Antiviral (2012)

Antiviral (2012)

Eine Filmkritik von Patrick Wellinski

Wie der Vater, so der Sohn?

Wie der Vater, so der Sohn. Das könnte das verknappte Fazit des Regiedebüts von Brandon Cronenberg sein. Eine Verknappung, die natürlich viel zu kurz greift und damit das durchaus komplexe und interessante Erstlingswerk in ein ungerechtes Licht rückt. Und selbst wenn Brandon seinen Vater David in seiner düster-paranoiden Vision einer dystopischen Welt hier und da kopiert, so beweist er stets, dass er ein Regisseur aus eigenem Recht ist.

Antiviral spielt in einer nicht allzu fern angesiedelten Zukunft in der sich Fans die Viren ihrer großen Vorbilder injizieren lassen können, um so ihrem Star viel näher zu sein. So kann man als Fan einer Schauspielerin gleich auch ihre Krankheiten am eigenen Leib erfahren. In dieser Welt gibt es auch Bistros und Imbisse, die aus den Genen der Promis Fleisch züchten und zum Verzehr verkaufen. Ein etwas anderes Promi-Dinner, das dennoch reißenden Absatz findet.

Syd March (Caleb Landry Jones) ist ein Verkäufer der Lucas-Virenklinik, die mit vielen Stars und Promis Exklusivverträge hat und große Fanscharen mit deren Viren und Krankheiten versorgt. Doch auch Syd ist vor den Verlockungen des pervertierten Starkults nicht gefeit und spritzt sich selbst Viren des größten Lucas-Stars: Hannah Geist. Als Hannah an einer Krankheit stirbt, ist Syd der einzige, der den Todesvirus in sich trägt, womit er zwischen alle Fronten gerät.

Und damit gibt Cronenberg Junior in Antiviral die Bühne frei für eine wohlkomponierte und effektiv inszenierte Body-Horror-Geschichte, die seinen Vater sicherlich über alle Maßen stolz macht. Spritzen werden in Körper gejagt, Maschinen an Menschen angeschlossen und das Blut ergießt sich sehr impressionistisch über die vorwiegend klinisch weiße Umgebung. In Teilen erinnert der Film damit tatsächlich an David Cronenbergs frühe B-Movie-Fantasien wie zum Beispiel Shivers oder auch Rabid. Doch im Gegensatz zum kantigen und überbordenden Experiment der frühen Arbeiten seines Vaters, setzt Brandon Cronenberg auf Sorgfalt, Ruhe und strikte Bildkomposition.

Es ist also keinesfalls so, dass Brandon Cronenberg seinen Vater kopiert. Der Regiedebütant übernimmt lediglich einige Manierismen des frühen Cronenberg Senior und fügt sie, einem monotonen Technotrack gleich, in seine übersichtlichen Tableaus. Allerdings ist da etwas an Antiviral, das auch jenseits des Stils überzeugt. Der Reiz, den der Film versprüht, schleicht sich durch die Hintertür. Das klinisch desinfizierte Weiß in dem die Innenräume und auch die Kleider der Figuren gehalten sind, verbannt jedwede Individualität und Persönlichkeit. Alles in Antiviral ist Projektionsfläche, sowohl für das vom Plot getriebene Personal, als auch für den Zuschauer. Und damit ergeben sich hier und da Korrespondenzen und Verweise, die Antiviral immer wieder - auch mit aktuellen Debatten von Genforschung bis hin zum Leid(ens)thema Urheberrecht - aufladen.

Antiviral hat das Zeug, ein neuer Kulthorror zu werden. Doch Vorsicht: Auch das könnte reines Wunschdenken sein, reine Projektion, die der Film - so klug ist er dann doch - erstaunlicherweise als Irrglauben überführt.
 

Antiviral (2012)

Wie der Vater, so der Sohn. Das könnte das verknappte Fazit des Regiedebüts von Brandon Cronenberg sein. Eine Verknappung, die natürlich viel zu kurz greift und damit das durchaus komplexe und interessante Erstlingswerk in ein ungerechtes Licht rückt. Und selbst wenn Brandon seinen Vater David in seiner düster-paranoiden Vision einer dystopischen Welt hier und da kopiert, so beweist er stets, dass er ein Regisseur aus eigenem Recht ist.

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