Auftauchen

Auftauchen

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Verrückt nach Liebe

Was für ein Beginn: In schnellen, voll auf den Rhythmus der Musik von Anne Clark geschnittenen Bildern, die von den Angaben zur Crew durchbrochen werden, führt Felicitas Korn in ihrem Film Auftauchen in die Szenerie ein, die den Hintergrund der Geschichte bildet. Nadja (Henriette Heinze) heißt die junge Frau, die hier in das Nachtleben eines Clubs eintaucht, die tanzt, flirtet, herumknutscht und die ganz offensichtlich auf der Suche nach einem Abenteuer ist. Später erfahren wir, dass sie Fotografie studiert und für ein Szenemagazin namens SUBS Bilder macht.
Eines Abends lernt Nadja in ihrem Club den um einige Jahre jüngeren Darius (Golo Euler) kennen und verliebt sich in den Zivildienstleistenden. Sie beginnen eine leidenschaftliche Affäre miteinander. Doch Darius ist der jungen Fotografin und der Bedingungslosigkeit, mit der sie sich hingibt, nicht gewachsen. Zu sehr liegen die Vorstellungen und Pläne der beiden auseinander…

Auftauchen ist ein sehr erfrischender und genau beobachteter Debütfilm, der neben der ausgezeichneten Kameraarbeit, dem exzellenten Schnitt und einer ungeheuer treffenden Musikauswahl vor allem von der unglaublichen Präsenz der Hauptdarstellerin Henriette Heinze lebt. Wenn sie ihr Gegenüber anstrahlt, dann wirkt das so natürlich, dass man sich unwillkürlich dabei ertappt, zurücklächeln zu wollen. Und wenn sie traurig ist, kann man dies auch dann nachvollziehen, wenn man Nadjas Leidenschaftlichkeit nicht teilt. Neben dieser Energie und umwerfenden Emotionalität gerät Darius zunehmend zur Nebenfigur, kann er nicht nur als Liebender, sondern auch als Gegenpart zu der ebenso starken wie verletzlichen Nadja nicht mithalten, so dass das Ende der Beziehung nur eine Frage der Zeit ist. Darüber hinaus hat sich Nadja so stark in diese Liebe hineinfallen lassen, dass sie ihren Job verloren hat. Der Grund für diesen Verlust ist der gleiche – auch hier will sie zu viel, ist nicht bereit, Kompromisse und Zugeständnisse zu machen.

Auf den ersten Blick mag Auftauchen ein Erotikdrama sein, einige Szenen jedenfalls sind von einer Freizügigkeit, wie man sie im verklemmten deutschen Kino selten bis nie zu Gesicht bekommt. Doch in Wirklichkeit geht es um viel mehr als um Sensationen oder billigen Voyeurismus. Es geht um das Sich-Verlieren in der Liebe, um die bedingungslose Auf- und Hingabe und darum, was dies mit einem anrichtet. Und nicht zuletzt darum, dass diese Form des Liebens heutzutage offensichtlich nur noch schwer durchzuhalten ist. Zwar handeln unzählige Songs und Filme davon, doch im realen Leben sind die Menschen lieber auf der Hut. Vielleicht ja deshalb, weil sie wissen oder erfahren haben, dass eine Leidenschaft wie diese das Auftauchen unendlich schwierig und oft genug auch sehr schmerzhaft macht. Wie sehr dies wehtun kann, davon gibt dieser zarte, feine und sehr realistische Film eine kleine Ahnung.

Schade, dass man selten so ehrlich und aufrichtig von den Freuden und Schmerzen des Liebens erzählt bekommt. Umso besser, dass dieser Film hier eine große und sehenswerte Ausnahme bildet.

Auftauchen

Was für ein Beginn: In schnellen, voll auf den Rhythmus der Musik von Anne Clark geschnittenen Bildern, die von den Angaben zur Crew durchbrochen werden, führt Felicitas Korn in ihrem Film „Auftauchen“ in die Szenerie ein, die den Hintergrund der Geschichte bildet. Nadja (Henriette Heinze) heißt die junge Frau, die hier in das Nachtleben eines Clubs eintaucht, die tanzt, flirtet, herumknutscht und die ganz offensichtlich auf der Suche nach einem Abenteuer ist.
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