Argo

Argo

Eine Filmkritik von Peter Gutting

Balsam auf die amerikanische Seele

Der amerikanische Geheimdienst CIA hat ja schon viel Spott erdulden müssen. Aber dass die Agenten tatsächlich erwogen haben, während der iranischen Revolution sechs ihrer Landsleute auf Fahrrädern außer Landes zu schmuggeln, hätten wohl die schärfsten Kritiker nicht gedacht. Zum Glück für ihr umstrittenes Image hat die CIA selbst diesen Plan verworfen und stattdessen eine ihrer erfolgreichsten Aktionen gestartet. Die Geschichte aus den Jahren 1979/1980 blieb bis 1997 geheim. Sie bildet den realen Hintergrund für einen packenden Politthriller, den Regisseur Ben Affleck mit gutem Gespür für die rechte Mischung aus Spannung und humorvollen Zwischentönen gedreht hat.
Die Handlung beginnt auf dem Höhepunkt der iranischen Revolution im November 1979. Eine wütende Menge stürmt die amerikanische Botschaft in Teheran, nimmt mehr als 60 Geiseln und fordert die Auslieferung des Schahs, der in die USA geflohen ist. Sämtliche Botschaftsangehörige gehen in der Hand der militanten Studentengruppe durch ein Martyrium. Das glaubt zumindest die Weltöffentlichkeit. Aber sechs Diplomaten gelingt mitten im Tumult die Flucht. Sie sitzen nun im Haus des kanadischen Botschafters und können jeden Moment auffliegen. Denn es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich die Iraner einen Überblick über die tatsächliche Zahl der Diplomaten verschafft haben. Für die sechs Untergetauchten gibt es leider keine guten, sondern nur schlechte und weniger schlechte Optionen. Die eingangs erwähnte, mit dem Fahrrad über 500 Kilometer und schneebedeckte Berge, wäre wohl die allerübelste. Aber auch die Idee von CIA-Agent Tony Mendez (von Regisseur Ben Affleck selbst gespielt), das Sextett als kanadisches Filmteam auszugeben, klingt recht abenteuerlich. Für Nervenkitzel ist also gesorgt, auf der Leinwand wie im Zuschauersessel.

Klar, die Heldenstory ist Balsam auf die amerikanische Seele. Kaum verwunderlich, dass sich Argo drei Wochen nach dem Start an die Spitze der US-Kinocharts gesetzt hat. Umso bemerkenswerter mag es erscheinen, dass Schauspieler und Thriller-Spezialist Ben Affleck in seiner dritten Regiearbeit (nach Gone Baby Gone - Kein Kinderspiel und The Town) dem "Erzfeind" Iran eine gewisse Gerechtigkeit widerfahren lässt. So wird eingangs ausdrücklich hervorgehoben, dass die CIA mitgeholfen hat, 1953 den demokratisch gewählten Premier Mossadegh zu stürzen – durchaus eine nachvollziehbare Ursache für den daraus folgenden Antiamerikanismus. Und auch die Foltermethoden von Schah Reza Pahlavi bleiben nicht unerwähnt.

Insgesamt konzentrieren sich Affleck und sein Drehbuchautor Chris Terrio aber weniger auf die politischen Hintergründe und mehr auf die eigentlich unglaubliche Geschichte. Dabei setzen sie in fulminanten Parallelmontagen nicht auf bloßes Actionspektakel. Sondern nehmen sich ausreichend Zeit, um die fatale Lage der Geflohenen und die daraus resultierenden zwischenmenschlichen Spannungen zu beleuchten. Und sie gönnen sich ein paar ironische Seitenhiebe auf das Hollywoodgeschäft der späten 1970er Jahre, mit all seinem Monster- und Sci-Fi-Trash.

Natürlich muss man es bei einem US-Kassenschlager ertragen, dass sich zumindest gegen Ende die hehren amerikanischen Werte zu süßen Geigenklängen in den Vordergrund drängen. Doch über weite Strecken schlägt Argo eine sympathisch abgeklärte, wunderbar trockene Tonart an. Dass die CIA dabei richtig gut wegkommt, hat mehr mit der wirklichen Begebenheit zu tun. Und weniger mit der filmischen Umsetzung.

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Der amerikanische Geheimdienst CIA hat ja schon viel Spott erdulden müssen. Aber dass die Agenten tatsächlich erwogen haben, während der iranischen Revolution sechs ihrer Landsleute auf Fahrrädern außer Landes zu schmuggeln, hätten wohl die schärfsten Kritiker nicht gedacht. Zum Glück für ihr umstrittenes Image hat die CIA selbst diesen Plan verworfen und stattdessen eine ihrer erfolgreichsten Aktionen gestartet. Die Geschichte aus den Jahren 1979/1980 blieb bis 1997 geheim.
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Argo von Ben Affleck
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Andreas Krause · 08.11.2012

Ich freue mich auf den Film!

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Titel
Argo
Balsam auf die amerikanische Seele
Startdatum
FSK
12
Regie
Genre

Daten und Fakten

Produktionsland
Filmlänge
120 Min
Filmverleih
DVD
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TV

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