Baadasssss!

Baadasssss!

Eine Filmkritik von Renatus Töpke

Die Entstehung des Black Cinema

Mario Van Peebles (Ali, New Jack City) ist ein Narziss. In so ziemlich jedem seiner Filme gibt er den Selbstdarsteller, muss seinen Adoniskörper ins rechte Licht rücken und den Selbstverliebten geben. In Baadasssss! endlich hat er den Mut zur Hässlichkeit gefunden. Nun ja, wenigstens tendenziell. Mit Augenklappe, abgemagert und schwitzig schleppt er sich über die Zielgerade eines Filmprojekts. Es ist beeindruckend, wie der Posse-Regisseur und Hauptdarsteller in Baadasssss! aufgeht und ganz authentisch einen Lebenstraum auf die Leinwand zaubert. Nämlich die Entstehungsgeschichte des ersten echten Black Cinema Films, durch seinen Vater Melvin. Baadasssss! ist (im Stil von zum Beispiel Harry & Sally) mit Interview-Sequenzen unterbrochen, in denen die Darsteller sich an den Kultfilm der 70er erinnern. Und mit gut 100 Minuten ist er noch immer viel zu kurz. Man wünscht sich mehr über die Personen und Hintergründe zu erfahren.
Filmemacher Melvin Van Peebles (Mario Van Peebles) ist auf dem Sprug zum Starregisseur. Seine letzte Komödie war ein Hit und sein findiger Agent (großartig: Saul Rubinek) ist kurz davor, ihm einen Drei-Filme-Deal an Land zu ziehen. Doch Melvin hat andere Pläne. Angeekelt von der Darstellung seiner schwarzen „Brüder“ im Kino, will er einen Film für Schwarze machen: Einen realistischen Film über Rassismus und Gewalt. Doch mit diesem Konzept rennt er keine offene Türen ein. Er tut sich mit Hippie Bill (Rainn Wilson) zusammen, um Geld und Leute aufzutreiben. Doch immer wieder machen ihnen Gewerkschaften, Kredithaie und finstere Gestalten einen Strich durch die Rechnung. Erst als er vorgibt, einen Porno zu drehen und dementsprechend Sexszenen in seine Geschichte einbaut, rollt der Rubel – und die Kamera. Nach monatelanger Arbeit, einer Finanzspritze von Komikerlegende Bill Cosby und kurz vor dem Kollaps, schafft er es Sweet Sweetback’s Baadasssss Song, so der Titel des Films, in ein (!) Kino zu bringen. Die erste Vorstellung ist bis auf ein verirrtes Pärchen leer und der Film droht zu floppen. Bis die Abendvorstellung ansteht…

Sweet Sweetback’s Baadasssss Song wurde zum Phänomen und spielte 15 Millionen Dollar ein. Doch auch hinter den Kulissen von Mario van Peebles Baadasssss! war das Geld knapp. Schließlich sprang Starregisseur Michael Mann (Heat, Miami Vice) ein und produzierte den Independentfilm. Und was soll man sagen, er ist großartig geworden. Mario Van Peebles spielt gut wie nie, der DV-Look ist nur zu Anfang gewöhnungsbedüftig und die Geschichte unterhält von Anfang bis zum tollen Schluss. Es tut einfach nur gut zu sehen, wie entgeistert Melvin ins volle Kino kommt und die Massen sieht, die bei seinem Film johlen und feiern. Bowfingers große Nummer für Schwarze, könnte man fasst sagen. Und auch der funky Soundtrack kann voll und ganz überzeugen. Filmfreunde und Fans des Black Cinemas kommen absolut auf ihre Kosten. Außerdem sollte man sich die limitierte Doppel-DVD sichern, die mit vielen interessanten Infos, Trailern und Interviews aufwartet.

Baadasssss!

Mario Van Peebles (Ali, New Jack City) ist ein Narziss. In so ziemlich jedem seiner Filme gibt er den Selbstdarsteller, muss seinen Adoniskörper ins rechte Licht rücken und den Selbstverliebten geben.
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