After the Wedding (2019)

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Für sein US-Remake „After the Wedding” hat Bart Freundlich einen Geschlechtertausch der Hauptrollen vorgenommen – was passiert, wenn Michelle Williams und Julianne Moore zum Ersatz von Mads Mikkelsen und Rolf Lassgård werden?

After the Wedding (2019)

Eine Filmkritik von Andreas Köhnemann

Eine Hochzeit und ein Todesfall

Das Drama Nach der Hochzeit der dänischen Regisseurin Susanne Bier war im Jahre 2007 als „Bester fremdsprachiger Film“ für einen Oscar nominiert. Dass nun ein US-Remake folgt, ist daher kaum überraschend. Die von Bier und Anders Thomas Jensen entworfene Geschichte wurde von dem US-Filmemacher Bart Freundlich von Kopenhagen nach New York City verlegt; zudem wurden aus den beiden männlichen Hauptfiguren, die im Original von Mads Mikkelsen und Rolf Lassgård verkörpert wurden, zwei Frauen.

Für filmwissenschaftliche Studien, welchen Einfluss dieser Geschlechtertausch auf die Dramaturgie und die Charakterzeichnung hat, ist eine Sichtung von Freundlichs After the Wedding äußerst reizvoll. Kenner_innen von Biers Werk werden im Vergleich mit der Neuinterpretation viele interessante kleine und große Verschiebungen bemerken, die sich vor allem daraus ergeben, dass sich jetzt zwei Protagonistinnen im Zentrum befinden. Plötzlich entstehen völlig neue Themen und neue Figurendynamiken. Hinzu kommt, dass sich der Inszenierungsstil von Freundlich deutlich von dem von Bier unterscheidet: Sein Film wirkt weniger roh und deutlich ruhiger, dadurch allerdings auch etwas weniger wuchtig.

Betrachtet man After the Wedding unabhängig von seiner Vorlage, funktioniert das US-Familiendrama in erster Linie als eindrückliche Demonstration von Schauspielkunst. Michelle Williams zeigt als Amerikanerin Isabel, die sich ganz der Leitung eines Waisenhauses in Kalkutta widmet, die gewohnte Zurückhaltung, die gelegentlich von heftigen emotionalen Ausbrüchen unterbrochen wird. Mit dieser prägnanten Spielweise konnte Williams schon oft – etwa in Brokeback Mountain (2005) oder in Blue Valentine (2010) – überzeugen; und auch hier verfehlt sie ihre Wirkung nicht. Ebenso ist Julianne Moore als Geschäftsfrau Theresa, die Isabel nach New York einfliegen lässt, um über die finanzielle Unterstützung von deren Arbeit zu sprechen, mit ihrem zumeist kühlen Auftreten eine perfekte Wahl für den Part. Glaubhaft flankiert werden die beiden von Billy Crudup als Theresas Künstler-Gatte Oscar sowie von Abby Quinn als Tochter des wohlhabenden Paares, zu deren Hochzeit Isabel kurzerhand eingeladen wird.

Wie sich bald herausstellt, sind die Leben von Isabel und Theresa, die zunächst so gegensätzlich erscheinen, eng miteinander verbunden. Dies führt zum einen zurück in die Vergangenheit – und wird zum anderen maßgebliche Konsequenzen für die Zukunft haben. After the Wedding konfrontiert uns mit familiären Verstrickungen und schließlich mit Krankheit und Tod. Wie bereits Biers Original mutet auch Freundlichs Version etwas zu überkonstruiert an – was letztlich zur Folge hat, dass man dem Geschehen als Zuschauer_in trotz des einfühlsamen Spiels und trotz der intensiven Sujets eher distanziert beiwohnt. Obendrein wird der Zusammenprall zwischen Isabels Bescheidenheit und Altruismus und der Dekadenz sowie dem knallharten Business-Denken von Theresa nicht immer allzu subtil veranschaulicht – wenn etwa notwendige Maßnahmen für die Kinder in Kalkutta auf eine drohende Hummer-Knappheit auf der New Yorker Hochzeitsfeier treffen.

Seine stärksten Momente hat der Film, wenn er überaus leise und genau die Interaktion zwischen zwei Figuren – eine erste „richtige“ Begegnung oder auch eine zaghafte Wiederannäherung – beobachtet und dem talentierten Ensemble dabei die Möglichkeit gibt, in kleinen, zuweilen unbeholfenen Gesten die Empfindungen der Figuren zum Ausdruck zu bringen.

After the Wedding (2019)

Ein US-Remake des dänischen Dramas „Nach der Hochzeit“ von Susanne Bier (2006). Michelle Williams spielt die Leiterin eines Waisenhauses in Indien, die nach New York reist, um bei einer Millionärin (gespielt von Julianne Moore) vorzusprechen, welche das Waisenhaus finanziell unterstützen soll. Im Laufe einer Hochzeitsfeier kommt es zur Enthüllung eines Geheimnisses.

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