Against All Enemies (2019)

Log Line

Die tragische Lebensgeschichte der Schauspielikone Jean Seberg hat weitreichende Bekanntheit erlangt, auch wenn bis heute nicht alle Umstände ihres Untergangs geklärt sind. Benedict Andrews hat sich mit Kristen Stewart in der Hauptrolle mit „Against all Enemies“ an ein Biopic gewagt, das mehr ist als ein einfaches Porträt.

Against All Enemies (2019)

Eine Filmkritik von Beatrice Behn

Unter Kontrolle

Jeder kennt sie, die junge, blonde Frau mit dem kecken Kurzhaarschnitt, die Jean-Luc Godards „Außer Atem“ erst zu dem wirkungsmächtigen Werk machte, das die Nouvelle Vague endgültig begründete. Jean Seberg war das Gesicht dieser neuen Generation, ihre Schönheit und Natürlichkeit war, was man an ihr liebte und verehrte. Doch Seberg wollte und konnte viel mehr sein, als nur schön. Sie war politisch engagiert, eigensinnig und vor allem interessiert an sozialer Gerechtigkeit. Und genau dafür wurde sie bestraft.

Benedict Andrews Against all Enemies nähert sich den bis heute nicht ganz aufgeklärten Umständen von Jean Sebergs Untergang an und bekommt dafür die beste Unterstützung von einer Frau, die in Sachen Eigensinn der Seberg in Nichts nachsteht: Kristen Stewart. Eine bessere Schauspielerin für diese Rolle hätte man nicht finden können, wahrlich Stewart gibt hier eine solch gekonnte Leistung ab, dass sie und Seberg verschmelzen in einer Geschichte, die so verrückt und furchtbar ist, dass man sie gar nicht wahrhaben mag.

Zu Beginn der semi-biografischen Geschichte ist Jean (Kristen Stewart) schon ein Star, aber gezeichnet von den Misshandlungen der Branche und ihrer mächtigen Männer. Ihr Körper ist verbrannt, dank Otto Preminger, der sie in Die Heilige Johanna (1957) als gerade einmal 18-Jährige malträtierte und sie bei der Szene, in der Johanna auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, tatsächlich in Flammen aufgehen ließ. Ihr Vertrag mit Preminger sollte danach noch sieben Jahre weiterlaufen und sie traumatisiert zurücklassen. Nun ist Jean in Los Angeles, um dort, weit weg von ihrem eigentlichen Leben in Paris ein paar Filme zu drehen. Im Flieger dahin lernt sie den Aktivisten und engen Vertrauten von Malcolm X, Hakim Jamal (Anthony Mackie), kennen. Die beiden beginnen eine Affäre und Seberg beginnt Jamals Initiativen und schließlich auch die Black Panther finanziell zu unterstützen. Damit gerät sie allerdings ins Kreuzfeuer einer FBI-Sondereinheit unter J. Edgar Hoover namens COINTELPRO, die Jamal und die Panthers seit einer ganzen Weile schon konstant beobachten. Ihre Aufgabe ist es, die Bürgerrechtsbewegungen systematisch zu zerstören und das mit allen Mitteln.

Against all Enemies erlaubt sich zwei Sichten auf Seberg: ihre eigene und die eines jungen FBI-Agenten, Jack Solomon (Jack O’Connell), der auf sie angesetzt wird. Zusammen mit seinem aggressiven, rassistischen Partner Kowalski (Vince Vaughn) beobachten sie aber nicht nur Sebergs Aktivitäten auf Schritt und Tritt, sondern greifen aktiv ein, um ihren Ruf und ihre Karriere zu ruinieren und sie damit auszuschalten. So machen sie Jeans Affäre publik und beenden damit ihre Ehe mit dem Drehbuchautoren Romain Gary. Als das nicht reicht und Jean von einer anderen Affäre schwanger wird, streuen sie das Gerücht, es würde sich um Jamals Kind handeln. Der darauf folgende Wahnsinn und eine monatelang Hatz der Presse werden Jean schließlich fast den Verstand und das Leben ihres Kindes kosten.

Against all Enemies ist eindeutig ein melancholischer Liebesbrief an Jean Seberg, ihr Talent und Trauern um ihr Potential als Aktivistin, Schauspielerin und Mensch. Kristen Stewart, die durchaus ähnliche Erfahrungen, zumindest mit der Presse, gemacht hat, weiß sich hervorragend in ihre Figur hineinzuarbeiten. Sie trägt diesen ansonsten eher konventionellen Film auf ihren Schultern und macht ihn besonders. Es sind die Nuancen dieser komplexen Frau, die sie mit wenigen gekonnten Kniffen zu vermitteln vermag, die aus Against all Enemies einen Film machen, der der Schauspielerin selbst als Mensch gerecht wird und nicht nur als Figur oder gar nur schöne, tragische Frau, wie sie sonst oft porträtiert wird. Und genau hier erzählen Stewart und der Film eben auch mehr als nur eine Geschichte.

Vielmehr erlaubt die Komplexität der Figur und ihrer Geschichte, die sich vor allem auch aus der zweiten Sicht des stets zuhörenden und widerwilligen mitagierenden Jacks ergibt, eine interessante Metapher in Sachen Macht, Geschlecht und Ethnizität. Ganz klar lässt sich hier erkennen, wie die Machtverhältnisse verankert sind. An ihrer Spitze stehen weiße Männer, die keinerlei Grenzen kennen und akzeptieren und die ihren eigenen Willen mit allen Mitteln durchsetzen. Und da gibt es kaum einen Unterschied, ob es Regisseure wie Preminger oder FBI-Chefs wie Hoover sind. Ihre Wünsche, ihre Weltanschauungen gehen über alles und jeden und zerstören alles auf ihrem Weg.

Seberg sagt einmal zu Jamal, dass sie schon genau sieht, was da auf der Welt passiert. Dass Vietnam und die Unterdrückung der Afroamerikaner zusammenhängen und Teil eines größeren Problems sind. Dass Frauenrechte Hand in Hand gehen mit der Gleichberechtigung anderer Gruppen und man nur frei sein kann, wenn alle frei sind. Doch sie verzweifelt auch, denn wie soll man gegen solch ein System ankommen?

Genau das ist, was Against all Enemies bei aller Biografie doch über ein Porträt hinausbringt, verankern die filmischen Themen sich doch genauso im Hier und Jetzt, kämpfen Menschen nicht immer noch um genau die gleichen Ziele. Da kommt eine Seberg gerade recht, selbst wenn ihre eigene Geschichte tragisch ist, denn es bleibt nach diesem Film vor allem das Bild einer Frau zurück, deren Eigensinn und Mut nicht gebrochen wurde.

Against All Enemies (2019)

Die Schauspielerin Jean Seberg ist in den späten 1960er Jahren ein Star und Liebling der französischen Nouvelle Vague. Sebergs Beziehung mit dem Bürgerrechtler Hakim Jamal macht sie jedoch zu einer Zielscheibe des FBI. Sie gerät ins Visier von dessen illegalen Überwachungsprogramm COINTELPRO, durch das das FBI versucht, die Black Power-Bewegung zu zerstören und zu diskreditieren. Der ehrgeizige junge FBI-Agent Jack Solomon wird beauftragt, Seberg zu überwachen.

  • Trailer
  • Bilder

Kommentare

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Weitere Filme von

Benedict Andrews