Alpha 3D (2018)

Log Line

Ein Junge auf dem Weg, ein Mann zu werden, begleitet von seinem Hund. "Alpha" will die Geschichte von Mensch und Hund in ihren Anfängen erzählen – und gibt sich dabei ganz einer steinzeitlichen Weltvorstellung hin.

Alpha 3D (2018)

Eine Filmkritik von Lars Dolkemeyer

Von echten Männern und zahmen Wölfen in warmen Bildern

Mit seinem Steinzeit-Hundefilm "Alpha" möchte Regisseur Albert Hughes die älteste Geschichte der Welt erzählen: Es ist die Geschichte eines Jungen, der zum Mann gemacht werden soll, der seinen Weg als Jäger finden und in die Fußstapfen seines Vaters treten muss. Sein einziger Begleiter ist dabei sein zum treuen Hund gezähmter Wolf, mit dem er sich im Kampf gegen die Wildnis durchschlägt. – In jeder Hinsicht ist "Alpha" dabei aber als Film mindestens so steinzeitlich wie sein Setting.

Keda (Kodi Smit-McPhee) folgt seinem Vater Tau (Jóhannes Haukur Jóhannesson) und dessen Gefolge auf die Jagd. Als die Männer eine Herde Bisons von einer Klippe treiben, stürzt jedoch auch Keda ab. Totgeglaubt wird er von den Männer zurückgelassen – doch überlebt der Junge wie durch ein Wunder. Als er sich allein auf den beschwerlichen Weg zurück zu seiner Familie macht, wird er von einem Wolfsrudel angefallen. Er kann sich jedoch verteidigen und eine Wölfin aus dem Rudel verletzen. Es beginnt eine Freundschaft zwischen dem Tier und dem Jungen, die sich gegenseitig beschützen und pflegen, um sich gegen Wetter und Feinde auf der Suche nach Kedas Heimat zur Wehr zu setzen.

Alpha lässt in erster Linie ratlos und verwirrt zurück: Nicht, dass es momentan kein eigenartiges Revival des Hundefilms gäbe, und nicht, dass ich nicht persönlich der größte Fan von Hundefilmen wäre – selbst ein Hundefilm in der Steinzeit mag eine annehmbare Idee sein, auch wenn er mit an Selbstparodie grenzender Ernsthaftigkeit Morgan Freeman ein Intro über die Anfänge der Beziehung von Hund und Mensch und über das Leben an sich sprechen lässt. Jedes Verständnis, jede noch so kleine Begeisterung, die sich für dieses bestenfalls mäßige Setting aufbringen lässt, vergeht jedoch während der schleppenden 96 Minuten von Alpha. Was – so möchte man schreien – zur Hölle soll das alles?

Hinweise darauf gibt es im geringsten Teil des Films, der sich leicht übersehen ließe: Bei den weiblichen Rol… – Verzeihung: der einzigen weiblichen Rolle. Die Mutter von Keda, für ziemlich genau zwei Seufzer und einen Satz im Film, gibt nämlich eine Ahnung davon, worum es Alpha gehen könnte. Zunächst: Männer. Und: Jungs, die Männer werden müssen. Aber auch: um ein bisschen Herz, das man als Mann (ausnahmsweise!) haben darf. Denn, so Kedas Mutter: Der Junge jagt nicht mit dem Speer, sondern mit dem Herzen. Für den Film wird dies zu einer Art Leitmotiv für das Heranwachsen des jungen Jägers. Schließlich präsentiert Alpha, dass selbst der Jäger mit dem Speer in der Hand ein wenig Herz haben darf und muss, um bestehen und eine Wölfin zähmen zu können – dass er bei allem Herzen aber lieber auch den Mut aufbringen sollte, ordentlich mit dem Speer auf seine Beute loszugehen, um überleben zu können.

Die älteste Geschichte der Welt, so möchte Alpha weismachen, birgt damit auch eine quasi universelle Wahrheit über das Verhältnis des Menschen zu seinem besten Freund, vor allem aber darüber, was es heißt, ein echter Kerl zu sein. Wären alleine die Erzählung und ihre uralten Vorstellungen von der Welt noch nicht unerträglich genug, präsentiert Alpha dies in einer Ästhetik, die versucht, die seinerzeit schon misslungene Ästhetik von 300 (Zack Snyder, 2006) zu kopieren. Damit produziert er häufig Einstellungen, die eher an kitschige Fototapeten erinnern: Schwarze Silhouetten von Hund und Mensch vor leuchtend-warmen, farbig strahlenden Sonnen-, Sternen- oder Wolken-Hintergründen bleiben der einzige ästhetische Einfall des Films.

Erwägt man noch, dass PETA zu einem Boykott aufruft, da während des Drehs fünf Bisons als Requisiten geschlachtet wurden, und auch der Credit, dass keine Tiere während der Dreharbeiten zu Schaden gekommen seien, für Alpha verwehrt blieb, so reiht sich dies nur in die Kette von Gründen, einen Bogen um den Film zu machen. Eine langweilige Erzählung präsentiert uralte Stereotype in einem Film, für den Tiere sinnlos sterben mussten. Mehr gibt es nicht zu sagen.

Alpha 3D (2018)

Vor 20.000 Jahren, während der letzten Eiszeit: Die erste Jagd mit der Elite seines Stammes nimmt für einen jungen Mann (Kodi Smit-McPhee) ein entsetzliches Ende: Er wird schwer verletzt und inmitten der dramatischen Ereignisse von seinen Männern zum Sterben zurückgelassen. Als der Verstoßene verwundet und allein wieder zu Bewusstsein kommt, muss er sich augenblicklich der rauen, erbarmungslosen Wildnis stellen, um auch nur die geringste Chance des Überlebens zu haben. Auf seinem Weg begegnet er einem einsamen Wolf, den er unter größtem Widerstand versucht zu zähmen. Langsam nähert sich das ungleiche Paar an und fasst Vertrauen, bis sie sich schließlich gemeinsam den Gefahren und Herausforderungen der skrupellosen Natur stellen – denn der tödliche Wintereinbruch naht…

  • Trailer
  • Bilder
Meinungen
Oliver · 08.09.2018

Also, erst “ein Hundefilm in der Steinzeit [...] eine annehmbare Idee“, und im nächsten Satz ist es ein “bestenfalls mäßiges Setting“; der Film bekommt nur einen Stern, weil nur eine Frau mitspielt (wie bei The Revenant...) und weil Bisons zu Tode kamen. Und er wie 300 aussieht (was in diesem Fall schlecht ist, weil 300 auch nur Kerle gezeigt hat?). Nebenbei: Ich bin auch kein Fan von 300, aber wenn man Stil und Story zu trennen vermag, muss man ihm für Ersteres schon ein bisschen Anerkennung lassen.

Irgendwas sagt mir, dass hier nicht der Film rezensiert wird...

Kommentare

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Weitere Filme von

Albert Hughes