren kann, so dass ein Abschied bevorsteht. Babette bittet zu diesem Anlass darum, das Festessen zum 100. Geburtstag des Probstes kulinarisch ausrichten zu dürfen und stürzt sich in die umfangreichen Vorbereitungen zu diesem einmaligen, kulinarischen Höhepunkt im sonst sehr schlicht angelegten Haushalt der Schwestern, lässt edle Zutaten und Wein aus Frankreich kommen und kreiert ein opulentes Mahl, an dem die gesamte kleine Gemeinde teilnimmt. Doch es gestaltet sich zunächst nicht leicht, die frommen alten Herrschaften zu einem fröhlichen Gelage zu überreden, zumal die Strenge ihres Gründers dies kaum je zugelassen hätte …

Babettes Fest / Babettes gæstebud ist ein nostalgischer Film, der in großer Gelassenheit seine Geschichte erzählt, die sich mit den Werten und Prioritäten eines guten Lebens innerhalb der historischen und geographischen Begebenheiten beschäftigt. Auf Grund der Funktion der Erzählerin ist die Dramaturgie in ihrem Ausschnittscharakter flexibel gestaltet, was es ermöglicht, eventuell filmisch umständliche Verknüpfungen aus der literarischen Vorlage zu vermeiden, den Bildern und der Handlung jedoch ein wenig von ihrer unmittelbare Darstellungskraft raubt. Doch dadurch gewinnt die Inszenierung den Hauch einer märchenhaften Komponente, die der sanft heiteren und auch nachdenklich stimmenden Geschichte durchaus gut steht.

Babettes Fest

Nach der gleichnamigen Novelle von Tania Blixen enstand dieser geruhsame, intensive Film von Gabriel Axel, der bei den Filmfestspielen von Cannes 1987 uraufgeführt und dort mit dem Preis der Ökonomischen Jury ausgezeichnet wurde.
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