Apart Together

Apart Together

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Alte Liebe rostet nicht

Als im Jahre 1949 China und Taiwan in Folge des Bürgerkrieges auseinander brachen, mussten die Soldaten der Volkspartei Kuomintang vor den siegreichen kommunistischen Truppen nach Taiwan fliehen. Durch dieses Ereignis wurden Familien auseinander gerissen, zum Teil konnten sie Angehörige und Verwandte Jahrzehnte lang nicht sehen. Bis sich eines Tages die beiden Regierungen wieder so weit annäherten, dass zumindest Besuche in der alten Heimat wieder möglich waren. Die Geschichte eines solchen Besuches erzählt Wang Quan'an in seinem Film Tuan Yuan (Apart Together). Es ist eine Wiedervereinigung voller Absurdität und stiller Tragik, die zunächst von einem Brief angekündigt wird. In ihm teilt der alte Soldat Liu Yansheng (Ling Feng) mit, dass er für einen Besuch zurückkehren wird in seine alte Heimat Shanghai, die er vor vielen Jahren auf der Flucht vor den kommunistischen Truppen verlassen musste.
Doch es ist weniger die Sentimentalität, die ihn nach China treibt als vielmehr, dass er dort vor vielen Jahren seine junge, schwangere Gattin Qiao Yu'e (Lisa Lu) zurücklassen musste – die Liebe seines Lebens. Und tatsächlich, auch bei ihr sind die Gefühle für den Fremden, der ihr plötzlich gegenübersteht, nicht erloschen- sehr zum Missfallen ihrer Kinder. Erstaunlich wenig hingegen gegen die alte Liebe hat Yu'es neuer Ehemann Lu Shenmin (Xu Caigen), der durch den Gast sogar zu neuem Lebensmut gelangt. Er willigt gar in die Scheidung ein, die allerdings gar nicht so einfach ist, weil die zur Trennung notwendige Heiratsurkunde fehlt. Und ohne die, so funktioniert auch in China der Amtsschimmel, keine Scheidungspapiere. Am Ende aber kommt doch alles anders, und das getrennte und wiedervereinte Paar muss sich ein zweites Mal voneinander lösen.

Mit viel Gespür für Situationskomik und die Absurditäten des Lebens hat Wang Quan'an (Tuyas Hochzeit) einen ebenso heiteren wie melancholischen Film gedreht, bei dem viel gegessen, getrunken und gesungen wird. Allerdings geht es an manchen Stellen recht schnell, werden Gefühle und Wendungen so beiläufig und ohne vorher sichtbare Anzeichen platziert, dass darunter doch manchmal die Glaubwürdigkeit des Konstruktes leidet. Schön hingegen sind die vielen kleinen Einschübe, die zeigen, wie sehr sich China in den letzten Jahren verändert hat, wie wichtig plötzlich Geld und wirtschaftliches Wachstum geworden sind. Vielleicht ist dies ja genau der Punkt, warum uns die Geschichte der beiden Liebenden trotz mancher Schwächen am Ende doch ein wenig berührt: Weil die Liebe, selbst die alte, ein wirksames Gegengift ist gegen den rasanten Wandel und die Durchökonomisierung aller Lebensbereiche, die anscheinend auch in China deutlich zu spüren ist.

Apart Together

Als im Jahre 1949 China und Taiwan in Folge des Bürgerkrieges auseinander brachen, mussten die Soldaten der Volkspartei Kuomintang vor den siegreichen kommunistischen Truppen nach Taiwan fliehen. Durch dieses Ereignis wurden Familien auseinander gerissen, zum Teil konnten sie Angehörige und Verwandte Jahrzehnte lang nicht sehen.
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