An American Crime

An American Crime

Eine Filmkritik von Renatus Töpke

Wegschauen ist die Devise

Ein schreckliches Verbrechen liegt diesem harten Stück Zelluloid zu Grunde. Regisseur und Co-Autor Tommy O'Haver gelingt das Kunststück nicht zu voyeuristisch zu sein und das Grauen und Entsetzen dem Vorstellungsvermögen des Zuschauers zu überlassen. Gerade aktuelle Fälle von Kindesmisshandlung in Deutschland, Österreich und der Schweiz geben An American Crime zusätzliche Durchschlagskraft, belegen sie doch, dass das gezeigte Grauen nicht so weit weg ist, wie man zu hoffen wagt.
Illinois, 1965: Die 16jährige Sylvia (eine grandiose Ellen Page, Juno) und ihre Schwester Jennifer (Hayley McFarland) reisen mit ihren Eltern von Jahrmarkt zu Jahrmarkt. Um flexibler zu sein und etwas mehr Zeit für sich zu haben, werden die zwei Mädchen zu Gertrude (Cathrine Keener) gegeben, die die beiden für 20 Dollar die Woche mit durchfüttert. Die alleinerziehende Mutter von sieben Kindern macht auch zunächst einen liebevollen und bemühten Eindruck, doch schon als der erste Scheck der Eltern ein paar Tage auf sich warten lässt, setzt es Prügel und Demütigungen. Es dauert nicht lange und durch Gerüchte, falsche Scham und Missverständnisse wird hilfloser Hass. Gertrude sperrt die gar nicht mal vorlaute, sondern nur ehrliche Sylvia in den Keller, redet sich in einen Wahn, in dem sie die Herrscherin über ihr kleines Reich ist. Erst sind es noch die Gertrudes Kinder, die Sylvia mit glimmenden Zigaretten, Tritten und Demütigungen quälen – sie scheinen es gar nicht besser zu wissen, tun es einfach. Dann kommen auch die Kinder aus der Nachbarschaft und Klassenkameraden hinzu und machen das Leben des hilflosen Mädchens buchstäblich zur Hölle. Und die Nachbarn, die Sylvias Schreie hören, sehen einfach weg. "Das geht uns nichts an", ist der traurige Tenor.

An American Crime ist harter Stoff. Nur langsam schleicht sich das Grauen in die vermeintliche Idylle einer Großfamilie. Bis der überforderten und ketterauchenden Mutter die Zügel aus der Hand genommen werden und das Leid im Keller zum Selbstläufer wird. Phantastische Darsteller bis in die letzten Reihen, der nicht annährend reißerische sondern nüchterne Erzählstil und die subtile Kamera lassen den Zuschauer fassungslos zurück. Sicherlich keine leichte Unterhaltung und an manchen Ecken und Enden nicht konsequent zu Ende gezeigt, aber ein wichtiger Film, der zum Nachdenken anregt.

An American Crime

Ein schreckliches Verbrechen liegt diesem harten Stück Zelluloid zu Grunde. Regisseur und Co-Autor Tommy O'Haver gelingt das Kunststück nicht zu voyeuristisch zu sein und das Grauen und Entsetzen dem Vorstellungsvermögen des Zuschauers zu überlassen.
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