April und die außergewöhnliche Welt

April und die außergewöhnliche Welt

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Perfekte Comic-Umsetzung

Der bemerkenswerte Zeichentrickfilm April und die außergewöhnliche Welt basiert auf der gleichnamigen Graphic Novel von Jacques Tardi, der auch als Designer an diesem Projekt beteiligt war. Der inhaltlichen Schönheit folgt auch die technische Umsetzung, die an die klassischen Zeichentrickfilme erinnert und in Zeiten der Computer-Animation schon fast anachronistisch anmutet, gerade für einen Stoff wie diesen aber perfekt geeignet ist.
Das Ende des 19. Jahrhunderts ist von einem Versagen der Wissenschaft geprägt. Experimente schlagen fehl, der technologische Fortschritt kommt zum Halt, veraltete Technologien dominieren auch weiterhin und Wissenschaftler verschwinden. In den 1930er Jahren bekommt das auch die kleine April zu spüren, deren Eltern, ein Wissenschaftler-Paar, spurlos verschwinden. Jahre später ist sie erwachsen und sucht mit Hilfe ihres Großvaters, ihres sprechenden Katers Darwin und dem Gauner Julius nach ihren Eltern, da sie deren Werk vollenden will.

Die Brillanz von April und die außergewöhnliche Welt liegt darin, ein Universum zu erschaffen, das für alle Altersgruppen funktioniert. Mit seiner alternativen Realität wirft der Film interessante gesellschaftliche Fragen auf, denen er sich auch adäquat widmet, während das Mysterium um die verschwundenen Eltern mit hohem Spannungspotenzial versehen ist. Und auch der Humor kommt nicht zu kurz. Der sprechende Kater Darwin mag wie ein Fremdkörper erscheinen, wenn er die Situationen, in denen April und er sich wiederfinden, kommentiert, aber einerseits ist das Design so süß, andererseits ist er so komisch, dass man nicht umhinkann, als ihn als homogenen Teil der Erzählung zu akzeptieren.

Der Film verhält sich zum typischen Zeichentrick wie der französische Comic zu amerikanischen Bilder-Geschichten. Er ist eleganter, aufregender, erwachsener, letzten Endes auch mutiger und damit eher der Tradition eines Hayao Miyazaki als eines Walt Disney verpflichtet. Nicht nur das Was-wäre-wenn-Szenario, sondern auch die ausgereiften Figuren und die komplexe Erzählweise erinnern an traditionelles Erzählkino. Darüber hinaus erlaubt man sich aber auch beeindruckende Freiheiten: So wird Musik nur dann angespielt, wenn sie auch in der Handlung des Films zu hören ist. Das ist eine großartige Idee, die der Geschichte etwas sehr Einzigartiges verleiht.

April und die außergewöhnliche Welt mag Gefahr laufen, inmitten all der Animations-Blockbuster unterzugehen, auch und gerade, weil man Tardis Stil filmisch umsetzt und dabei ein mitunter statisches Gefühl heraufbeschwört, wenn die flächig gestalteten Zeichnungen sich auf der Leinwand ausbreiten. Insbesondere da der Kontrast zwischen den cartoonhaft gestalteten Figuren und den detailverliebten Schauplätzen auch recht stark ist. Alles in allem frönt der Film dem klassischen Zeichentrick, zeigt dabei aber auch auf, wie herrlich zeitlos die Kunst des handgemalten Animationsfilms ist.

April und die außergewöhnliche Welt

Der bemerkenswerte Zeichentrickfilm "April und die außergewöhnliche Welt" basiert auf der gleichnamigen Graphic Novel von Jacques Tardi, der auch als Designer an diesem Projekt beteiligt war. Der inhaltlichen Schönheit folgt auch die technische Umsetzung, die an die klassischen Zeichentrickfilme erinnert und in Zeiten der Computer-Animation schon fast anachronistisch anmutet, gerade für einen Stoff wie diesen aber perfekt geeignet ist.
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