Animals (2019)

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Beste Freundinnen, die das Beste aus dem Leben machen: Nichts tun, philosophieren, rebellieren, und abends Party. Eine Beziehung, die nichts weiter braucht… Bis ein Mann auftaucht und das Gleichgewicht stört.

Animals (2019)

Eine Filmkritik von Harald Mühlbeyer

Partytiere

Laura und Tyler sind beste Freundinnen; sie teilen sich nicht nur die Wohnung und das Bett – in körperlicher, nicht direkt sexueller Nähe –, sondern auch ihre Werte: Erstens die feministische Unabhängigkeit, zweitens Party. Dass sie unterschiedlicher Herkunft sind, mit unterschiedlichen Kindheits- und Familienerfahrungen, hilft beim Herstellen der richtigen Chemie zwischen den beiden: Ihre Temperamente sind unterschiedlich genug, um die Freundschaft interessant zu halten.

Tyler ist sarkastisch bis zynisch und weiß zu jedem Thema aus dem Stegreif eine druckreif-witzige Schimpfrede zu halten: von der Ehe als Übergabe der Frau von einem Tyrannen zum anderen über die Vorort-Ruhe, die von Immobilienmaklern als friedlich verkauft wird, tatsächlich aber nur den herannahenden Tod bedeutet, bis zu Kurzbetrachtungen über Kunst und Inspiration. Letztere sind an Laura gerichtet, die ihre Gedanken lieber ins Notizbuch schreibt, weil sie an einem Roman arbeitet, seit vielen Jahren schon. Worüber der Roman ist? Schon über zehn Seiten, beinahe.

Die beiden leben ihren Lifestyle zwischen hemmungslosem Hedonismus und politischer Rebellion, zwischen liebevoller Freundschaft und abendlichem Fallenlassen, und dann passiert, was passieren muss: Ein Mann kommt herbei und stört das Gleichgewicht. „Die Schuhe eines Bestatters, das Lächeln eines Despoten“, erkennt Tyler sogleich, doch Laura ist verliebt in den Pianisten Jim. Und die Dynamik der beiden geht flöten. Es ist eine einfache, schon oft erzählte Geschichte vom Zerfall einer Freundschaft beim Aufkommen der Liebe, doch Sophie Hyde und ihre Drehbuchautorin Emma Jane Unsworth – die ihren eigenen Roman adaptiert – wissen die alte Geschichte aufzupeppen, bis ein sehr kluger, witziger, frischer Film herauskommt.

Denn Laura und Tyler haben’s einfach in sich die Welt um sich herum aufzumischen. Dass dahinter auch die Angst vor der Einsamkeit und wohl auch vor der Chronologie des Lebens steckt, ist angedeutet, erfreulicherweise aber nicht ausgespielt: Bewegung ist alles, Stillstand ist Langeweile, und wenn Laura eine monogame Beziehung eingeht, sich gar verlobt und so gut wie eingezogen ist in Jims Apartment, dann geht mehr verloren als ihr Anteil an der Miete für Tylers Wohnung. Und Laura, die den Mittelpunkt des Films darstellt, muss sich nicht mehr nur vor der Familie für ihre Schreibblockade rechtfertigen, sondern kann vielleicht gar gleichziehen mit der schwangeren Schwester; muss zwar auf der einen Seite die Sticheleien Tylers ertragen, die sie zum alten Leben verführen will, hat aber andererseits einen überaus freundlichen Geliebten. Was eine Weile gut geht, die Seiten auf dem Laptop aber auch nicht füllt. Und als sie einen charismatischen Poeten kennenlernt, steht der Seitensprung im Raum. Beziehungsweise liegt alsbald auf dem Sofa, mit heruntergelassenen Hosen. Und nur die unbeholfen pseudoerotischen Versuche, Koks nicht durch die Nase, sondern durch andere, tiefer gelegene Körperöffnungen einzuführen, lassen den Betrug unvollzogen…

Immer wieder gelangt der Film von klugen Statements zu urkomischen Situationen, in denen die Souveränität der Figuren flöten geht, in denen Peinlichkeit triumphiert und der gesuchte Rausch der Nüchternheit weicht. Mitunter wird es etwas symbolisch: Die Einblendung einer Spinne, die ihr Netz spinnt, oder ein Fuchs in den Straßen sind eher oberflächliche Brücken zum Filmtitel. Doch insbesondere die schnellen, schlauen Dialoge, die klare gesellschaftliche Haltung des Films wie der Figuren sind wundervoll; so wie Lauras Definition von Liebe: Maximaler Kontakt bei maximaler Freiheit. Was freilich auch eine Tamponwerbung sein könnte.

Animals (2019)

Die beiden langjährigen Freundinnen und Party-Queens Laura und Tyler driften durch ihr Liebes- und Nachtleben in Dublin und verlieren sich in dem wilden Treiben, als Laura sich verlobt.

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