Am Tag, als der Regen kam

Am Tag, als der Regen kam

Eine Filmkritik von Martin Beck

"...eine anspruchsvoll aufgemachte Dutzendgeschichte"

Das oben stehende Zitat stammt aus dem film-dienst, aus der 1959 erschienenen Besprechung zu Am Tag als der Regen kam. Normalerweise sind solche betagten Kritiken ja Anlass für nostalgisch geprägte Heiterkeit, doch hier passt die Aussage immer noch: auf den ersten Blick ein typisches Kriminal-/ Jugenddrama, mit grundlosen Rebellen, markanten Sprüchen und fatalen Ausstiegsgedanken, und auf den zweiten Blick dann erstaunlich subtil, erstaunlich präzise und erstaunlich gut besetzt.
An erster Stelle ist hier Mario Adorf zu nennen, der den Bandenchef Werner spielt und natürlich eine zwingende Persönlichkeit verkörpert, die aber auch den versoffenen Vater (Gert Fröbe) durchfüttert, einen rustikalen Kleidungsstil pflegt und clever genug ist, nicht immer den gleichen Coup durchzuziehen. Regisseur Gerd Oswald hält sich mehr zurück als man erwarten darf und verzichtet weitgehend auf eindeutige Wertungen. Es geht ihm zunächst um die Jugend der Nachkriegszeit, und erst in zweiter Linie um die Eckpunkte des Genres.

Am Tag, als der Regen kam ist filmisches Zeitkolorit, das vor der Avus, dem zerschossenen Reichstag und dem alten Brandenburger Tor die Träume und Wünsche der Wirtschaftswunder-Sprösslinge zeigt. Den Gegensatz zu Werner bilden Robert (Christian Wolff) und seine Freundin Inge (Corny Collins), die beide eigentlich zu brav für die Gang sind und lieber ein bürgerliches Leben führen wollen. Auch sie sind im Grunde genommen Klischees, die aber nie in erwartungsgemäße Muster hineingedrängt werden, sondern auf dezente Art greifbar und sympathisch bleiben.

Gerd Oswald möchte nicht manipulieren, sondern eher beschreiben, der inhaltliche Verlauf, der natürlich auf den letzten großen Bruch hinausläuft, ist vor allem ein Rahmen, weniger eine Autobahn. Die passende Unterstützung dafür liefert die exzellent aufspielende Schauspielertruppe, zu der auch noch Elke Sommer und Claus Wilcke gehören, und die angenehm stringente Inszenierung, die gezielt auf den Punkt kommt und ein ausgesucht hübsches Faible für harte Schwarz-/Weiß-Kontraste besitzt. Nicht nur bezogen auf Deutschland gilt, dass das hier einer der besten Vertreter seines Genres ist.

Und dabei wurde noch nicht einmal DAS Titellied in die Waagschale geworfen, der "Welthit" von Dalida, der gerne Schmalz absondert, aber am Ende trotzdem hängenbleibt und das Geschehen auf erstaunlich passende bis feinfühlige Weise unterstreicht. Am Tag, als der Regen kam ist trivial und anspruchsvoll, Dutzendgeschichte und scharf gezeichnete Nostalgie. Es ist (mal wieder) sehr seltsam, dass dieser Film kaum im Fernsehen läuft und erst jetzt auf DVD herauskommt – wobei immerhin die Präsentation, wie von Pidax zu erwarten, ansprechende Qualität bietet. Extras gibt es, den Reprint der entsprechenden Ausgabe der Illustrierten Film-Bühne einmal ausgenommen, leider keine.

Am Tag, als der Regen kam

Das oben stehende Zitat stammt aus dem film-dienst, aus der 1959 erschienenen Besprechung zu "Am Tag als der Regen kam". Normalerweise sind solche betagten Kritiken ja Anlass für nostalgisch geprägte Heiterkeit, doch hier passt die Aussage immer noch: auf den ersten Blick ein typisches Kriminal-/ Jugenddrama, mit grundlosen Rebellen, markanten Sprüchen und fatalen Ausstiegsgedanken, und auf den zweiten Blick dann erstaunlich subtil, erstaunlich präzise und erstaunlich gut besetzt.
  • Trailer
  • Bilder

Kommentare

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Weitere Filme von

Gerd Oswald